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Celle blüht auf Insektensommer: Was krabbelt denn da?
Thema Celle blüht auf Insektensommer: Was krabbelt denn da?
Celle blüht auf
16:15 01.08.2019
Was kreucht und fleucht kann man über Apps leichter bestimmen. Quelle: Eric Neuling
Celle

Ein Aufschrei in der Küche – da hängt was an der Wand. Fast zwei Zentimeter lang und gruselig anzusehen. Wobei man darüber sicherlich auch diskutieren könnte. Aber auf jeden Fall muss es da weg. Und wie? Draufhauen wäre eine Lösung, aber hinterher prangt vielleicht ein Fleck an der Wand. Also ein Glas genommen, drüber gestülpt, ein Blatt Papier unter geschoben, Fenster auf und weg. Problem gelöst.

Aber was war das? Die Frage lässt sich jetzt wohl nicht mehr beantworten. Wer mehr über seine Mitbewohner wissen möchte, sollte anders vorgehen. Kamera oder Handy geholt, ein oder mehrere Bilder gemacht und die oben geschilderte Entsorgung kann beginnen. Mit den Aufnahmen kann die Suche nach der Art beginnen. Es gibt Bestimmungsbücher oder das Internet. Wird schon nicht so schwer sein. Doch – wird es! Wenn keine Vorkenntnisse vorhanden sind und man selber suchen will.

Es gibt in Deutschland rund 30.000 Insektenarten. Wo soll man da anfangen? Online gibt es zahlreiche Portale, auf denen Bilder hochgeladen werden und Fragen zur Art gestellt werden können. Die aufgeführten Seiten sind kostenfrei. Voraussetzung, um Bilder hochladen zu können, ist die Anmeldung mit den persönlichen Daten.

Naturgucker.de

Die Seite gibt es seit 2008. Mehr als 60.000 Personen haben rund 10 Millionen Beobachtungen und 1,5 Millionen Aufnahmen von Tier- und Pflanzenarten eingestellt. Ziel ist es, die Bestände und Verbreitung, auch mit den jahreszeitlichen Veränderungen wie beispielsweise Vogelzug, von Tieren und Pflanzen zu erfassen. Die gesammelten Daten werden dann auch wissenschaftlich und für den Naturschutz genutzt.

So funktioniert das Hochladen der Aufnahmen: Auf der linken Seite befindet sich ein Symbol mit Kamera. Auf der sich dann öffnenden Seite können bis zu fünf Aufnahmen unseres Käfers hochgeladen werden. Als Bildtitel kann „Unbekanntes Tier“ eingegeben und unter Bemerkungen können Angaben zum Fundort gemacht werden. Das Funddatum ist wichtig. In dem Feld „Karte: Land/Ort in der Nähe“ den Wohnort eingeben und auf der sich öffnenden Landkarte, die sich vergrößern lässt, den Fundort durch Doppelklick markieren. Jetzt noch ein Häkchen bei „Bestimmungshilfe gewünscht“, auf Speichern klicken und die Anfrage ist im Netz.

Bei Naturgucker.de werden solche Anfragen von den angemeldeten Nutzern beantwortet. Es sind viele naturinteressierte Laien, es gibt aber auch Spezialisten für bestimmte Tier- und Pflanzenarten. Bei Antworten erfolgt automatisch eine Information per E-Mail. Um die Erfassung von Arten zu dokumentieren, sollte man, wenn die Art jetzt genannt wurde, bei der Aufnahme auf das Feld „bearbeiten“ gehen, den Namen der Art eingeben und einen Haken bei Punkt 3 setzten, damit auch eine Beobachtung gespeichert wird. Damit ist unser Käfer für die Wissenschaft gesichert.

Kerbtier.de

Diese Seite ist nur für Käferfunde. Ein Expertenteam beantwortet die eingereichten Fragen innerhalb von wenigen Stunden. Die Meldungen werden auch hier gespeichert und für wissenschaftliche Zwecke genutzt.

Die Vorgehensweise ist einfach: Auf das Feld „Bestimmen“, dann auf „Anfrage einreichen“. Foto hochladen, das Land ein geben, auf der Karte den Fundort markieren. Als Angaben werden nur das Datum, die ungefähre Größe des Käfers und Daten zum Fundort (wie an der Wand, im Garten, am Teichrand) benötigt. Nach dem Speichern erhält man eine Nummer. Unter dieser Zahl kann man die Antwort abfragen. Eine Benachrichtigung per E-Mail erfolgt nicht. In der Antwort wird auch nur der lateinische Name genannt. Über Google kann der deutsche Name gesucht werden.

Lepiforum.de

Die Spezialseite für Schmetterlinge. Über „Forum 1“ das Feld „Neues Thema“ wählen, unter „Betreff“ kurz den Grund der Anfrage nennen, wie Schmetterling im Garten. Foto hochladen. Es gibt keine Landkarte, in der der Fundort markiert werden kann. Die Funddaten werden wie folgt eingegeben: zum Beispiel Deutschland, Niedersachsen, Celle, im Haus, 10.6.2019, Fotograf: Name und absenden. Über die Antwort erhält man eine Nachricht per E-Mail.

Weitere Bestimmungsseiten: Es gibt noch verschiedene Spezialforen für Bestimmungen. Forum-pflanzenbestimmung.de für Pflanzen, Wiki.spinnen-forum.defür Spinnen und Orthoptera.ch für Heuschrecken. Die Vorgehensweise ist überall ähnlich.

Käferrätsel lösen

Und was war das jetzt für ein Käfer in der Küche? Die Einstellung des Fotos bei Naturgucker.de mit dem Häkchen bei „Bestimmungshilfe erwünscht“ hätte schnell ergeben: Es ist gar kein Käfer, es ist eine Wanze – die Amerikanische Zapfenwanze. Über einen Klick auf das Lexikon erfährt man, dass die ursprünglich aus Nordamerika stammende Wanze zum ersten Mal 1999 in Europa, in Italien, gemeldet wurde. 2006 tauchte sie in Deutschland auf und ist inzwischen bei uns weit verbreitet. Sie ist für Menschen völlig harmlos. Im Herbst sucht sie einen trockenen und warmen Platz für den Winter und taucht dann auch öfter in Häusern auf. Ein Blick auf die der Art zugeordneten Landkarte zeigt die Meldungen dieser Art bei Naturgucker. Wird das Feld „Artverbreitung einblenden“ aktiviert erscheint auf der Karte die weltweite Verbreitung dieser Tierart.

Damit ist das Rätsel des Käfers gelöst und gleichzeitig hat man einiges gelernt. Vielleicht auch Gefallen daran gefunden, mehr zu entdecken. Im eigenen Garten, im Wald und auf der Wiese, an der man immer spazieren geht. Solche Flächen lassen sich bei Naturgucker.de als Gebiete einrichten und die beobachteten Tiere und Pflanzen können dort gespeichert werden. Es sind im Landkreis Celle schon viele Gebiete fest installiert. Schlosspark und Triftanlagen in Celle, der Verlauf der Aller in Teilabschnitten von Langlingen bis Winsen, diverse Naturschutzgebiete und viele Orte wie Wathlingen, Wienhausen und Lachendorf. Auch in diese, bereits bestehenden, Gebiete können Beobachtungen eingestellt werden.

Durch solche Beobachtungen und das Einstellen der Daten wird der Blick für die Natur geschärft. Man sieht häufig genauer hin und wird auch neue Arten entdecken, die man bisher nicht wahrgenommen hat. Auch Erlebnisse, die man an Kinder weitergeben und mit ihnen teilen kann. Und gerade kleine Kinder lassen sich noch leicht begeistern. Nach dem Motto von Naturgucker.de: „Naturgucken macht Spaß und schafft Wissen.“

Von Rolf Jantz und Maren Schulze

Diese Apps kennen Flora und Fauna

Die meisten Natur-Apps sind auf bestimmte Lebensräume oder Lebewesen spezialisiert. Der Grund: „Apps, die alles Wichtige zu Flora und Fauna enthalten, sind technisch wegen des großen Datenvolumens eher schwierig umzusetzen“, so Nicole Flöper vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Waldfibel

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat mit der „Waldfibel“ eine App eingerichtet, die Informationen rund um Bäume, Pflanzen und Tiere bündelt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Nutzer können sich beispielsweise Tierstimmen anhören und Baumhöhen messen. Eine Alternative ist „Nature Free - Europa“ - diese App umfasst in der kostenfreien Version 750 Pflanzen- und Tierarten Europas.

Pilzator

Vermeintliche Pilz-Experten gibt es viele. Doch ehe man Pilze bei der Suche im Wald ins Körbchen packt, sollte man sich seiner Sache lieber sicher sein. Etwa, ob man jetzt einen Flockenstieligen Hexen-Röhrling - gegart ein leckerer Speisepilz – vor sich hat oder einen giftigen Satans-Röhrling, auch Satanspilz genannt. Apps können helfen, die Antwort zu finden.

Bei „Pilzator“ lässt sich ein Pilz automatisch bestimmen, indem man ihn fotografiert. Alternativ nutzen Naturgourmets „Pilzsuche Ultra“: Das kostenpflichtige Programm enthält über 1100 Detailbeschreibungen. Anwender können mit Hilfe von Gattungsmerkmalen herausfinden, um welchen Pilz es sich handelt. Allein darauf verlassen darf man sich aber nicht, wenn Pilze und Co verzehrt werden sollen.

Naturblick

Neben Pilzen befinden sich im Wald auch viele Kräuter und Wildblumen, die man essen kann. Um die Genießbarkeit herauszufinden, bietet sich etwa die Software „Naturblick“ an.

Flora

Die Programme „Pl@ntNet“ und „Flora Incognita“ helfen bei der Erkundung von Pflanzen. Und in der kostenpflichtigen App „Baum Id Deutschland“ bekommen Anwender Informationen zu 105 in Deutschland heimischen und eingebürgerten Baumarten mit 600 Bildern.

Vogelwelt

Wer zwitschert da eigentlich in den Bäumen? Beim Erkunden von Vögeln hilft die Software „Vogelwelt“ des Nabu. Einfach Merkmale des gesuchten Vogels eingeben - schon werden Vorschläge gemacht.

Wer über das Tschilpen und Zwitschern mehr über einen Vogel herausfinden möchte, findet verschiedene Vogelstimmen-Programme. „BirdNET“ ist kostenfrei und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Chemnitz entstanden. Beim kostenpflichtigen „Vogelstimmen ID“ können die Rufe der Vögel abgespielt und Vogelstimmen ähnlicher Vogelarten direkt miteinander verglichen werden.

Insektenwelt

Biene, Libelle, Fliege: In der Nabu-App „Insektenwelt“ mit 122 Artenporträts lassen sich eigene Beobachtungen speichern und teilen. Die automatische Fotoerkennung mache die Artenbestimmung speziell für Kinder leicht, beschreibt Luise Knoblich von der Universität Jena.

Schmetterlinge

Will man den Falter zuordnen, der einem vor der Nase umherfliegt, öffnet man die kostenpflichtige App „Schmetterlinge bestimmen“. Über die Eingabe von Merkmalen wie Flügelfarbe oder Körperform kann eine Auswahl getroffen werden - danach bekommt man die entsprechenden Falter in einer Übersichtsliste mit Bild und Kurzbeschreibung.

Um mehr Menschen für die
Bedürfnisse von Insekten zu
sensibilisieren ruft der Nabu seit 2018 zu einer bundesweiten
Insektenzählaktion auf. Ab heute und bis 11. August können unter dem Motto „Zählen was zählt“ bei der Citizen-Science-Aktion die Sechsbeiner erneut unter www.insektensommer.de online gemeldet werden.

Im August wird es voll in der Heide. Caluna vulgaris, die Besenheide, öffnet ihre Blüten und legt einen lila Schleier über die Heideflächen im Landkreis Celle.

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