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Celle blüht auf „Richtig Lust, einfach mitzumachen“
Thema Celle blüht auf „Richtig Lust, einfach mitzumachen“
Celle blüht auf
15:47 15.03.2019
Von Michael Ende
"Celle blüht auf"-Schimherr Olaf Lies wünscht sich, dass dieses Beispiel bundesweit Schule macht. Quelle: Holger Hollemann
Celle

Jetzt werden Saatgut-Tütchen für noch mehr Blühflächen kostenlos verteilt. Und auch die Politik will durchstarten. Niedersachsens Umweltminister und „Celle blüht auf“-Schirmherr Olaf Lies (SPD) arbeitet an einem Artenschutzprogramm, das auch Ansätze aufgreift, die in Celle bereits praktiziert werden. Im Interview mit den CZ-Redakteuren Maren Schulze und Michael Ende spricht Lies über Insekten, streikende Schüler – und warum er persönlich „Wildwuchs“ mag.

Olaf Lies besuchte am 28. August 2018 die Kita AKH-Zwergenland mit Justus (rotes Shirt) und Leon. Quelle: Oliver Knoblich

Herr Lies, im vergangenen Jahr ist die CZ mit der Aktion
„Celle blüht auf“
an den Start gegangen, Sie haben die Schirmherrschaft für unser Projekt für mehr Vielfalt in der Natur und den Artenschutz übernommen. Wie haben Sie die Entwicklung dieses Projektes empfunden?

Ich finde es ganz toll, dass Celle da so weit vorn ist. Das Problem des Insektensterbens ist uns nie deutlicher vor Augen geführt worden, als im letzten Jahr, als die erste Studie dazu so kontrovers diskutiert wurde. Und in Celle wurde gleich geschaut: Was können wir als Gemeinschaft, aber auch jeder Einzelne, tun, um dem Problem zu begegnen? Das hat mir schon sehr imponiert, und deshalb habe ich die Schirmherrschaft auch gerne übernommen.

Denken Sie, dass die Aktion Vorbildcharakter für andere Regionen haben kann?

Auf jeden Fall. In Celle engagieren sich viele Menschen für mehr Insektenschutz. Die Projekte entfalten zum Beispiel durch ihre bunten Blüten und durch die so entstehende Aufmerksamkeit für das Thema Insektensterben eine breite Wirkung. Wenn das in Niedersachsen und vielleicht sogar in ganz Deutschland Schule macht, gewinnen wir viel.

Olaf Lies bei einem Besuch in Celle mit Michael Ende und Ralf Leineweber am "Celle blüht auf"-Beet im Schlosspark. Quelle: Oliver Knoblich

In Bayern haben mehr als eine Million Menschen das Volksbegehren zur Bewahrung der Artenvielfalt unterzeichnet. Sie selbst arbeiten gerade an einem „Aktionsprogramm Insekten“. Wie weit sind Sie da?

Seit einer Weile schon arbeiten wir in Niedersachsen mit einer Naturschutzstrategie, die unter anderem darauf abzielt, besonders wertvolle Lebensräume zu bewahren, zu pflegen und zu entwickeln. Mit dem Aktionsprogramm Insekten wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, wie landesweit die Lebensbedingungen für die Insekten in Niedersachsen verbessert werden können. Damit wollen wir Bürger, Städte und Gemeinden, Verbände und Vereine gleichermaßen ansprechen.

Was hat für Sie die oberste Priorität in dem Programm?

Ich bin sicher, das Problem des Insektensterbens ist mittlerweile fast bei jedem angekommen. Nun ist die Frage: Was können wir tun? Wie können wir die Mittel, die wir für den Naturschutz zur Verfügung haben, so einsetzen, dass die Insekten davon bestmöglich profitieren? Natürlich brauchen wir auf Dauer auch mehr Geld. Über umsetzungsorientierte Handlungsansätze und Förderinstrumente und -programme wird das Aktionsprogramm einen Überblick geben. Und wir wollen dafür werben, diese auch zu nutzen.

Was empfehlen Sie Menschen, die sich engagieren wollen? Was kann jeder Einzelne tun?

Jeder von uns kann in seinem eigenen Garten auf mehr Blütenvielfalt achten und vielleicht darauf verzichten, im Frühjahr und Sommer zu oft seinen Rasen zu mähen. Auch für den Balkon gibt es viele für Wildbienen und andere Bestäuber geeignete Pflanzen. Weniger spritzen, mehr Unkraut wuchern lassen, an geeigneter Stelle Pflanzenreste, vor allem Holz, einfach natürlich zerfallen lassen, das sind so die ersten Dinge, die jeder von uns tun kann. Auch die Gemeinden haben viele Flächen, auf denen anstelle eines gemähten Rasens auch eine Wildblumenwiese wachsen kann. Mit mehr Bewusstsein für die Sache gibt es da noch viele Möglichkeiten.

Olaf Lies (Mitte) übernimmt die Schirmherrschaft über die CZ-Aktion "Celle blüht auf". CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber (rechts) und CZ-Redakteur Michael Ende freuen sich über den prominenten Mitstreiter. Quelle: Justina Lethen

Was tun Sie persönlich für den Artenschutz?

Ich lebe ja sehr ländlich und achte auf meinem Hof schon darauf, Nischen für Tiere einzurichten oder zu erhalten. Zum Beispiel haben wir viele Räume und Plätze der Natur überlassen, eine Wildblumenwiese und einige Unterschlüpfe für Vögel oder Fledermäuse. Aber natürlich könnte ich auch mehr tun. Ich freue mich mehr über das Wildbeet, als über den schicken, ordentlichen Garten.

Was empfinden Sie, wenn Sie sehen, wie sich die Celler Bürger in das Projekt „Celle blüht auf“ einbringen?

Ich glaube, dass das Projekt aufzeigt, wie einfach es ist, etwas für Wildbienen, Hummeln und anderen Bestäuber zu tun. Bei den vielen positiven Beispielen bekommt man richtig Lust, sich zu beteiligen und einfach mitzumachen! So werden mit der Zeit die Aktionen vielfältiger und immer mehr Personen beteiligen sich. Es wäre doch schön, wenn daraus eine richtige Bewegung würde! Aber natürlich gibt es viele Insekten, die andere Ansprüche haben, in der Natur zum Beispiel als Zersetzer eingesetzt werden, und auch für die können wir viel tun in dem wir einfach etwas mehr „Unordnung“ zulassen.

Stichwort „Fridays For Future“: Was sagen Sie den Schülern, die auf die Straße gehen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren?

Mit den Jugendlichen will ich mich unbedingt hier in Hannover treffen! Ich möchte gerne die Ideen der Schüler hören und mit ihnen in den Dialog gehen. Mich beeindruckt sehr, wie sie sich organisieren und für den Klimaschutz einstehen. Für mich ist die Schülerbewegung definitiv ein Ansporn, mich für den Klimaschutz noch stärker einzusetzen. Wir sollten diese Bewegung nicht abtun, sondern mit neuer Kraft daran arbeiten, wirklich im Sinne des Klimas zu handeln.

Das Magazin hat DIN-A4-Format, 150 Seiten und ist im Kundencenter der Celleschen Zeitung, Bahnhofstraße 1–3, 29221 Celle, erhältlich. Sie können das Buch aber auch bequem über unser Online-Formular bestellen.

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