Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Mit Hochzeitskleid auf der 5-Kilometer-Strecke
Sport Sport regional Lokalsport Mit Hochzeitskleid auf der 5-Kilometer-Strecke
20:53 10.03.2019
Von Audrey-Lynn Struck
Was wäre der Wasa-Lauf nur ohne das Luftballon steigen lassen? Hunderte bunte Ballons hellten am Sonntag den sonst so tristen Himmel für einen kurzen Moment auf. Quelle: David Borghoff
Celle

Erst hört man nur den Jubel der Zuschauer, dann taucht am Ende der Straße eine einzelne Gestalt auf. Im Sprint steuert Fabian Kuklinski auf das Ziel zu. Doch er ist nicht allein. Ihm dicht auf den Fersen ist Sven Schenk, den der Hannoveraner schon von anderen Wettkämpfen kennt. Beide Athleten kommen beinahe zeitgleich durch das Ziel. Mit einer Sekunde Vorsprung gewinnt Schenk mit einer Zeit von 32:40 die 10-Kilometer-Strecke beim Wasa-Lauf.

„Ich hab Sven nicht mehr gesehen und nicht mehr gehört. Ich dachte, er ist etwa 20 Meter hinter mir“, erzählt Kuklinski. Erst als beide gleichauf waren, erkannte der 23-Jährige seinen Irrtum. „Da konnte ich nichts mehr machen. Natürlich wäre ich gerne Erster geworden“, gibt der Leichtathlet zu, der zum ersten Mal beim Celler-Wasa-Lauf teilgenommen hat. Schenk hingegen ist Wiederholungstäter. Der 26-Jährige war nicht nur schon oft bei Celles größter Sportveranstaltung dabei, sondern stand auch bereits mehrfach auf dem Podest. Im vergangenen Jahr schrammte er haarscharf vorbei und landete auf dem vierten Platz. „Dieses Mal liefen die ersten fünf Kilometer gut, das Tempo war nicht hoch“, so Schenk. Auf den letzten drei Kilometern sei es dann eng geworden. „Ich habe mich ganz auf die Strecke konzentriert und wollte sie möglichst kurz nehmen“, erklärt der Himberger. Der 10-Kilometer-Lauf diente ihm und Kuklinski als Vorbereitung auf die Landesmeisterschaften in zwei Wochen. Dort werden die beiden dann erneut aufeinandertreffen.

Die Gewinnerin des 10-Kilometer-Laufes überrascht kaum. Die Uelzenerin Martina Boe-Lange hat seit 2010 mit einer Ausnahme jedes Jahr den ersten Platz belegt. „Dieses Mal war es aber besonders schwer. Ich habe bei dem Regen so gefroren, ich hätte mir etwas Langes anziehen sollen“, sagt Boe-Lange. Dadurch habe sie über eine Minute an Zeit verloren. Auch der Regen, der den ganzen Tag über immer wieder einsetzte, erschwerte für die Teilnehmer den Lauf. „Die Straßen waren rutschig, aber man hat sich gegenseitig gewarnt. Das war sehr kameradschaftlich“, so die 48-Jährige, die auch oft Marathons läuft. Auf den Wasa-Lauf in Celle freue sie sich jedes Jahr besonders. „Ich fühle mich hier sauwohl. Vielleicht bin ich ja irgendwann die älteste Teilnehmerin.“

„Oh, guckt euch mal die Braut an“

Ein echter Blickfang waren Jan und Gefion Schmidt. Vor 18 Jahren hatten sie sich kirchlich in Groß Hehlen das Ja-Wort gegeben. Ihren Hochzeitstag wollte das Paar nun auf ganz besondere Art und Weise feiern. „Vor ein paar Jahren habe ich gesehen, dass das Datum unserer Hochzeit direkt mit dem 37. Wasa-Lauf zusammen fällt“, sagt Gefion Schmidt. Gemeinsam mit einer 29-köpfigen Hochzeitsgesellschaft, inklusive Trauzeugin und Blumenmädchen, liefen sie die 5-Kilometer-Strecke – natürlich im originalen Hochzeitsoutfit. „Allerdings habe ich andere Schuhe angezogen“, gibt Gefion Schmidt zu. Zusätzlich zur Abendgarderobe hatten alle ihre Kleidung, passend zum 18. Hochzeitstag, mit türkisen Akzenten versehen.

„Während wir gelaufen sind, haben viele am Rand gerufen: ‚Oh, guckt euch mal die Braut an‘. Einige haben die beiden sogar erkannt und gesagt: ‚Habt ihr Frau Schmidt gesehen?‘“, erzählt Luca Sophia Krumm, die vor 18 Jahren als Blumenmädchen bei der Hochzeit dabei war. „Daran erinnern kann ich mich allerdings nicht mehr“, sagt die 19-Jährige schmunzelnd. Nun als Teil der Hochzeitsgesellschaft mitzulaufen, hat sie sich jedoch nicht nehmen lassen. Anschließend feiern Schmidts noch im kleinen Kreise zu Hause. „Wir wollten keine riesen Party machen. Schließlich müssen wir für den 25. Hochzeitstag noch Platz nach oben lassen“, so Jan Schmidt.

Beim 37. Celler Wasa-Lauf sind insgesamt rund 9000 Läufer an den Start gegangen.

Jedes Jahr andere Kostüme

Ob die Feuerwehr in voller Montur und mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken, der Saunaklub Warme Brüder im Bademantel oder eine andere Gruppe im Poncho und mit Sombrero auf dem Kopf: Einige Läufer hatten sich wie jedes Jahr verkleidet, um sich von der Masse abzuheben. So auch fünf Celler im Federkleid als Hühner verkleidet. „Jedes Jahr haben wir ein anderes Kostüm. Wir waren auch schon einmal als Fußballer, die Minions und die Schlümpfe verkleidet“, erzählt Hedya Aclan, die wie die anderen vier bei Baker Hughes arbeitet. „Hedya hat damals mit der Idee angefangen und uns dann mitgezogen“, erinnert sich Kirsten Schindel.

Neben dem Spaß am Verkleiden ginge es ihnen darum, dass sich gerade die Kinder über die Kostüme freuen. Während sie die fünf Kilometer beim sogenannten Volkslauf laufen, verteilen sie jedes Jahr Bonbons an die Kleinen. „Deshalb sind wir auch als eine der letzten ins Ziel gekommen“, sagt Susanne Brase und Schindel ergänzt: „Wir wollen den Sportlern aber nicht die Show stehlen. Die sportliche Leistung soll im Vordergrund stehen.“

Wasa-Lauf-Krümel

Läufer aus aller Herren Länder:
Insgesamt 9018 Teilnehmer hatten sich für den Wasa-Lauf angemeldet. Läufer aus 27 Nationen waren vertreten. Darunter unter anderem Jordanien, Brasilien, Namibia und Venezuela. Der Großteil (etwa 60 Prozent) kam jedoch aus dem Celler Landkreis.

Fast ein Drittel der Läufer sind Kinder:
Über 2350 Kinder liefen beim Wasa-Lauf. Gerade der Mini-Wasa-Lauf mit einer Strecke von 2,5 Kilometern ist bei den Jüngeren beliebt. Insgesamt nahmen 27 Schulen und sieben Kindergärten an Celles größter Sportveranstaltung teil.

Weniger Senioren auf Strecken:Während 2018 noch 183 Läufer über 70 auf den Strecken unterwegs waren, waren es in diesem Jahr 175: 74 Läufer, 52 Wanderer sowie 49 Walker und Nordic Walker. Von den 175 Senioren waren 26 über 80 Jahre sowie ein Teilnehmer über 90 Jahre alt.

Internet-Anmeldung im Trend:
Etwa 95 Prozent aller Teilnehmer haben die Möglichkeit genutzt, sich über die Internetseite vom Celler Wasa-Lauf bei der Veranstaltung anzumelden. Online kann man später nicht nur die Ergebnisse abfragen, sondern auch seine Teilnahmeurkunde ausdrucken.

Schmidt überholt Meyer:
Während im vergangenen Jahr der zweithäufigste Nachname Meyer war, hießen in diesem Jahr 47 Menschen Schmidt. Unangefochten auf Platz eins ist weiterhin der Nachname Müller. 101 Männer heißen Michael, bei den Frauen ist der Vorname Sandra am beliebtesten.

Startschuss mit Kanone:
„Das gibt gleich einen großen Knall“, sagt Erik Paech und beugt sich über eine Kanone. Der Böllerschütze – auch bekannt als Kanonier – von den Schützen der Altenceller Vorstadt ist seit mehreren Jahren mit den Startschüssen für einige der Läufe betraut. „Pistolen haben wir auch, aber die Kanone ist schöner und eleganter“, so Paech. Seine Aufgabe sei vor allem, auf die Sicherheit zu achten. Kurz vor dem Schuss sollte man zum Beispiel nicht direkt vor dem Kanonenrohr stehen. In dem Rohr ist vorne Schwarzpulver drin, das von einer Zeitung gestopft wurde. Gezündet wird dann per Elektro-Zünder. Auf den Knopf drücken darf Paech nicht. Das sei traditionell die Aufgabe des Oberbürgermeisters. „Die anderen wollen ja auch mal. Beim Schützenfest darf ich dann aber auch mal drauf drücken“, sagt Paech schmunzelnd.

Gewinne, Gewinne, Gewinne:
In diesem Jahr kamen ein paar neue Pokale hinzu, sodass gestern 43 Pokale für die Sieger der jeweiligen Altersklassen sowie die ältesten Teilnehmer übergeben wurden. Außerdem wurden zwölf Pokale für die Sieger des 5-Kilometer-Laufes und die teilnehmerstärksten Mannschaften verliehen. Unter allen Läufern wurden über 400 Sachpreise verlost, die überwiegend von Firmen aus dem Celler Umland gesponsert wurden.

Helfende Hände:
Ab etwa vier Uhr morgens waren bereits die ersten Helfer vor Ort, um aufzubauen. Tagsüber waren am Sonntag dann etwa 400 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.