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Lokalsport 27:25-Sieg reine Nervensache
Sport Sport regional Lokalsport 27:25-Sieg reine Nervensache
14:27 13.06.2010
Von Uwe Meier
Handball-Bundesliga Frauen: SVG Celle vs. FA Göppingen Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Für schwache Nerven war das Spiel nichts. Wer allerdings unter den nur knapp 600 Zuschauern in der HBG-Halle einen unterhaltsamen Abend verleben wollte, kam voll auf seine Kosten. Rauf und runter ging die Skala der Emotionen. Eine bis zum Umfallen kämpfende Mannschaft des SVG Celle sorgte für Stimmung. Spielerisch war vielleicht das eine oder andere etwas auf der Strecke geblieben. Dieses kleine Manko machten die Gastgeberinnen allerdings mit enormen Einsatzwillen wett und verdienten sich einen wichtigen Sieg, der im Kampf um den Klassenerhalt Gold wert sein kann.

Wie wichtig der Erfolg für die Spielerinnen war, machte Josephine Techert nach dem Spiel deutlich.: „So ein Sieg gibt natürlich erstmal ein bisschen Selbstvertrauen und hat uns gezeigt, dass wir mithalten können“, sagte sie auch angesichts von zuvor fünf Niederlagen in Folge und den kommenden schweren Aufgaben, gegen die Teams von den Tabellenrängen zwei bis fünf.

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Bedanken konnte sich die Celler Mannschaft dabei auch bei Jasmina Jankovic. Die Celler Torhüterin brachte den Göppinger Angriff schier zu Verzweiflung – ganz nebenbei parierte sie auch noch vier Siebenmeter. Das Urteil ihres Trainers fiel dann auch überschwänglich aus: „Das war Weltklasse“, meinte Trainer Martin Kahle. Sie selbst hielt sich mit einer Beurteilung zurück. „Es war wohl ganz gut.“, sagte sie. „Viel wichtiger ist, dass wir gewonnen haben. Darüber kann ich mich einfach nur freuen.“

Durch diese zwei Punkte hat sich SVG Celle etwas Luft zu den Abstiegsrängen verschafft. Auf der sicheren Seite ist man allerdings noch lange nicht. Noch stehen neun Spieltage an, an denen das Team noch eine Punkte sammeln muss.

Elfter Comans Treffer macht alles klar

Überragende Jasmina Jankovic im SVG-Tor lässt Gäste verzweifeln

CELLE. Natürlich waren sie angetreten zu gewinnen. Doch das SVG-Team wusste auch, dass es auf einen hochmotivierten Gegner treffen würde. Hatte man doch FA Göppingen im Hinspiel eine überraschende Niederlage beifügt und dabei dem Europacup-Teilnehmer zugleich den ersten Auftritt in der umgebauten EWS-Arena in Göppingen vermiest.

Dass es dann im Rückspiel noch einmal klappte, den Favoriten zu Fall zu bringen, machte die ganze Angelegenheit umso schöner. „Wir haben sie gezwungen, zuviel nachzudenken“, sagte Torhüterin Jasmina Jankovic.

Dabei hatte die Partie für den SVG Celle alles andere als optimal begonnen. Im Wissen um die Bedeutung der Partie unterliefen den Gastgeberinnen besonders in der Anfangsphase viele leichte Unzulänglichkeiten. Fangfehler und Fehlpässe kennzeichneten das Spiel des Ligazehnten. Dazu kam noch, dass einige gute Einwurfmöglichkeiten ungenutzt blieben. SVG wirkte nervös und bekam vorerst keine Sicherheit in die Aktionen. Ein 4:7 nach elf Minuten war die logische Folge. „Dann haben wir es geschafft, unsere Fehler abzustellen“, sagte Josephine Techert. „Dazu kam, dass auch Göppingen nicht unbedingt perfekt gespielt hat.“ Und so fand die Celler Mannschaft, in der Trainer Martin Kahle viel wechselte, ab Mitte der ersten Halbzeit immer besser in die Partie. Die Aufholjagd begann. Doch Göppingen hielt vorerst noch dagegen, verzweifelte aber vermehrt an Celles Torfrau Jankovic, die der immer besser eingestellten SVG-Abwehr den nötigen Rückhalt gab. Im Angriff setzte sich zudem Desiree Comans vermehrte erfolgreich in Szene. Auf sechs Treffer brachte es die Celler Kreismitte im ersten Abschnitt. Dennoch lagen die Gäste in der 28. Minute noch mit 13:11 vorn, was auch mit darin lag, dass das Celler Rückzugsverhalten beim Tempospiel des Gegners zu langsam war.

Doch dann schlugen die Gastgeberinnen erbarmungslos zu und nutzten jeden Göppinger Fehler eiskalt aus. Mit einem Fünfer-Pack innerhalb von 160 Sekunden drehte SVG die Partie zu einer 16:13-Pausenführung. Den Schlusspunkte dieser turbulenten Phase hatte Susanne Büttner mit einem Treffer in der Schlusssekunde gesetzt. „Als wir die Chance hatten, das Spiel zu gewinnen, haben wir nicht mehr nachgelassen und haben als Mannschaft sehr gut gekämpft“, sagte Techert.

Doch Göppingen hatte sich damit noch lange nicht geschlagen gegeben. Eine kurze Garßener Schwächephase zu Beginn der zweiten dreißig Minuten nutzten die Gäste, um aus einem 13:17 (33.) ein 17:17 (36.) zu machen. Gerade noch rechtzeitig schaffte es Celle, den Hebel wieder umzulegen. Zwar stand es auch nach 47. Minuten noch Unentschieden (20:20), doch SVG hatte bis dahin keine Führung des Gegners zugelassen. Drei Treffer von Comans brachten das 23:20 (50.). Sechs Minuten vor dem Ende führte Celle gar mit 26:22. Doch es wurde noch einmal eng. Göppingen nutzte ein Überzahlspiel – Jolanda Robben musste eine Zeitstrafe absitzen – um auf 25:26 heranzukommen. Doch Comans Treffer in der Schlussminute verwandelte die HBG-Halle endgültig in ein Tollhaus.

Trainerstimmen

Aleksandar Knezevic (FA Göppingen): Celle hat mehr gekämpft und mehr gewollt. Wir haben unsere Chance in der ersten Halbzeit verpasst ein besseres Ergebnis zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde es dann immer schwerer. Letztlich hat Celle verdient gewonnen.

Martin Kahle (SVG Celle): Ich bin von dem Spiel noch ziemlich geplättet. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, was sie hier heute geleistet hat. Ich freue mich für das Team und die Zuschauer. Es war ein hartes Stück. In der ersten Halbzeit sind wir schlecht ins Spiel gekommen. Da hat uns Jasmina Jankovic im Tor mit einer Weltklasseleistung im Spiel gehalten. Wichtig war, dass wir kurz vor der Pause in Führung gegangen sind. Eigentlich will ich niemandem aus dem Team hervorheben. Alle haben gekämpft und haben gezeigt, dass sie den Sieg unbedingt wollten. Jetzt warten schwere Aufgaben auf uns. Wir müssen also weiter arbeiten. Heute war das aber eine gelungene Sache. Ich bedanke mit bei den Zuschauern und der Mannschaft.

SVG Celle – FA Göppingen 27:25

SVG Celle: Jankovic, Lenz, Grimm – Comans (11/2), Valyushek (2), Wichmann, Verschuren (1), Antonewitch (3), Steinfurth, Robben, Galouza (1), Loest, Techert (5), Büttner (4).

TPSG FA Göppingen: Meisl, Schneider – Schulz (4), Breitinger, Unseld (1), Mädger, Stellbrink (1), Schröder (4), Breidert (4), Dinkel (4), Günthel, Dangel (5/3), Vojtiskova (5).

Schiedsrichter: Torsten Brand/Karsten Veit (Vlotho/Kalletal); Siebenmeter: 4/3 – 7/3; Strafminuten: 4 – 10. Zuschauer: 600.

Torfolge: 1:0 (2.), 2:1 (5.), 2:3 (6.), 3:6 (10.), 4:7 (11.), 6:7 (16.), 7:9 (18.), 8:10 (21.), 10:10 (25.), 11:13 (27.), 12:13 (28.), 16:13 (30.) – 17:13 (33.), 17:14 (34.), 17:17 (36.), 18:17 (38.), 18:18 (38.), 20:20 (47.), 23:20 (50.), 24:22 (51.), 26:22 (54.), 26:25 (59.), 27:25 (60.).