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Lokalsport Celler Klubs fürchten um ihre Existenz
Sport Sport regional Lokalsport Celler Klubs fürchten um ihre Existenz
06:48 15.02.2018
Von Heiko Hartung
Quelle: Oliver Knoblich
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Celle

Unter anderem sollen die Verantwortlichen mit ihrer Unterschrift unter den zweiseitigen Vertrag die bereits kurz vor Weihnachten angekündigte stufenweise Streichung der städtischen Verbrauchskostenzuschüsse (Strom, Wasser, Gas) bis 2021 akzeptieren. Zudem sollen die Vereine künftig alle Schönheits- und Instandsetzungsreparaturen an den Sportheimen selbst tragen. Für größere Investitionen ab 5000 Euro können die Vereine Anträge auf Bezuschussung stellen. Schließlich sollen die Vereine die Verkehrssicherungspflicht auf den ihnen überlassenen Grundstücken übernehmen – inklusive der Kosten für eine entsprechende Haftpflichtversicherung. Die Stadt selbst wäre zwar weiterhin Verpächter, aber von jeglichen Haftungsansprüchen befreit. Hinzu kommt die geplante Reform der Sportförderung: Angedacht ist, dass die Stadt keine Zuschüsse für Platzwarte und Reinigungskräfte mehr bezahlt. Stattdessen soll die finanzielle Förderung pro jugendlichem Vereinsmitglied erhöht werden.

Ristow geht unter diesen Vorzeichen von insgesamt 7500 Euro Mehrbelastung pro Jahr für den SSV Scheuen aus – bei einem Gesamtetat von 22.000 Euro. „Das können wir als kleiner Verein mit 240 Mitgliedern nicht auffangen“, sagt der Klubchef und kündigt an: „Wir unterschreiben doch nicht unser eigenes Todesurteil. Ich fürchte nur, dass uns nichts anderes übrig bleibt.“ Im Jahr 2016 wurde der SSV Scheuen für sein soziales Engagement mit der niedersächsischen Sportmedaille ausgezeichnet. „Ich befürchte, dass wir nun sozial im Stich gelassen werden“, sagt Ristow und merkt an: „In vier Jahren feiern wir unser 75-jähriges Jubiläum. Hoffentlich gibt es den Verein dann noch.“

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„Wahnsinn, was man uns da zumutet. Das wäre das Ende für viele Vereine. Höchstens die größeren Klubs können das vielleicht wuppen“, sagt Sebastian Henze, Vorsitzender des SSV Groß Hehlen. Angesichts der enormen Zusatzbelastung im Gegenzug die Jugendförderung von 2,55 auf acht oder sogar zehn Euro pro minderjährigem Mitglied anzuheben, reiche nicht aus. „Das macht den Kohl nicht fett“, so Henze, der seine Mitglieder in einem offenen Brief über die Thematik informieren will.

Auch mitgliederstärkere Vereine akzeptieren die Forderungen der Stadt nicht. „Das Papier unterschreiben wir so definitiv nicht“, sagt Ingo Lindner, Vorsitzender des SV Altencelle. „Die Stadt ist als Verpächter für ,Dach und Fach‘ verantwortlich. Sie muss unser Sportheim zunächst in einen übergebbaren Zustand bringen, dann sehen wir weiter.“

„Was in den letzten 30 bis 40 Jahren zwischen Vereinen und Stadt höchst unterschiedlich geregelt wurde, kann nicht in kürzester Frist vollständig erfasst werden. Das geht vielen schlicht zu schnell“, bemängelt Joachim Knoll den Zeitdruck, unter den die Stadt die Vereine setze. „Auf die Nutzungsvereinbarung sollen noch Pachtverträge folgen. Das muss als Paket betrachtet werden“, unterstreicht der stellvertretende Vorsitzende des VfL Westercelle.

Wie bei den meisten Betroffenen wurde beim VfL eine Arbeitsgruppe auf Vorstandsebene gebildet, die gezielt Daten zusammenstellt und einen Fragenkatalog erarbeitet. „Wir verstehen den Ansatz der Stadt zur Vereinheitlichung von Verträgen und zu Haushaltseinsparungen und arbeiten konstruktiv daran mit. Vor einer Unterschrift müssen wir aber erst die konkreten Belastungen ermitteln. Bei der Tragweite neuer Verträge ist auch juristischer Beistand erforderlich“, so Knoll.

Für Marco Stradtmann ist die Versicherung der Knackpunkt: „Die vollständige Haftungsübernahme ist für uns ausgeschlossen. Wenn sich ein Kind auf unserem Gelände verletzt und die Versicherung stellt sich quer, steht der Verein blöd da. Diese Verantwortung kann kein Ehrenamtlicher übernehmen“, sagt der Vorsitzende des SV Garßen und kündigt an: „Wenn wir genötigt werden, diese Vereinbarung zu unterschreiben, tritt unser Vorstand geschlossen zurück.“

Die Stadt betont, dass der Entwurf eine Diskussionsgrundlage und kein „rechtlicher“ Vertrag sei. „Viele der aufgeführten Bedingungen sind noch nicht in Stein gemeißelt“, so Pressesprecherin Myriam Meißner. Kommenden Dienstag findet das nächste Treffen zwischen Verwaltung und Vereinen statt. „Wir sind zuversichtlich, dass vielleicht bereits dann eine einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten gefunden wird“, so Meißner. „Erst wenn ein für alle Seiten gangbarer Weg gefunden ist, werden wir im nächsten Schritt mit der Politik weitere Diskussionen über die Sportförderungsrichtlinien führen.“

Es sei vorgesehen, den Vereinen die Sporteinrichtungen und vorhandenen Geräte „in einem verkehrssicheren Zustand“ zu überlassen. „Entsprechend würden Sicherheitsmängel wie zum Beispiel defekte Türen, Schimmelbefall und ähnliches noch von der Stadt gerichtet“, so Meißner.

Das Thema der Versicherungspflicht sei noch in der Prüfung. „Eine Mitgliedschaft der Vereine im Kommunalen Schadensausgleich ist leider nicht möglich“, bedauert Meißner. Neben den Vereinen sollen auch die Schulen die Anlagen nutzen können. Dabei wären die Schüler über den Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover (GUVH) versichert.

Niemand werde mit seinen Sorgen und Nöten alleingelassen, versichert die Verwaltung. „Wir lassen keinen Verein sterben“, sagte Oberbürgermeister Jörg Nigge gegenüber der CZ. Er machte aber deutlich, dass sowohl die Übernahme der Betriebskosten durch die Vereine als auch die Übertragung der Sportstätten an die Klubs zwei wesentliche Punkte sind, an denen grundsätzlich nicht zu rütteln sei.

Michael Ottinger 15.02.2018
Michael Ottinger 15.02.2018
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