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Corona-Krise : Formel-1-Notkalender als Puzzle: Mehr Fragen als Antworten

12:01 24.05.2020
Die Austragung der geplanten zwei Formel-1-Rennen in Silverstone ist nach wie vor unsicher. Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa Quelle: Martin Rickett
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Singapur

Silverstone (dpa) - Der Formel-1-Notkalender wird immer mehr zum unlösbaren WM-Puzzle. Nicht nur die Austragung der geplanten zwei Rennen in Silverstone im Juli ist nach wie vor unsicher, die tiefgreifenden Probleme durch die Coronavirus-Pandemie reichen längst von Singapur bis in die USA.

Während der ab 5. Juli angepeilte Doppel-Auftakt in Spielberg von Österreichs Regierung noch nicht bestätigt wurde, lässt ein konkreterer Jahresplan der Rennserie weiter auf sich warten. Die Fahrer sind derweil zu Geisterrennen bereit, die Teams planen vorausschauend schon Sparmaßnahmen.

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Wie die englische Zeitung «The Guardian» unter Berufung auf eine Regierungsquelle berichtete, haben die Veranstalter des Heimspiels von Weltmeister Lewis Hamilton in Silverstone trotz großer Bemühungen bisher noch keine Ausnahmeregelung von den strengen Quarantänevorschriften in England bekommen. Die beiden Rennen ohne Zuschauer sind dem Bericht zufolge für den 26. Juli und 2. August angepeilt. Eine finale Absage gibt es zwar noch nicht, doch die Corona-Maßnahmen von Premierminister Boris Johnson sehen für alle Flugreisenden nach ihrer Ankunft in England derzeit eine zweiwöchige Quarantäne vor. Der Weg zu einer Lösung scheint aktuell schwierig.

Und das gilt auch für andere Events wie den Großen Preis von Singapur. Die lokalen Ausrichter schlossen für das Spektakel in Asien bereits ein Geisterrennen quasi aus. Auf dem Stadtkurs sei das nicht umsetzbar, zudem seien drei Monate Vorbereitungszeit nötig. Die Gesundheitsbehörden im US-Bundesstaat Texas teilten zuletzt mit, dass Großveranstaltungen bis Ende des Jahres sehr unwahrscheinlich seien. Damit droht dem Grand Prix in den USA am 25. Oktober das Aus. Aufgrund hoher Corona-Zahlen in Mexiko und Brasilien spielen Rennsportveranstaltungen 2020 dort gerade eine untergeordnete Rolle.

Falls überhaupt gefahren werden kann, sind sich die Piloten um Hamilton und Ex-Champion Sebastian Vettel zumindest einig, dass Geisterrennen in den nächsten Monaten ein notwendiges Übel sind. Sie seien «ein Mittel, um früher wieder auf die Strecke zurückkehren zu können, als bei Rennen mit Publikum. Deshalb akzeptieren alle Fahrer auch die Aussicht, vor leeren Rängen zu fahren», sagte der Chef der Fahrergewerkschaft, Alexander Wurz, dem Sender Sky Sports F1.

Der 46-Jährige betonte, dass keiner der Piloten, und auch nicht er persönlich, «ein Fan von Geisterrennen ist». Trotzdem habe sich bisher noch keiner «geweigert, dafür bereit zu sein». Auch habe niemand zu Ex-Fahrer Wurz gesagt, dass es falsch sei, unter diesen Bedingungen möglichst schnell wieder Rennen zu bestreiten.

Die ersten zehn Saisonläufe wurden abgesagt oder verschoben, an diesem Wochenende wäre es in Monaco um Platz eins gegangen. Nun sollen bis zum Jahresende idealerweise noch 15 bis 18 Rennen stattfinden. Auch ein Grand Prix in Hockenheim ist im Gespräch. Schon jetzt sind die finanziellen Schäden für alle Beteiligten enorm, kleinere Rennställe könnten die Corona-Krise nicht überstehen, wenn in den kommenden Monaten nicht wieder um Siege gefahren wird.

Wie die britische BBC und das Fachmagazin Autosport berichteten, haben sich die Teams auf eine Senkung der Budgetobergrenze geeinigt. Sie sollen einem Plan zugestimmt haben, der das Limit der Ausgaben pro Team und Saison von den ursprünglich geplanten 175 Millionen US-Dollar (161 Millionen Euro) für das kommende Jahr auf 145 Millionen US-Dollar (133 Millionen Euro) senkt. Für 2022 und die Periode von 2023 bis 2025 soll die Obergrenze jeweils noch zweimal um weitere fünf Millionen US-Dollar verringert werden.

Die Genehmigung vom Weltrat des Motorsport-Weltverbandes Fia sei nur noch Formsache, hieß es laut BBC. Über ein Ausgabenlimit wird seit Jahren diskutiert, die finanzielle Not während des Corona-Krise hat den Druck aber noch verschärft.