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Lokalsport 25:26 – Nervenschlacht ohne Punkte
Sport Sport regional Lokalsport 25:26 – Nervenschlacht ohne Punkte
15:31 13.06.2010
Von Uwe Meier
Handball-Bundesliga Frauen: SVG Celle vs. FHC Frankfurt Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Es war ein Spiel der Emotionen, der Nerven, der Pfostentreffer, der starken Torhüterin und der vielen leichten Fehler. Celles Manager Joachim H. Niederlüke nannte es anschließend ein denkwürdiges, merkwürdiges Spiel. Da ist was dran. Aber es war auch ein Spiel, in dem eigentlich Pluspunkte für den Aufsteiger her sollten. Doch daraus wurde nichts. Vielmehr stand am Ende eine Niederlage, die im Kampf um den Klassenerhalt richtig weh tat. Und wie schon in der Vorwoche hatte es sich der SVG Celle selbst zuzuschreiben, dass es mit den Punkten sieben und acht nichts wurde. In einer spannenden Nervenschlacht flatterten den Gastgeberinnen in einigen wichtigen Situationen die Nerven. Mit dem Frankfurter HC hatte am Ende keineswegs die bessere Mannschaft gewonnen – sie war letztlich einfach nur die glücklichere.

„Wir haben unheimlich viele technische Fehler gemacht, das Tor nicht getroffen und Frankfurts Torhüter richtig schön warm geschossen“, fasste Nastja Antonewitch die Geschehnisse der Partie zusammen. „Und wenn man seine Chancen nicht reinmacht, kann man auch nicht viel gewinnen.“

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Sicherlich hatte die Celler Mannschaft unermüdlich gekämpft, hatte versucht, Ruhe in die eigenen Aktionen zu bekommen. Doch das hatte nicht geklappt. Ein Stück Unerfahrenheit bei der jungen Celler Mannschaft mag dazu beigetragen haben. Nunmehr steht das SVG-Team nach der vierten Heimniederlage mächtig unter Druck. Am kommenden Mittwoch muss bei Ligaletzten Borussia Dortmund unbedingt ein Sieg her. Trainer Martin Kahle weiß, was da auf seine Mannschaft wartet. „Wir haben jetzt ein richtiges Problem. Jeder denkt, dass wir da schon gewinnen werden, weil die ja noch keine Punkte haben. Das ist falsch. Das wird ein ganz knappes Ding werden.“

In wichtiges Phasen mit zu vielen Fehlern

Kampfstarkes SVG-Team lässt in Schlussphase klare Chancen aus

CELLE. „In Spielen, in denen wir eine Chance haben, müssen wir voll da sein“, hatte SVG-Trainer Martin Kahle vor der Partie gesagt. Gegen Frankfurt war so ein Spiel. Das Ziel war damit klar abgesteckt. Die SVG-Spielerinnen wussten das. Nur hielten sie dem Druck nicht stand. Die 25:26-Niederlage gegen den Frankfurter HC wäre zu vermeiden gewesen, wenn das Celler Team sein eigentliches Leistungsvermögen hätte abrufen können. Am Einsatzwillen des Aufsteigers lag es nicht. Spielerisch hingegen blieb einiges auf der Strecke. Der unbedingte Wille, die Partie gewinnen zu wollen und auch zu müssen, hemmte den Spielfluss. Die Nerven machten einen Strich durch die Rechnung. Anders waren die vielen leichten Fehler nicht zu erklären.

Dabei war der FHC kein übermächtiger Gegner. Die Gäste hatten zwar in der Anfangsphase bei vier Pfostentreffern einiges Wurfpech, doch insgesamt war es eine Partie zweier gleichwertiger Mannschaft. Celle war mit einer 5:1-Abwehrformation angetreten, um den starken Frankfurter Rückraum in den Griff zu bekommen. Das gelang allerdings nur teilweise. Zwar kam Frankfurts Nationalspielerin Franziska Mietzner vorerst kaum zum Zuge, dafür sprang allerdings Frederike Gubernatis in die Bresche, die Probleme auf der linken Abwehrseite der Celler Mannschaft aufdeckte. Nur gut, dass erst Antje Lenz und später ab der 40. Minute Jasmina Jankovic im Celler Tor einen guten Tag erwischt hatten und einige Großchancen des Gegners entschärfte.

Nur zwölf Gegentore in der ersten Halbzeit waren eine gute Quote. Allerdings konnte SVG daraus kein Kapital schlagen. Im Angriff tat man sich gegen die FHC-Abwehr schwer. Das lag zu einem Teil mit daran, dass SVG sich im Spielaufbau einige Unsicherheiten erlaubte. Dazu gehörten ein ungenaues Passspiel sowie schlecht vorbereitete Torwürfe. Keines der Teams konnte sich Vorteile verschaffen, zumal auch Frankfurt einige leichte Fehler unterliefen.

Nach dem Wechsel ließ sich SVG auch von einem 19:21 (48.) nicht aus der Bahn werfen und kämpfte sich in die Partie zurück. Ein „Viererpack“ sorgte sogar für ein 23:21 (50.), bevor es in die entscheidene Phase der Begegnung ging. Und genau da streikten beim SVG die Nerven. Zum einen ließ man in der Abwehr Mietzner zu viel Platz, auf der anderen Seite blieben vier Großchancen frei vom Kreis ungenutzt. So war es auch in der Schlussminute als Desiree Comans vergab und Frankfurt im Gegenzug einen Siebenmeter zugesprochen bekam. Den verwandelte Mietzner zum 26:25. Zwar blieben SVG anschließend noch 38 Sekunden zum Ausgleich, doch die tickten ungenutzt herunter.

Trainerstimmen

Dietmar Schmidt (Frankfurter HC): Das war ein Spiel vor einem tollen Publikum. Wir wollten gewinnen, ihr musstet gewinnen. Der Druck bei uns war nach unserem Start ziemlich hoch. Es hat hier zwischenzeitlich immer die Mannschaft den Rücken an die Wand gekriegt, die die wenigsten Fehler gemacht hat. Wir wollen in der Tabelle liebend gern unter die ersten Acht. Aber das gilt nicht in dieser Phase, das brauchen wir Punkte, um unten rauszukommen. Heute haben wir Glück gehabt und das freut mich natürlich. Euch wünsche ich Siege aus den nächsten Spielen.

Martin Kahle (SVG Celle): Wir haben innerhalb von sieben Tagen zwei Spiele mit einem Tor Unterschied verloren. Das ist natürlich nicht schön und in unseren momentanen Situation sehr bitter. In der ersten Halbzeit haben wir zwar nur zwölf Gegentore kassiert. Aber in der Abwehr waren wir dennoch fehlerhaft. Auch vorn lief es sehr schleppend. Dann sind wir auch nicht schlecht aus der Pause gekommen und liegen dann 23:21 vorn. In dr Schlussphase haben wir katastrophal gegen Franziska Mietzner verteidigt. Das hat uns das Gnick gebrochen. 25 Tore sind einfach zu wenig. Da musst du erstmal eine Mannschaft finden, gegen die du damit gewinnst. Die Siege gegen Göppingen und Oldenburg sind nicht viel wert, wenn man dieser Spiel nicht gewinnt.

SVG Celle – Frankfurter HC 25:26 (12:12)

SVG Celle: Lenz, Jankovic, Grimm – Comans (4), Valyushek (3), Wichmann, Verschuren (5/2), Antonewitch (2), Steinfurth, Robben (3), Galouza, Loest, Techert (6), Büttner (2).

Frankfurter HC: Herrmann, Burrekers – Nega, Mietzner (8/2), Paap (2), Wegner, Hering (6), Eickhoff, Scheidemann (1), Gubernatis (6/1), Trumpf (3), Beier (1).

Schiedsrichter: Pawel Fratczak / Paulo Ribeiro (Diepholz); Siebenmeter: 5/3 – 4/3; Strafminuten: 4 – 4; Zuschauer: 1000.

Torfolge: 0:1 (1), 2:1 (5.), 3:3 (10.), 7:5 (16.), 7:7 (20.), 9:7 (22.), 9:10 (24.), 11:11 (25.), 12:12 (28.) – 12:14 (34.), 13:15 (35.), 16:15 (37.), 17:16 (42.), 17:18 (41.), 19:21 (48.), 23:21 (50.), 23:24 (56.), 25:25 (58.), 25:26 (60.).