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Rassimus-Vorfall in Manchester : Polizei ermittelt wegen «White Lives Matter»-Banner

20:51 23.06.2020
Ein Flugzeug zieht kurz nach dem Anpfiff ein Banner über das Etihad-Stadion. Foto: Shaun Botterill/Pool Getty/AP/dpa Quelle: Shaun Botterill
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Burnley

Manchester (dpa) - Nach einer mutmaßlich rassistisch motivierten Aktion beim Fußballspiel zwischen Manchester City und dem FC Burnley am Montagabend ermittelt jetzt die Polizei.

Kurz nach dem Anpfiff war ein Flugzeug mit einem Banner mit der Aufschrift «White Lives Matter - Burnley» (Weiße Leben zählen - Burnley) minutenlang über das Etihad-Stadion geflogen und hatte für heftige Empörung gesorgt.

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«Wir stellen Untersuchungen an, um die gesamten Umstände dieses Vorfalls zu klären. Erst dann sind wir in der Lage, zu beurteilen, ob Straftaten stattgefunden haben», teilte die Polizei Lancashire mit. «Uns ist klar, dass dieses Banner viele Menschen in Lancashire und andernorts verärgert hat, und wir arbeiten weiterhin eng mit unseren Partnern beim Club und bei den örtlichen Behörden zusammen.»

Nach englischen Medienberichten startete das Flugzeug von einem Flugplatz in Blackpool in der Nähe von Manchester. Ein Mann aus Lancashire mit Kontakten zur rechtsradikalen Szene soll sich auf Facebook bekannt haben, das Flugzeug inklusive Banner gebucht zu haben. Später wurde der Account aber gelöscht.

Der Flughafen Blackpool sagte laut BBC: «Wir stehen gegen Rassismus jeglicher Art und dulden die Aktivität absolut nicht. Die Botschaft war beleidigend und die Aktion verwerflich. Die Entscheidung, das Banner zu fliegen, wurde nur von der Bannerfluggesellschaft ohne Wissen oder Zustimmung des Flughafens oder des Blackpool Councils getroffen.»

Banner werden vorher nicht überprüft, das liege im Ermessen des Fluganbieters. Nach einer Notfallüberprüfung am Dienstagmorgen habe sich der Flughafen Blackpool aber dazu entschieden, alle Bannerflüge mit sofortiger Wirkung einzustellen. «Wir schlagen vor, dass auch andere Flughäfen diesen Ansatz angesichts der Ereignisse in Blackpool in Betracht ziehen sollten», hieß es.

Der FC Burnley hatte noch am Abend eine Stellungnahme veröffentlicht. «Wir möchten klarstellen, dass die Verantwortlichen bei uns nicht willkommen sind», hieß es darin. «Dies ist in keiner Weise das, wofür der FC Burnley steht.» Man werde die Verantwortlichen mit Hilfe der Behörden identifizieren und mit lebenslangen Stadionverboten belegen.

Direkt nach dem Spiel, das die Gäste mit 0:5 verloren, hatte Burnley-Kapitän Ben Mee gesagt, er schäme sich und sei «peinlich berührt». Der Gleichstellungsbeauftragte der Spielergewerkschaft PFA, Iffy Onoura, lobte Mee dafür. Über das Banner sagte Onoura dem Sender BBC: «Die Worte für sich selbst genommen sind nicht beleidigend, es geht einfach um den Zusammenhang. Es ist die Ablehnung der Diskussion, die wir im Moment führen und was sie repräsentiert.»

Die Spieler beider Vereine hatten vor dem Anpfiff am Mittelkreis niedergekniet, um ihre Unterstützung im Kampf gegen Rassismus zu zeigen. Auch Trainer, Personal und Schiedsrichter hatten sich an der Geste beteiligt. Auf den Rücken der Trikots stand zudem das Motto «Black Lives Matter» (Schwarze Leben zählen) statt der Spielernamen.

Auslöser war der gewaltsame Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd nach brutaler Gewalt durch die Polizei. Seit dem Tod Floyds protestieren weltweit hunderttausende Menschen gegen Rassismus. Burnley stehe voll hinter der «Black Lives Matter»-Initiative der Premier League, betonte der Club.

«Alle Menschen sind wichtig. Wir sind alle gleich, haben alle die gleichen Sorgen und Nöte. Weiße Leben zählen und schwarze auch», sagte City-Coach Pep Guardiola.

© dpa-infocom, dpa:200622-99-525818/9