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Celle blüht auf Nabu Celle will naturnahes Paradies schaffen
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Garten an den Hospitalwiesen: Nabu Celle will naturnahes Paradies schaffen

Celle blüht auf
11:55 17.07.2020
Von Dagny Siebke
Herzstück des naturnahen Nabu-Gartens in der Kleingartenkolonie an den Hospitalwiesen ist ein Lichtteich mit Trockenmauer. Felix Krüger entfernt Fadenalgen. Quelle: Dagny Siebke
Celle

Ein kleines Paradies für Insekten, Amphibien, Vögel, Igel und Fledermäuse will die Nabu-Gruppe der Stadt Celle in der Kleingartenkolonie „Hospitalwiesen“ schaffen. Seit fast zwei Jahren sind die rund zehn aktiven Mitglieder dabei, aus einer 500 Quadratmeter großen Parzelle einen naturnahen Gemeinschaftsgarten zu machen.

Heimische Arten statt Kulturformen

„Mich hat das Projekt gereizt, weil es der Artenvielfalt dient und ich aus gärtnerischer Sicht etwas gestalten kann“, erzählt Gaby Hartmann. Die 60-Jährige beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Gärten, erst beruflich und dann privat. Die Blumlägerin hat zwar schon einen eigenen Garten. „Der ist aber schon von vorne bis hinten voll“, betont sie. „Wenn ich dort etwas Neues hinsetzen möchte, muss ich etwas anderes herausreißen.“

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Gaby Hartmann pflanzt heimische Arten und tauscht nach und nach Kulturformen aus. Quelle: Dagny Siebke

Denn in ihrem Garten wachsen vor allem Kulturformen aus aller Welt, zum Beispiel Mammutblätter aus Brasilien oder Funkien aus Japan. Hier im Nabu-Garten hat sie dafür viele einheimische ein- und zweijährige Blumen gepflanzt. „Da werden in den Beeten häufiger Plätze frei und ich kann sehen, wie sich etwas Neues entwickelt“, erklärt Gaby Hartmann. Außerdem findet sie es toll, zu beobachten, wenn immer mehr Tiere kommen, weil sie so viel Futter finden. So hat sie schon Taubenschwänzchen an den Nachtkerzen beobachtet.

Im naturnahen Nabu-Garten in der Kleingartenkolonie Hospitalwiesen sollen sich vor allem Insekten wohlfühlen. Quelle: Dagny Siebke

Von Kindes Beinen an ist Felix Krüger am Garten seiner Eltern interessiert. Der 34-Jährige konnte sich zusammen mit seiner Frau den Traum vom eigenen Haus mit Garten aber noch nicht erfüllen. Er sagt: „Für einen eigenen Schrebergarten fehlt uns die Zeit. Hier im Gemeinschaftsgarten müssen wir nicht die ganze Arbeit alleine machen und treffen nette Menschen.“ Seine Tochter ist das jüngste Mitglied der Gruppe und wird bald ein Jahr alt, das älteste Gartenmitglied ist um die 70 Jahre alt. Verstärkung kann die Gruppe immer gebrauchen.

Lichtteich mit Trockenmauer wurde gefördert

Herzstück des Gemeinschaftsgartens ist ein Lichtteich, der mit einer Förderung in Höhe von 1000 Euro im Rahmen des Nabu-Wettbewerbs „Gönn dir Garten“ umgesetzt werden konnte. Im Frühling ist der fischlose Teich mit ausreichend Wasser gefüllt und bietet Kreuzkröten oder Laubfröschen einen Laichplatz. Im Sommer soll der Flachteich zwischenzeitlich trockenfallen, damit er arm an Fressfeinden der Amphibien ist. „Ein Lichtteich macht auch nicht so viel Arbeit. Wenn er im Sommer trockenfällt und gemäht wird, verlandet er nicht so schnell“, erklärt Krüger. Blutweiderich und Sumpf-Stendelwurz sehen besonders ansehnlich aus und sind auch bei Libellen und Bienen beliebt.

Andrea Pohlen erntet rote Johannisbeeren. Insgesamt machen rund zehn Celler beim Gartenprojekt mit. Quelle: Dagny Siebke

Neben dem Flachteich haben die Nabu-Mitglieder eine Trockenmauer gebaut. Zauneidechsen können sich hier tagsüber auf den aufgewärmten Lesesteinen sonnen und sich nachts in die zahlreichen Zwischenräume zurückziehen. Bei den Vögeln kommt der Naturgarten schon gut an. Schließlich hängen hier fünf verschiedene Nistkästen und eine Zaunkönigkugel an den Obstbäumen. In einer Lehmpfütze und einem Totholzhaufen finden die gefiederten Freunde genug Baumaterial.

Kleefarn im Lichtteich mit Trockenmauer. Quelle: Dagny Siebke

Nachgefragt bei Felix Krüger:

Felix Krüger gehört zum Vorstand der Celler Nabu-Gruppe und ist von Anfang an beim Gemeinschaftsprojekt dabei. Wie sah der Garten vor zwei Jahren aus?

Am Anfang war das ein normaler Ziergarten mit vielen gefüllten Rosen und Stauden wie Phlox, aber auch mit Gemüsebeeten und Johannisbeersträuchern. Die fünf Obstbäume und Sträucher haben wir sehr gerne übernommen, aber die nicht heimischen Stauden haben wir nach und nach durch heimische Arten ausgetauscht.

Felix Krüger gehört zum Vorstand der Celler Nabu-Gruppe und ist von Anfang an beim Gemeinschaftsprojekt dabei. Quelle: Dagny Siebke

Was ist das Ziel des Gemeinschaftsgartens?

Wir wollen zeigen, wie man einen naturnahen Garten unter Kleingartenbedingungen anlegen kann. Privatgärtner können uns gerne ansprechen, um Ideen und Lösungen für mehr Insektenfreundlichkeit zu finden. Außerdem ist der Garten ein Treff- und Anlaufpunkt, um die Nabu-Gruppe der Stadt Celle kennenzulernen. Hier können auch allgemeine Fragen zum Naturschutz gestellt werden.

Was hat sich die Gartengruppe als Nächstes vorgenommen?

Gerade sind wir dabei, eine Schmetterlingsspirale aus Natursteinen anzulegen. Außerdem wollen wir den Dachboden unseres Gartenhauses fledermausfreundlich ausbauen. Unsere neueste Idee ist, das Dach des Gartenpumpen-Häuschens zu begrünen. Wer uns unterstützen möchte, kann sich gerne bei uns melden. Wir freuen uns immer über Verstärkung.

Am Sonntag, 19. Juli, können Celler von 14 bis 18 Uhr bei der „Offenen Pforte“ mit den
Mitgliedern der Nabu-Gartengruppe ins Gespräch kommen. Unabhängig davon können sich Interessierte gerne per E-Mail an garten@nabu-celle.de oder unter Telefon (05141) 3014641 melden. Mehr Infos auch auf der Internetseite der Nabu-Gruppe der Stadt Celle

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