Morgendlicher Streifzug durch den Celler Bahnhof
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Morgens halb zehn... Morgendlicher Streifzug durch den Celler Bahnhof
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Morgendlicher Streifzug durch den Celler Bahnhof

09:31 02.09.2020
Von Benjamin Behrens
Die vielen Fahrräder rund um den Bahnhof gehören zum Erscheinungsbild dazu.  Quelle: Benjamin Behrens
Celle

Wenn früh morgens die Berufspendler die Bahnhofshalle betreten, dann ist oft nicht ihr Abfahrtgleis das erste Ziel. Sondern der Cobe-Kiosk, in dem Matthias Heinbokel hinterm Tresen steht. Heute begann sein Dienst um 7 Uhr, geöffnet ist der Kiosk allerdings schon um 4.30 Uhr. „Jetzt wird es bisschen weniger zum Mittag“, sagt Heinbokel. Morgens ist der Andrang allerdings groß. Was besonders gefragt ist? „Sämtliche Kaffeesorten, Sandwiches oder belegte Brötchen und gerne auch die erste Schachtel Zigaretten“, so der Verkäufer.

Je nach Schichtbeginn steht Matthias Heinbokel schon um 4.30 Uhr morgens hinterm Tresen und versorgt Berufspendler mit belegten Brötchen, Kaffee oder Zigaretten. Der 49-Jährige pendelt selbst aus Hamburg. Quelle: Benjamin Behrens

Einer von vielen Berufspendlern

Auch der 49-Jährige gehört zu den Berufspendlern – er reist jeden Morgen von Hamburg nach Celle. „Ich mach das schon ein Vierteljahr und bin ICE-Stammkunde. Gott sei Dank steige ich direkt bei der Arbeit aus.“ Der Liebe wegen zog es den Noch-Hamburger in den Landkreis Celle. „Meine Freundin lebt in Wietze und bevor sie mit den zwei Kindern nach Hamburg zieht, da muss man heutzutage Kompromisse machen“, sagt Heinbokel. Bald hat die Fahrerei ein Ende. „Ich habe mir eine Wohnung gesucht“, freut sich der Verkäufer.

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Heidelandschaft lockt Schweizer Touristen

Gegenüber vom Kiosk sitzt eine Gruppe gut gelaunter Frauen zwischen gepackten Koffern und Reisetaschen. „Wir waren in der Lüneburger Heide und in Lüneburg“, sagt Gabriele Keusen. „Und jetzt zuletzt in Celle“, ergänzt Esther Ziehli. Zusammen mit ihren Freundinnen Silvia Götz und Doris Heise wurde die malerische Heidelandschaft erkundet. Die vier Schweizerinnen sind begeistert, auch weil man gut ohne Auto ans Ziel komme. „Nur in der Südheide haben wir ein Auto vermisst und uns einen Leihwagen genommen“, sagt Ziehli. Ein Ziel blieb dennoch unerreicht: „Wir wollten unbedingt in das Kloster Wienhausen. Aber es ist alles zu wegen Corona, das ist schade.“ Nun geht es per Zug zurück nach Zürich.

Einen Habighorster zieht es hingegen in die Lutherstadt Eisleben, wie er sagt. Im Gepäck sind Zulassungspapiere und Kennzeichen für einen Gebrauchtwagen. „Ich habe mir einen Passat gekauft. Die werden nicht so oft angeboten“, meint Bünsow, der seinen Vornamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Deshalb lohne sich auch die vierstündige Zugfahrt.

Annika Holz aus Dresden wollte eigentlich den Traumpfad München-Venedig wandern und entschied sich wegen Corona dagegen. Ihr Plan B: der Heidschnuckenweg. "Ich habe es keine Sekunde bereut", sagt die 33-Jährige. Quelle: Benjamin Behrens

Wanderweg verbindet Reisende

Auch das Ziel von Annika Holz liegt in Ostdeutschland, die Dresdenerin will zurück in ihre Heimatstadt. „Ich bin den Heidschnuckenweg gelaufen und habe jetzt noch zwei Tage die Ruhe genossen in Celle“, berichtet Holz. „Ich war beeindruckt von der Heide“, sagt die 33-Jährige. Aufgebrochen war sie am Startpunkt des Wegs am Bahnhof Hamburg-Neugraben-Fischbek. Rund 250 Kilometer hat sie zurückgelegt. „Es war eigentlich mein Plan B. Ich wollte eigentlich den Traumpfad München-Venedig laufen. Corona-bedingt gab es die Sparversion. Ich habe es keine Sekunde bereut. Es ist auch schön, dass man ein Stück auf dem Jakobsweg läuft“, berichtet Holz. Ihr Sitznachbar Bünsow hat zugehört: „Der Weg führt da bei uns lang, bei Eschede“, weiß der Habighorster. Man kommt ins Gespräch. Es gibt echt schöne Ecken in Deutschland, da sind sich beide einig. Für einen Moment verbindet zwei Reisende am Celler Bahnhof viel mehr als nur die geteilte Sitzbank am Gleis 6. Ihre Fahrt werden sie im selben Zug fortsetzen.

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