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Celle blüht auf „Richtig Leben in der Kiste“
Thema Celle blüht auf „Richtig Leben in der Kiste“
Celle blüht auf
17:00 17.06.2019
Von Jürgen Poestges
Kerstin Garder und Ekkehard Wiese in ihrer Blühwiese am Ortsrand von Dasselsbruch: Derzeit steht Phacelia in voller Blüte auf dem rund sechs Hektar großen Feld.  Quelle: David Borghoff
Dasselsbruch

Landwirt Ekkehard Wiese schaut zufrieden über seine Blühwiese. Seit drei Jahren macht er bei dem subventionierten Programm mit. „Ich würde gerne viel mehr als die erlaubten zehn Hektar mit der Saatmischung Bienenweide bepflanzen“, sagt Wiese. Ein wenig stolz ist er schon, wenn er über das Feld am Ortsausgang von Dasselsbruch an der Dorfstraße schaut. Gerade hat ein Imker seine Bienenkörbe auf dem Gelände aufgestellt. „Hier finden die Bienen wirklich im ganzen Jahr Blüten.“

Phacelia blüht in herrlichem blau

Aktuell blüht auf der Fläche Phacelia in herrlichem Blau. Weitere Pflanzen, die nacheinander in Blüte kommen, sind Sonnenblume, Buchweizen, Felderbse, Hafer, Öllein, Persischer, Alexandriner- und Bokhara-Klee. „Und selbst wenn die Blütenzeit vorbei ist, ist hier noch Leben. Dann kommen sehr viele verschiedene Vögel, um sich an der Saat satt zu essen“, weiß Wiese.

Boden wurde unergiebiger

Bis vor drei Jahren hatte er auf diesem Feld Mais angebaut. „Das wird man bei Biogasanlagen immer los“, sagt Wiese. Allerdings: „Man kann zwar den Mais in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren auf dem gleichen Feld anbauen. Allerdings wird der Boden dann immer unergiebiger. Irgendwann ist kein Leben mehr drin.“ Und als dann in einem Jahr durch den Regen die Ernte alles andere als gut wurde, hat sich Wiese für das Projekt mit der Blühwiese entschieden.

Spätere Aussaat stört Bodenbrüter

„Der Boden erholt sich wieder, man hat eigentlich für die Zeit der „Imkerweide“ keine Arbeit, man braucht auch nicht zu wässern. Und man tut zusätzlich noch etwas für die Umwelt.“ Was er allerdings als Manko sieht: „Wenn man die Subventionen bekommen will, muss man bis zum 15. April aussäen.“ Das ist nicht nur seiner Meinung nach zu früh. „Denn da sind die Böden meistens noch sehr nass.“ Einen Monat später sehe das anders aus. „Allerdings haben sich gegen den späteren Aussaattermin die Umweltschützer ausgesprochen. Da konnten wir uns als Landwirte nicht durchsetzen.“ Eine spätere Aussaat würde die Bodenbrüter stören, so das Argument.

Insgesamt sind seine Ländereien rund 100 Hektar groß. Zumeist bestehen sie aus Weideland. „Wir haben zurzeit rund 30 Pferde auf dem Hof, einige davon sind Pensionspferde“, erklärt Wieses Lebensgefährtin Kerstin Garder.

Landvolk macht viel Werbung

Das Landvolk Celle unterstützt dieses Projekt. „Wir machen überall Werbung, wo es geht“, erklärt Hans-Heinrich Hemme. „Und wir stellen auch fest, dass sich das Bewusstsein immer mehr durchsetzt.“ 150 Betriebe beteiligen sich landkreisweit an der Aktion Blühstreifen/Blühwiese. „Insgesamt umfasst das Projekt rund 650 Hektar. Gefördert werden Blühwiesen und -streifen mit jeweils 700 Euro pro Hektar. Wenn dazu noch die Imker einbezogen werden, kommen noch einmal 100 Euro dazu. „Und wir haben eigentlich überall Flächen, auf denen sich die Aussaat von Blumen lohnen würde“, sagt Hemme. „Sei es am Waldrand, wo wegen des Schattens der Bäume der Ertrag nicht so hoch wäre, oder wenn das Feld in einem Keil ausläuft.“

Saatgut ist teuer

Dazu gibt es inzwischen ein weiteres Programm, das von der Bingo-Umweltstiftung gefördert wird. „Da machen bereits jetzt neun Landwirte im Landkreis mit. Auf 27 Hektar wird die „Honig-Brache“ dabei genutzt. Die Aussaat findet hier später statt, bis zum 31. Mai ist sie möglich.“ Der Unterschied: Hier gibt es keine besonderen Subventionen außer den normalen 280 Euro pro Hektar. „Das Saatgut hat einen so hohen Anschaffungswert, es kostet pro Hektar 350 Euro. Diese Kosten werden von der Bingo-Umweltstiftung komplett übernommen.“

Insgesamt hat Hemme indes inzwischen den Eindruck, dass es immer mehr Landwirte gibt, die zumindest ihre Feldränder mit Blumen versehen. „Das ist in der letzten Zeit mehr geworden. Und wir weisen immer darauf hin: Macht es freiwillig, bevor der Gesetzgeber euch zwingt.“

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