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Lokalsport Calisthenics gehört zu ihrer Tagesordnung
Sport Sport regional Lokalsport Calisthenics gehört zu ihrer Tagesordnung
06:39 18.05.2019
Von Audrey-Lynn Struck
Marko Liebing hat vor zweieinhalb Jahren die Gruppe gegründet: "Ziel war es die Fitness zu verbessern und eine Gemeinschaft zu schaffen."
Unterlüß

Über 40 Mitglieder, regelmäßig dreimal die Woche Training und das schon seit über zweieinhalb Jahren: Doch wie hat das eigentlich damals mit der Unterlüßer Calisthenics-Gruppe alles angefangen? "Eigentlich entstand alles aus einer Bierlaune heraus", gibt Trainer Marko Liebing zu. Vorher hatte er die Leichtathletik-Gruppe geleitet. Doch die Jugendlichen wurden älter, entwickelten andere Interessen und schnell waren nur noch einige wenige beim Training. Zur selben Zeit hatte Liebing bereits mit sechs, sieben Leuten eine neue Fitnessgruppe gegründet."Als wir uns vom Leichtathletik aus nur noch einmal die Woche zum Spiel getroffen haben, haben wir beide Gruppen zusammen gelegt", sagt Liebing.

Das Konzept geht auf. Mittlerweile machen Alt und Jung gemeinsam Sport, viele der Erwachsenen kommen mit ihrer ganzen Familie zum Training. "Es ist ein großer Suchtfaktor. Ohne Sport fühlt man sich wie ein Tiger im Käfig", spricht Liebing aus Erfahrung. Dass tatsächlich alle bei der Fitnessgruppe mitmachen können liegt nicht zuletzt an seiner motivierenden Art und seinen abwechslungsreichen Übungen. "Für jeden ist das Training möglich und für alles, was nicht möglich ist, gibt es Ausweichdisziplinen", sagt der Unterlüßer, der in seinem Kurs sogar schonmal jemanden mit einem Bänderriss hatte. Dieser Sportler trainierte in dieser Zeit dann vorrangig den Oberkörper. "Bei uns gibt es keine Ausreden. Jeder unterstützt jeden", so Liebing. Zusätzlich zum Sport treffen sich die Sportler auch mal zum Grillen oder machen einmal im Jahr am Wochenende einen Ausflug.

"Ich kann es mir nicht mehr ohne vorstellen. Nicht nur wegen dem Sport sondern auch wegen der Community." (Sofie Ribel) Quelle: David Borghoff

Sofie Ribel hilft als Co-Trainerin

Schon von Kindesbeinen an trieb Sofie Ribel Sport und entdeckte so ihre Leidenschaft für Leichtathletik. Jahre lang trainierte die Schülerin im Unterlüßer Verein, wo sie auch Marko Liebing kennen lernte. "Marko trainiert mich seit der ersten Klasse", erzählt Ribel. Als die Schülerin älter wurde, leitete sie zusätzlich zu ihrem eigenen Training eine Kinderlaufgruppe. Doch vor rund zweieinhalb Jahren merkte die Unterlüßerin: "Leichtathletik ist nicht ganz mein Ding." Über Liebing erfuhr sie von seiner "Männergruppe", bei der sie schließlich auch einsteigen durfte.

Heute kann es sich die 19-Jährige gar nicht mehr ohne die Calisthenics-Gruppe vorstellen. "Nicht nur wegen dem Sport, sondern auch wegen der Community", sagt Ribel. Sie kommt auch während ihres Abiturs regelmäßig zu dem dreimal wöchentlichen Training. Schweinehund? Fehlanzeige. Als Ausgleich zum Schulalltag auf dem Sofa zu liegen und zu entspannen ist nichts für die Abiturientin. Durch ihre Zeit beim Leichtathletik, wo sie fünfmal die Woche trainierte, ist sie einen strukturierten Tagesablauf gewöhnt. "Sport gehört einfach zu meiner Tagesordnung dazu. Ich finde sonst keine Ruhe", sagt Ribel, die durch das Training sogar zehn Kilo abgenommen hat. Mittlerweile vertritt sie auch Liebing als Trainerin.

"Marco hat mich angesprochen, weil ich in sein Beuteschema passte: Alt, übergewichtig, unsportlich." (Heiner Groß) Quelle: David Borghoff

Heiner Groß ganze Familie ist beim Training

Der Faßberger Heiner Groß ist von Anfang an bei der Calisthenics-Gruppe dabei. Damals kam Trainer Liebing direkt auf ihn zu und motivierte ihn beim Training auch mal mitzumachen. "Marco hat mich angesprochen, weil ich in sein Beuteschema passte: Alt, übergewichtig und unsportlich", scherzt Groß, der sich nicht lange bitten lassen musste.

Früher hatte er längere Zeit Fußball gespielt. Doch mit der Zeit holte ihn der Alltag ein und er fand weder Zeit noch Lust zum Sport. "Wie das halt so ist: Man sitzt abends auf dem Sofa und erfindet Ausreden. Vor den Calisthenics hatte ich zehn Jahre lang keinen Sport mehr gemacht." Daher sein Ziel: Die körperliche Fitness von früher wieder erreichen. Es war ein steiniger Weg. Gerade am Anfang sei es schwer gewesen gegen den Schweinehund anzukommen. "Es hat mehrere Monate gedauert, bis ich ihn überwunden habe", gibt Groß zu. Das Training zahlt sich aus, der 51-Jährige hat über die Zeit schon zehn Kilo abgenommen. Während er vor zweieinhalb Jahren kaum einen Kilometer am Stück laufen konnte, nimmt er nun sogar an Halbmarathons teil.

Mittlerweile ist sogar seine Familie mit von der Partie. Gemeinsam trainieren sie nach Möglichkeit zweimal die Woche. Mehr ist für den Familienvater zeitlich einfach nicht machbar. Denn eigentlich ist das Training für seinen Biorythmus zu spät, weil er früh morgens schon wieder raus muss – er arbeitet in der Landwirtschaft. Aber die Gruppe sei Motivation genug am Ball zu bleiben. "Wir sind von 16 bis 70 Jahre alt und haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Leistungsstandards. Aber wir quälen uns gemeinsam da durch und pushen uns gegenseitig", schwärmt Groß. Zusätzliche Unterstützung käme von den Trainern Liebing und Ribel. Sie spornen einen an über die eigenen Grenzen hinaus zu wachsen. "Wenn du nicht leistungsbereit bist, bist du hier falsch", sagt Groß.

"Innerhalb von einem Jahr habe ich hier meine Muskel-Leistung verdoppelt." (Bernd Schmidt) Quelle: David Borghoff

Bernd Schmidt ist mit 70 der Älteste

Es ist das Jahr 2014, als der Rentner Bernd Schmidt einen Arzttermin beim Kardiologen hat. Im Sprechzimmer soll er auf einem Rad fahren, während unter anderem Herz- und Kreislauf getestet werden. Eigentlich eine Kinderübung für Schmidt. Schließlich macht er seit Jahren Sport – insbesondere Fahrrad fahren. Kaum tritt der Rentner jedoch in die Pedalen, soll er auch schon wieder vom Sattel herunter steigen. Der Grund: Zu wenig Muskulatur, das macht sein Körper nicht mit.

Für Schmidt kaum erklärbar. Um körperlich wieder fitter zu werden, steigt er bei der Unterlüßer Calisthenics-Gruppe ein. Mit seinen 70 Jahren ist er der älteste unter den Sportler. "Nach einem Jahr habe ich meine Leistungen bereits verdoppelt", erzählt Schmidt zufrieden. Beim nächsten Test habe er nicht mehr beim Kardiologen vom Rad steigen müssen.

"Wenn du mal einen Monat nicht zum Training kommst, merkst du es sofort." (Andreas Dietz) Quelle: David Borghoff

Andreas Dietz ist von Anfang an dabei

Eine komplette Auszeit vom Sport kann in vielerlei Hinsicht ein Problem sein. Das musste auch Andreas Dietz feststellen. Der 49-Jährige machte trieb rund zehn Jahre lang gar keinen Sport, ehe er bei der Calisthenics-Gruppe anfing. Sein Körper kam mit der Umstellung anfangs überhaupt nicht klar. Neben ständigem Muskelkater litt er nach einem Monat unter Asthma. "Das ist ein sogenanntes Belastungsasthma", erklärt der kaufmännische Angestellte. Zwei Monate lang musst er ein Spray nehmen, ehe es wieder von selbst weg ging.

Seitdem ist es auch nicht wieder aufgetreten. Wenn Dietz jedoch mal einen Monat nicht zum Training geht, merke er es sofort. "Das merkst du auch im Alltag. Wenn du nichts machst, bist du schneller kaputt", sagt der 49-Jährige. Gerade ungeliebte Übungen bringen im Training oft am meisten. Seine Lebensqualität hat sich seit dem Eintritt in die Sportgruppe deutlich verbessert. "Du bist glücklicher, es hilft dir bei der Arbeit und bringt Abwechslung in deinen Alltag."

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