Was macht eigentlich... : ... Celles Ruder-Legende Dieter Scheerschmidt?
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Lokalsport ... Celles Ruder-Legende Dieter Scheerschmidt?
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17:48 14.02.2020
Von Jürgen Poestges
Was macht eigentlich ... Dieter Scheerschmidt? Quelle: David Borghoff
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Celle

Auf den ersten Blick sieht alles nach einem entspannten Ruheständler aus. „Ich stehe aber nach wie vor jeden Morgen um 7 Uhr beim Bäcker und hole die Brötchen“, erzählt Dieter Scheerschmidt lachend. „Dann frühstücke ich mit meiner Frau in aller Ruhe und lese die Zeitung.“ Er war von 1974 bis 1995 als technischer Angestellter im Sportamt Ansprechpartner für die Sportvereine in der Stadt. Sein Herz aber gehört neben Ehefrau Gisela bis heute dem Rudern.

Dieter Scheerschmidt (Dritter von hinten) im Achter bei den 21. Fisa-Masters 1994 in Groningen (Niederlande). Quelle: Fremdfotos/eingesandt

1962 trat „Scheere“, wie ihn seine Freunde rufen, in den Celler Ruderverein (CRV) ein und gehörte über 30 Jahre, von 1981 bis 2012, dem Vorstand an, davon lange Zeit als stellvertretender Vorsitzender. Dem Landesruderverband Niedersachsen stand er von 1992 bis 2006 vor, seitdem ist er Ehrenvorsitzender.

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Dieter Scheerschmidt (rechts) bei den Vorbereitungen auf dem Gelände der Celler Rudervereinigung. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Ehrenmitglied noch oft am CRV-Bootshaus

Im Boot sitzt Scheerschmidt inzwischen nur noch selten. „Die Knie machen nicht mehr mit“, sagt er. „Wenn aber mal in einem Boot ein Platz am Steuer dringend besetzt werden muss, dann steige ich noch einmal mit ein.“ Und überhaupt: Am Bootshaus auf der Ziegeninsel ist das CRV-Ehrenmitglied noch immer häufig anzutreffen. Er ist halt nach wie vor so etwas wie der „Mann für alle Fälle“ – ob bei der Regatta, bei Wanderfahrten, beim Arbeitseinsatz oder wenn mal schnell ein Bootsschaden zu beheben ist.

Dieter Scheerschmidt (links) als kleiner Junge mit seiner Schwester. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Einmischen in die Vorstandsarbeit will sich der 76-Jährige nicht mehr. Gleichwohl sagt er: „Ich habe das Motto: Neue Besen kehren gut – aber die alten kennen die Ecken besser.“ Soll heißen: „Es muss niemand das Rad neu erfinden. Wer will, der kann mich immer gerne um Rat fragen.“

Dieter Scheerschmidt (links) im Gespräch mit Ratspolitiker Udo Hörstmann vorm Bootshaus der Celler Rudervereinigung. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Kritik an Celler Sportförderung

Nur bei einem Thema, da bekommt Dieter Scheerschmidt richtig Puls. „Was in den vergangenen Jahren in der Stadt in Sachen Sportförderung passiert, das macht mich wütend“, sagt er. Und er zieht einige dicht beschriebene Seiten aus der Tasche, die er auch an Oberbürgermeister Jörg Nigge geschickt hat. „Die Entwicklung geht dahin, dass die Bedeutung des Sports in seiner Gesamtheit, was Flächen, Personal und Zuschüsse angeht, seit vielen Jahren rückläufig ist“, erklärt Scheerschmidt. „Die Belastung für die Sportvereine ist durch Kostenverlagerung, stagnierende oder sinkende Zuschüsse sowie die Streichung von Dienstleistungen seitens der Stadt kontinuierlich gestiegen.“

Dieter Scheerschmidt mit seinen Enkelkindern auf der Celler Ziegeninsel. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Auseinanderdriften der Gesellschaft

Wenn diese Entwicklung so weitergehe, dann dürften sich die politisch Verantwortlichen über ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft nicht wundern, meint Scheerschmidt. „Mit der Aussicht auf lange und bürokratische Antragsverfahren zum Einwerben von Zuschüssen schreckt man ehrenamtliche Funktionsträger doch nur ab“, weiß er aus eigener Erfahrung. Und er fordert dringend eine Neuausrichtung und Anpassung der Sportförderrichtlinien.

Schlagmann Dieter Scheerschmidt (Zweiter von rechts) im Achter bei der Themse-Regatta "Head of the river" im London der 80er-Jahre. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Frauen in Führungspositionen nicht erzwingen

Was zeigt: Dieter Scheerschmidt ist zwar im Ruhestand – aber der Sport ist ihm auch jetzt alles andere als egal. Das gilt auch für die immer wieder eingeforderte Frauen-Quote: „In meinen Vorständen gab es schon immer mehrere Frauen“, sagt er. „Ich habe aber auch immer schon gesagt, dass man die Frauen ja nicht zwingen kann. Wenn sie nicht in Führungspositionen hineinwollen, ist das eben so.“

Dieter Scheerschmidt mit seiner Frau Gisela und den fünf Enkelkindern. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Inklusion als Mode-Wort

Auch mit dem in Mode gekommenen Begriff der Inklusion hadert er. „Wir hatten im Celler Ruderverein schon immer Menschen mit Behinderung“, sagt er. Und berichtet von einem erblindeten Mann, der gemeinsam mit anderen auf Wanderfahrt war. „Er konnte an den Umweltgeräuschen genau feststellen, wo wir gerade waren. Und er hat die Ruderschläge gezählt, um zu wissen, wie weit wir schon gekommen sind.“ Was für Scheerschmidt zeigt, dass viele Dinge ohne viel Lärm umzusetzen sind. „Heute wird viel zu viel diskutiert“, findet er.

Sehnsucht nach Finnland

Fragt man ihn nach offenen Wünschen, gibt er sich bescheiden: „Ich möchte mit meiner Frau noch einmal nach Finnland. Da waren wir früher immer mit den Kindern.“ Ansonsten ist Dieter Scheerschmidt ein Familienmensch: „Die beiden Kinder und fünf Enkelkinder kommen immer wieder gerne zu uns. Da müssen Oma und Opa ja etwas richtig gemacht haben“, sagt er lächelnd.

Zur Person

Dieter Scheerschmidt (*19. Januar 1944 in Thorn im ehemaligen Westpreußen) kam mit seiner Familie 1946 nach Celle. Der Tischlermeister

und Hochbautechniker trat später eine Verwaltungslaufbahn im Celler Rathaus an.

Für seine Verdienste um

den Rudersport bekam Scheerschmidt im Jahr 2013 das Bundesverdienstkreuz

am Bande verliehen.

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