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Sport überregional Von NBA bis NHL: Auch der weiße Sport protestiert jetzt mit
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US-Sport gegen Rassismus : Von NBA bis NHL: Auch der weiße Sport protestiert jetzt mit

19:51 28.08.2020
«End Racism»: Klare Botschaft auf einer Anzeigetafel der NHL. Foto: Jason Franson/The Canadian Press/AP/dpa Quelle: Jason Franson
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Milwaukee

Washington (dpa) - Die Welle des Protests gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA hat längst historisches Ausmaß erreicht - und ist auch in der Eishockey-Liga NHL angekommen.

Deren Spieler erklärten am Donnerstag (Ortszeit), die in Kanada stattfindenden Playoffs vorerst zu unterbrechen. Ein bemerkenswertes Zeichen, da Eishockey immer noch als weißer Sport gilt, Afroamerikaner oder Afrokanadier in der NHL eher die Ausnahmen bilden. Ausgelöst vom Playoff-Boykott der Basketballer aus Milwaukee breitete sich der Widerstand über alle großen Ligen des nationalen Profisports aus. Von US-Präsident Donald Trump wird sie allerdings kritisch gesehen.

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«Das hier ist eine viel stärkere Botschaft als alles, was ein oder zwei Spieler auf dem Eis machen könnten», sagte der schwarze Eishockey-Profi Ryan Reaves von den Vegas Golden Knights: «Das Gespräch hat angefangen mit weißen Spielern von anderen Teams, die sprechen wollten. Das ist stark.» Die Liga erklärte: «Die NHL unterstützt die Entscheidung und wird die vier Duelle am Samstag nachholen sowie den Zeitplan entsprechend anpassen.»

Am Freitag präzisierte die NHL ihre Pläne und teilte mit, dass es am Samstag mit den Playoff-Serien zwischen den Philadelphia Flyers und den New York Islanders (Stand 1:1), den Vancouver Canucks und den Vegas Golden Knights (1:1) sowie den Boston Bruins und Tampa Bay Lightning (1:2) weitergehen soll. Die Colorado Avalanche soll am Sonntag wieder gegen die Dallas Stars (1:2) spielen.

Auch die Playoff-Spiele der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA werden am Samstag fortgesetzt. Das teilte die NBA am Freitag mit. Nach einem Treffen unter anderen mit Spielern und Vertretern der in Orlando spielenden 13 Teams sowie Repräsentanten der NBA entschieden sich alle Beteiligten, die Playoffs wieder aufzunehmen.

Zuvor hatten neben den NBA-Profis und den Basketballerinnen der WNBA schon Teams und Spieler der Major League Soccer (MLS) und der Major League Baseball (MLB) auf ihre Wettkämpfe verzichtet. Mehrere Mannschaften der Football-Liga NFL sagten ihr Training ab. «Genug ist genug», teilten die Baltimore Ravens in einem Statement mit. Man müsse sich dem Thema Rassismus «direkt stellen und jetzt handeln, um positive Veränderungen herbeizuführen».

Der Münchner Basketball-Profi Wade Baldwin, der in der NBA früher für die Memphis Grizzlies und die Portland Trail Blazers spielte, sagte dem «Münchner Merkur» und der «tz» (Samstag): «Der Boykott war auf jeden Fall ein Schritt. Auch wenn ich enttäuscht bin, dass das Ganze nicht einmal 24 Stunden gedauert hat.» Als «gewaltiges Signal» würde er einen kompletten Boykott mehrerer Sportarten und Ligen sehen.

Auslöser der Proteste waren Schüsse von Polizisten auf den schwarzen Familienvater Jacob Blake, der am Sonntag im US-Bundesstaat Wisconsin schwer verletzt worden war. Die Basketballer der Milwaukee Bucks waren daraufhin am Mittwoch nicht zu ihrer Playoff-Partie gegen die Orlando Magic angetreten, hatten stattdessen eine Protestnote vorgelesen. NBA-Vizepräsident Mike Bass hofft, «dass wir die Spiele entweder am Freitag oder am Samstag wieder aufnehmen können.»

Beim von Cincinnati nach New York verlegten Masters-1000-Turnier der Tennisprofis kündigte Grand-Slam-Champion Naomi Osaka zunächst an, zu ihrem Halbfinale nicht anzutreten. Die Veranstalter sagten kurz darauf alle vier Halbfinals der Damen und Herren für Donnerstag ab und verkündeten eine Spielpause bis Freitag. In einem Statement schrieb die 22-Jährige: «Nach meiner Ankündigung von Mittwoch und längeren Gesprächen, habe ich zugestimmt, am Freitag zu spielen. Man hat mir angeboten, alle Spiele zu verschieben, und ich denke, das hat der Bewegung bereits viel Aufmerksamkeit gebracht.»

US-Präsident Trump richtete sich mit seiner Kritik indes vorrangig an die Basketballer, die den Boykott ins Rollen gebracht hatten: «Die Liga ist wie eine politische Organisation. Ich denke nicht, dass das gut für den Sport oder für das Land ist. Ich weiß nicht viel über die Proteste. Aber ich weiß, dass ihre TV-Quoten schlecht waren, weil die Leute der NBA überdrüssig sind.»

Marc Short, Stabsleiter von US-Vizepräsident Mike Pence, hatte die Proteste bei «CNN's New Day» als «dämlich und absurd» bezeichnet. Auch der Besitzer des Fußball-Teams Real Salt Lake, Dell Loy Hansen, äußerte sich kritisch zu den Protestaktionen und Spielverschiebungen. Die MLS kündigte eine Untersuchung gegen ihn an.

© dpa-infocom, dpa:200828-99-336571/9

Von dpa Von Maximilian Wendl und Christoph Lother