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Tischtennis „Das Jahr der Zäsur“
Sport Sport regional Tischtennis „Das Jahr der Zäsur“
14:32 16.04.2019
Von Oliver Schreiber
Lukas Brinkop fixiert hoch konzentriert den Ball. Quelle: David Borghoff
Westercelle

So ganz stimmte die Dramaturgie im Drehbuch nicht. „Wir waren zwei Minuten zu schnell“, sagt Lukas Brinkop, Mannschaftsführer des Tischtennis-Verbandsligisten VfL Westercelle, schmunzelnd. Bei seinem letzten Auftritt im schwarz-gelben Dress nach 15 Jahren am vergangenen Wochenende beim TSV Eintracht Hittfeld hätte wohl jeder mehr oder weniger begabte Regisseur ihm die Rolle des Helden zugedacht – und den Film so inszeniert, dass er den finalen Schlag zum Sieg ins gegnerische Feld geschmettert hätte. Doch dies klappte leider nicht ganz.

Ein Foto aus dem Jahr 2009: Lukas Brinkop schlägt eine Vorhand. Quelle: nicht zugewiesen

Dabei lief alles genau auf dieses Szenario zu. Brinkop musste in Hittfeld im Entscheidungsdoppel ran. Beim Spielstand von 7:7 ging der 29-Jährige zusammen mit Christoph Bruns an die Platte, um sich und seinem Team mit einem Sieg gegen Immanuel Mieschendahl/Rico Buchholz den erhofften Abschied zu bescheren. Parallel dazu bestritt aber auch Tim Dümeland das letzte Einzel gegen Andreas Raeder. Beide Matches verliefen hochdramatisch und gingen nahezu zeitgleich in den fünften Satz. Brinkop und Bruns entschieden die Partie mit 11:6 für sich – es war aber nicht der Siegpunkt. Denn den Matchball zum 9:7-Erfolg verwandelte Dümeland, der etwas länger benötigte, um letztlich mit 11:7 zu triumphieren. Ausgerechnet der Spieler, den Brinkop jahrelang trainierte und der zumindest teilweise beim VfL in seine Fußstapfen treten wird. „Ich bin ihm aber nicht böse. Hauptsache, wir haben das Spiel gewonnen“, wiegelt Brinkop lächelnd ab.

Umzug nach Schleswig-Holstein

Dies passt zu seiner bescheidenen, bodenständigen Art. Brinkop ist ein echter Teamplayer, der selbst nicht gern im Rampenlicht steht. Der aber dafür sorgt, dass dies anderen möglichst gelingt. Denn Brinkop kümmert sich in der Tischtennis-Abteilung des VfL um weitaus mehr als nur als Kapitän um seine Mannschaft. Seit elf Jahren ist der B-Lizenz-Inhaber Jugendtrainer und erledigt als Jugendwart auch noch das Organisatorische. Fast jeder junge Spieler, der im vergangenen Jahrzehnt den Schläger für die Westerceller schwang, ist auf verschiedene Art und Weise von Brinkop gefördert worden. „Natürlich war ich dabei aber nicht allein, wir haben in all den Jahren viele gute Trainer gehabt und auch viele Menschen, die mich toll unterstützt haben. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir einfach generell sehr viel Spaß“, erklärt Brinkop.

Lukas Brinkop im Jahr 2010 bei einem Smash. Quelle: nicht zugewiesen

Und im Prinzip genau diese Tatsache sorgt nun für seinen Abschied. Denn ab Juli zieht Brinkop, der in Hannover studiert hat, nach Schleswig-Holstein, um dort Kindern und Jugendlichen an einem Gymnasium Mathematik und – natürlich – Sport näher zu bringen. „Wo es mich genau hin verschlägt, steht noch nicht fest. Fest steht nur, dass im Juli der Umzug erfolgt“, erläutert Brinkop. Doch vorher steht für ihn Ende April noch die Abschlussprüfung an. Sein Referendariat absolviert er am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium, sein Abi baute er 2008 am Hölty-Gymnasium.

Hochzeit und neuer Job als Lehrer

Nun heißt es aber bald Abschied nehmen von seiner Heimat – zumindest räumlich. Brinkop ist in Lachendorf aufgewachsen, spielte in der Jugend Handball für die HSG Lachte-Lutter, Tischtennis sowie Fußball beim TuS Lachendorf und betrieb Judo beim MTV Beedenbostel. 2004 zogen seine Eltern mit ihm nach Celle, seitdem ist er für den VfL aktiv. „Natürlich fällt es mir nicht leicht, von hier wegzuziehen. Aber das Jahr 2019 ist für mich das Jahr der Zäsur, nicht nur sportlich und beruflich“, sagt Brinkop.

Dies gilt insbesondere auch für sein Privatleben. Denn Brinkop ist frisch vermählt, zwei Tage vor seinem letzten Spiel für den VfL heiratete er seine Christin (27), ebenfalls eine Cellerin. „Daher wird mir das Jahr 2019 auch immer in schöner Erinnerung bleiben“, meint Brinkop. Beide freuen sich darauf, bald in Schleswig-Holstein ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen: „Selbstverständlich werden wir Celle verbunden bleiben, allein schon wegen der Familie.“

Lukas Brinkop spielte für den VfL Westercelle auch in der Regionalliga und in der Oberliga - hier im Jahr 2013 gegen Schwarz-Weiß Oldenburg. Quelle: Alex Sorokin

Kontakte zu Tischtennis-Vereinen im hohen Norden hat er durch seine Spielerkarriere jede Menge, Klubs wie Schwarzenbek oder Ahrensburg spielen auf Regionalliga- oder Oberliganiveau. In beiden Klassen war er auch für den VfL Westercelle aktiv, zuletzt gab es zwei Abstiege in Folge, weil einige Topspieler den Verein verließen. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Und mit unseren Jungs haben wir ein echt gutes Jahr mit Platz vier in der Verbandsliga gespielt. Es wäre super, wenn wir uns da etablieren können“, hofft Brinkop, der wie selbstverständlich immer noch in der Wir-Form spricht.

„Da hat die Halle gebebt“

Kein Wunder, denn das letzte Spiel liegt erst wenige Tage zurück – und die Erinnerungen an viele Highlights schwingen immer mit. „Mein persönlicher Höhepunkt war sicherlich der dritte Platz bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Jahr 2007. Da habe ich Benedikt Duda, der heute im Kader der Nationalmannschaft steht, geschlagen“, erinnert sich Brinkop.

Lukas Brinkop trainierte den Nachwuchs beim VfL Westercelle - hier im Jahr 2011.

Auch einige Punktspiele sind bei ihm noch präsent. „In der Saison 2005/2006 habe ich in der zweiten Mannschaft ausgeholfen, die gegen MTSV Aerzen um die Niedersachsenmeisterschaft spielte. Da waren 150 Zuschauer in der Halle, die richtig Alarm gemacht haben. Wir haben 8:8 gespielt, dass hat für uns zum Titel gereicht“, erzählt Brinkop – und dabei fällt ihm gleich noch ein anderes Drama ein: „Das war 2015 auf unserem Weg zum Regionalliga-Aufstieg gegen Lunestedt. Die waren als Spitzenreiter noch ungeschlagen. Wir haben nach 5:8-Rückstand noch 8:8 gespielt, die Spielzeit betrug über fünf Stunden. Da hat die Halle gebebt.“

Auf diese Art Dramen wird Brinkop vorerst verzichten müssen, weil er in Schleswig-Holstein mit Rücksicht auf Privatleben und Beruf sportlich zunächst kürzertreten wird. Aber vielleicht wird ja auch noch einmal ein neues Drehbuch mit Celle als Location geschrieben: „Eine Rückkehr irgendwann ist natürlich nicht ausgeschlossen.“

Schöner Abschluss für den Kapitän: Im letzten Spiel von Lukas Brinkop siegte Tischtennis-Verbandsligist VfL Westercelle 9:7 in Hittfeld.

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