Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Handball Verwirrende Regelungen
Sport Sport regional Handball Verwirrende Regelungen
17:28 21.05.2019
Von Uwe Meier
Gemeinsam würden die Altenceller gern den Klassenerhalt feiern. Doch ob und wann das sein wird, kann noch eine Weile dauern.
Celle

„Das ist insgesamt eine absolute Scheißsituation“, sagt Reinhard Roselieb vom Handball-Verbandsligisten SV Altencelle. Der Teammanager steckt mit der SVA-Mannschaft derzeit im Relegationssumpf. Reicht es noch für den Klassenerhalt? Oder bleiben die Entscheidungsspiele gegen SG Achim/Baden II ohne Auswirkungen, und alle Mühen sind somit für die Katz? Gänzlich unschuldig sich die Altenceller an der Situation sicherlich nicht, vielmehr haben sie es sich selbst zuzuschreiben. Und dennoch: „Das ist keine angenehme und verwirrende Angelegenheit“, meint Roselieb. „Man weiß derzeit nicht, ob Siege wirklich auch Erfolg bedeuten. “

Nur Hausaufgaben erledigen reicht nicht

Eine vertrackte Situation. Roselieb und Trainer Martin Kahle wissen derzeit nicht, für welche Liga sie planen müssen. Alles liegt derzeit ein bisschen auf Eis. Erst mal gilt es, die Hausaufgaben zu erledigen und die Hürde gegen SG Achim/Baden erfolgreich nehmen. Doch selbst wenn die Altenceller diese mit Bravour erledigen sollten, wird es noch eine Weile dauern, bis sie wissen, welche Note es dafür geben wird.

Viele Fragen beleben Ungewissheit

Zu viel Ungewissheit, zu viele unbeantwortet Fragen plagen das Seelenleben der Altenceller Handballer. Sie stecken in einer Mühle fest, aus der sie sich aus eigener Kraft nicht befreien können. Hilfe von anderen ist nötig. Reicht es noch zum Klassenerhalt oder führt der Weg in die Landesliga? Es könnte noch einige Wochen dauern, bis wirklich die letzte Entscheidung gefallen ist. Trainer Martin Kahle hätte sich alles am liebsten erspart: „Wir hätten einfach nur ein Spiel mehr gewinnen müssen. Dann hätten wir nicht nachsitzen müssen, sondern jetzt schon Urlaub machen können. Aber jetzt ist es eben so“, sagt er.

Hoffnungsvoller Blick in Richtung Oberligameister

Für die Altenceller ist dabei ausschlaggebend, wie die Meister der Oberligen Niedersachsen und Bremen in der Drittliga-Relegation abschneiden (siehe Infokasten). Beide Teams, die zuvor in ihren jeweiligen Ligen dominiert hatten, müssten den Sprung in die 3. Liga schaffen. Doch in der ersten Runde der Qualifikation sind TuS Vinnhorst (Niedersachsen/45:7 Punkte) und OHV Aurich (Nordsee/51:1) gescheitert, erhalten aber eine weitere Aufstiegschance. Zusammen mit dem Stralsunder HC spielen beide in einer Dreiergruppe im Modus „Jeder gegen jeden“ zwei weiterer Aufsteiger aus. Die Partien werden zwischen dem 25. Mai und 1. Juni ausgetragen.

Sollten also Vinnhorst und Aurich diese Runde erfolgreich überstehen, würden die Altenceller in der Verbandsliga bleiben. Vorausgesetzt der SVA verteidigt seinen Vorsprung aus dem ersten Relegationsspiel (28:25-Sieg) gegen SG Achim Baden II. Das Rückspiel wird am Sonntag, 17 Uhr, in der HBG-Halle ausgetragen.

Noch einige Chancen vorhanden

Scheitern jedoch entweder Vinnhorst oder Aurich, gibt es noch weitere Möglichkeiten. In der dritten Qualifikationsrunde zum 3. Liga-Aufstieg treffen die beiden Drittplatzierten der zweiten Qualifikationsrunde aufeinander. Der Sieger aus dieser Partie erhält eventuell noch einen Platz in der 3. Liga. Nämlich dann, wenn die HSG Elbflorenz I aus noch aus der 2. Liga absteigt – dann wäre der bereits erreichte Drittliga-Aufstieg der zweiten HSG-Mannschaft hinfällig und ein zusätzlicher Startplatz frei. Oder aber ein derzeitiger Drittligist verzichtet auf sein Startrecht. Die Meldefrist dazu endet am 30. Juni.

Andere Regelungen übersichtlicher

„Es wäre schön, wenn für die Zukunft andere Regelungen getroffen werden könnte“, meinte Roselieb und liebäugelt dabei mit der Abschaffung der gleitenden Skala und damit einer Abkehr von der Relegation. „Das wäre übersichtlicher und sicherlich auch ein bisschen Fairer.“ So aber müssen die Altenceller erst siegen, dann abwarten, ob es für den Klassenerhalt noch reicht. Dann erst könnten sie sich freuen . „Das hätten wir uns alles etwas einfacher machen können.“

Informationen

Wenn das so passiert – dann wird das so geregelt. Es könnte aber eventuell auch sein, dass es anders kommt und es dann so gehandhabt werden müsste: Es ist schon ein kleines Studium nötig, um den Wust von Möglichkeiten zu verstehen, die beim Handball den Auf- und Abstieg beeinflussen.

Letztlich ist das eine Auswirkung der sogenannten gleitenden Skala, die bei den Handballern insbesondere in der Abstiegsfrage zum Einsatz kommt. Sie soll dafür sorgen, dass die Staffelgrößen konstant bleiben. Steigen aus höheren Spielklassen also mehr Mannschaften in eine untere Spielklasse ab als zuvor angenommen, werden auch dort mehr Teams als nur die Regelabsteiger (meistens zwei) in den sauren Apfel des Abstiegs beißen müssen.

Und so hat die Reduzierung der 2. Bundesliga von 20 auf 18 Teams Auswirkungen bis in die Oberliga – und darüber hinaus: Von den insgesamt zwölf Oberligisten, die zum Aufstieg berechtigt wären, können am Ende nur zehn Teams auch tatsächlich aufsteigen. Da es aus der 2. Bundesliga einen Absteiger mehr als gewöhnlich gibt und ein Staffelsieger der 3. Liga weniger aufsteigt, sind dort nicht mehr Plätze frei. Daher ermitteln die zwölf Oberligisten aus dem gesamten Bundesgebiet in einer dreistufigen Qualifikation die Aufsteiger in die 3. Liga.