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Lokalsport Durchbruch: Stadt Celle kommt Sportvereinen bei Nutzungsvereinbarung entgegen
Sport Sport regional Lokalsport Durchbruch: Stadt Celle kommt Sportvereinen bei Nutzungsvereinbarung entgegen
04:52 22.02.2018
Von Heiko Hartung
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Celle Stadt

Diesen Vertrag wollten die Vereinsvorsitzenden in der ursprünglichen Form nicht unterschreiben. Einige bangten angesichts der drohenden Auflagen um die Existenz ihrer Gemeinschaften. Jetzt wurde teilweise in ihrem Sinne nachgebessert. „Aus Sicht des SSV Scheuen ist das Ergebnis der Besprechung, vorsichtig gesagt, ein positives Zeichen der Stadt Celle“, sagte SSV-Vorsitzender Jörg Ristow gestern. Die Stadt spricht von einer „für alle Seiten verträglichen und gerechten Lösung“ mit der man „Bedenken der Vereine ausgeräumt“ habe. Die wichtigsten Punkte.

Haftungs- und Versicherungspflicht bleibt bei der Stadt: Drei der elf Paragrafen der Nutzungsvereinbarung wurden ersatzlos gestrichen – von der Verpflichtung der Vereine zur Überwachung der Sportanlagen über die Verkehrssicherungspflicht auf dem Grundstück bis zur Haftpflichtversicherung auf Vereinskosten. Kurz gesagt: In Haftungsfragen bleibt die Stadt in der Verantwortung. „Vor allem dieser Punkt hat uns schlaflose Nächte bereitet. Dass jetzt alles bleibt wie es ist, beruhigt uns“, sagt Ingo Lindner. Der Klubchef des SV Altencelle berichtet von einer „anfänglich wilden Debatte“. Dann seien jedoch „in angenehmer Weise“ alle strittigen Punkte abgearbeitet worden.

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Eigenanteil der Vereine bei Schönheits- und Instandsetzungsreparaturen wird gedeckelt: Statt die Kosten für alle Schönheits- und Instandsetzungsreparaturen selbst zu tragen – wie es der Erstentwurf des Papiers vorsah – ist nun der Eigenanteil der Vereine auf 500 Euro pro Maßnahme, maximal aber 1500 Euro pro Jahr gedeckelt. Darüber hinaus können für größere Bau- oder Modernisierungsvorhaben ab 5000 Euro Zuschüsse beantragt werden. „Diese Wertgrenze legt der Landessportbund fest. Die Nutzungsvereinbarung bildet die Voraussetzung dafür, dass die Vereine Fördergelder von Stadt und Kreis, den Sportbünden und der Regionsstiftung der Sparkassen anzapfen können“, so Sport-Fachdienstleiter Dirk Nothdurft. Bevor die Sportstätten in die Eigenverantwortung der Vereine gehen, würden grundlegende Mängel aufgenommen und behoben.

Betriebskosten tragen Vereine künftig selbst: Es bleibt dabei: Mit Beginn des kommenden Jahres übernimmt die Stadt nur noch die Hälfte der Kosten für Strom, Wasser und Heizung, ab 1. Januar 2021 bleiben die Vereine ganz allein auf den Rechnungen sitzen. Schon vor dem Treffen hatte Oberbürgermeister Nigge deutlich gemacht, dass dieser Punkt nicht verhandelbar sei. So drangen die Vereinsvertreter auch nicht mit ihrem Ansinnen durch, die Betriebskosten dauerhaft zu je 50 Prozent zwischen Vereinen und Stadt aufzuteilen. „In diesen sauren Apfel müssen wir beißen“, sagt Wolfgang Wilhelms, Vorsitzender des SC Vorwerk. „Wir werden künftig noch sensibler mit unserem Energieverbrauch umgehen und versuchen, die Verbrauchskosten anderweitig wieder reinzubekommen.“ Altencelles Lindner ergänzt: „Dieser Einschnitt tut weh. Vielleicht können sich alle zwölf Vereine zusammentun, ihre Betriebskosten addieren und mit diesem Gesamtvolumen Angebote bei Energieversorgern einholen.“

Nothdurft räumte ein, dass der erste Entwurf der Stadt „juristisch überladen“ war. Mit der überarbeiteten Version gehe man auf die Vereine zu, ohne die klare Linie des Oberbürgermeisters zu verlassen, so Nothdurft. „Dabei wurden einerseits die Bedenken der Vereine ausgeräumt und andererseits das Anliegen der Stadt nach mehr Flexibilität und Selbstverantwortung der Vereine nochmals adressiert“, hieß es. Somit sei die Tür für eine stufenweise Umsetzung der geplanten Maßnahmen ab 2019 weit offen.

Die Stadt will in Kürze mit der geänderten Nutzungsvereinbarung auf die Vereine zugehen. Wenn alle Klubs unterschrieben haben, „könnte das Thema der zu ändernden Sportförderrichtlinien mit der Politik erörtert werden“, hieß es. Bislang bekommen die Vereine städtische Zuschüsse für ihre Platzwarte und Reinigungskräfte. Diese unterliegen der Umsatzsteuerpflicht. Um die zu umgehen, könnten die Gelder über die Jugendförderung verteilt werden. Das stößt aber auf Kritik der „kleinen“ Vereine, die aufgrund von geringeren Mitgliederzahlen fürchten, den Kürzeren zu ziehen. Nothdurft verwies jedoch darauf, dass es sich bei der Neuregelung um eine „Umverteilung, keine Kürzung der Fördersumme“ handele.

Michael Ottinger 21.02.2018
Uwe Meier 21.02.2018
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