Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Schulentlassungen Mit Generalschlüssel stehen alle Türen offen
Thema Schulentlassungen Mit Generalschlüssel stehen alle Türen offen
19:01 28.06.2019
Von Dagny Siebke
Die Jahrgangsbesten des Gymnasiums Ernestinum mit Schulleiter Johannes Habekost (von links): Yasmin Becker (1,6), Henrike Vorwerk (1,6) und Emma Hummel (1,2) Quelle: Dagny Siebke
Celle

Das Jahrgangsmotto der 51 erfolgreichen Abiturienten lautet „IbrABImovic – Wir kamen als Könige und gehen als Legenden“. Doch wohin? „Wenn einem alle Türen offenstehen, ist es am schwersten, den richtigen Raum zu finden“, sagten Johannes Schurian und Tim Siewert in ihrer Abiturientenrede bei der Entlassungsfeier. „Egal, wo du am Ende landest zwischen Australien und Ausbildung, vergiss niemals deine Einstellung, deine Erfahrung, dein Engagement. Vergiss niemals, was wir gelernt haben, während wir keine Vokabeln gelernt haben. Vergiss niemals, was es heißt, Ernestiner zu sein.“

Engagement in unsicheren Zeiten gefragt

Die Abiturienten weiter: „Lasst und mit unserem Schlüssel den Raum der Freiheit aufschließen. Niemals wird er so leer sein wie jetzt. Lasst uns aber auch nicht vergessen, in den Raum der Verantwortung daneben zu gehen, denn die beiden liegen immer eng beieinander.“ Der Schlüssel des Ernestinums passe nicht ins Schlüsselloch des Egoismus. Angesichts des Klimawandels, von Bürgerkriegen, Ertrinken im Mittelmeer und Trumpismus könne die Welt ein paar weitere Ernestiner mit dem Generalschlüssel fürs Leben gut gebrauchen.“

Schulleiter beleuchtet Wikipedia-Eintrag von Fußballstar

Auch Schulleiter Johannes Habekost nahm in seiner Begrüßung Bezug auf das Jahrgangsmotto und beleuchtete den Wikipedia-Eintrag zum einst bestbezahlten Fußballspieler der Welt, Zlatan Ibrahimovic. Zweifelsohne könne er eine sehr beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen, „die sicher nur durch die Kombi­nation von außergewöhnlichem Talent und beharrlichem Training möglich wurde“, so der Rektor. Neben harter Arbeit und großzügiger Unterstützung für soziale Projekte verdiene auch seine Dankbarkeit gegenüber Schweden Respekt. Als Kind von Kriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien wuchs der Fußballprofi in Malmö auf: „Ohne die Schweden hätte ich meine Träume niemals verwirklichen können.“

Ernestiner in einer Sache besser als Zlatan Ibrahimovic

Doch in einer Sache überträfen die Ernestiner sogar ihr Motto-Idol, betonte Habekost: „Sie haben das Gymna­sium bis zum Ende durchgehalten, unsere so vielfältigen Unterrichts- und AG-Ange­bote gut genutzt, Sie verhöhnen und verprügeln Ihre Mitmenschen nicht, wollen Ver­antwor­tung auch für nachfolgende Generationen übernehmen, freuen sich nun darauf, mit Ihrem Abitur Ihren persönlichen Neigungen entsprechend eigenverantwortlich weiter zu ler­nen und Berufe auszuüben, die Sie wirklich erfüllen.“ Als Idole in Sachen Zivil-Courage und Tapferkeit bei der Wahrnehmung öffentlicher Verantwortung schlug Habekost Pastor Manneke, Bürgermeisterin Reker oder den ermordeten Regierungspräsidenten in Kassel, Walther Lübcke, vor.

Ein Highlight der Entlassungsfeier war der Auftritt des Lehrerchores, der "Alles nur geklaut" von den Prinzen sang. Das Lied hatte Susanne Kirchner in Reimform ungedichtet.

Durchschnittsnote des Jahrgangs liegt bei 2,63

Das beste Abiturergebnis am Gymnasium Ernestinum liegt bei 1,2 und wurde von Emma Katharina Hummel erzielt, gefolgt von Yasmin Becker und Henrike Vorwerk, die jeweils mit der Durchschnittsnote von 1,6 abschlossen. Das beste Ergebnis bei den Jungs erzielte Sören Harms mit einem Schnitt von 1,7. Elf Schüler haben bei der Abschlussnote eine 1 vor dem Komma. Insgesamt gab es einen Abiturschnitt von 2,63. Drei Schülerinnen haben das Hebraicum, zehn Schüler das Graecum und zehn Schüler das Große Latinum erworben.

Ihr Abitur am Gymnasium Ernestinum haben bestanden: Susanne Albers, Yasmin Becker, Ludwig Bertram, Gina Birkefeld, Heda Bolothanov, Lilli Böttcher, Helene Brüns, Kimberly Bull, Martha Catrine Funk, Melanie Gorter, Morthen Grasztat, Deborah-Aenne Haack, Marlene Franziska Hanff, Sören Harms, Clara Franziska Haubert, Olaf Hess, Saskia Heuer, Josephine Hilpert, Emma Katharina Hummel, Thilo Hüttenrauch, Lino Jenzen, Sinan Karak, Amber Louise Kirya, Stefan Klameth, Robert Christian Kollster, Amelie Lehmann, Leon Lindner, Paulina Liskien, Chiara Fiona Marks, Jacqueline McDonald, Sofia Mijailovic, Adrian Ojemann, Luca Marvin Peters, Jule Mae Petersen, Alexander von Pogrell, Emma Marie Quint, Martin Rumpf, Florin Schikarski, Antonia Schmidt, Johannes Schurian, Tim Siewert, Maria Stang, Lea Suchy, Sara Tatu, Jessica Volf, Henrike Vorwerk, Max Voß, Bach Uy Vu, Kai Weise, Camill von der Wense, Jana Wiechmann, Hilke Zakfeld

Grußworte für die "Silbernen Abiturienten" von Christian Buggle:

Hier die Grußworte für die "Silbernen Abiturienten" von Dr. Christian Buggle:

Liebe Mitmenschen,

Sie alle mit meinen Erfahrungen in Wissenschaft und Industrie zuzutexten wäre langweilig, aus meinen Weisheiten einen größeren Bogen für Sie zu zimmern, nützt Ihnen mehr.

Um diesen Bogen greifbar zu machen, möchte ich Ihnen von Hermann Melvilles Roman Moby Dick erzählen.

Es geht um die Fahrt eines Walfängers in deren Hochzeit Mitte des 19ten Jahrhunderts.

Walfänger waren Segelschiffe, die die Weltmeere plünderten, um Walöl für Lampen und Walfett als Schmierstoff für Dampfmaschinen zu beschaffen.

Der Kapitän benutzt sein Schiff für seinen persönlichen Rachefeldzug, seit er bei einem früheren Kampf mit dem riesigen weissen Wal Moby Dick ein Bein verloren hat, und befiehlt in seiner Obsession sehr verwerfliche Dinge.

Er weiss, sich den Gehorsam der Mannschaft zu sichern:

durch Furcht vor Bestrafung, Gier nach Belohnung, und Indoktrination, eine Form von Gehirnwäsche.

Melville beschreibt, wie die Matrosen trotz nagender Zweifel nicht die moralische Stärke finden, den unzurechnugsfähigen Kapitän abzusetzen.

Alle stürzen sich voll physischem Mut in den Kampf gegen Moby Dick, der sich als pars-pro-toto für die Natur als unbezwingbar herausstellt.

Physischer Mut befähigt Angst zu überwinden, Moralische Stärke gibt die Kraft, das richtige zu tun.

Melville schrieb eine sehr umfangreiche Parabel auf die Europäisch-amerikanische Gesellschaft seiner Zeit.

Es ist trotz allem, was seitdem geschehen ist, dieselbe Zivilisation, in die wir alle hineingeboren sind.

Noch immer beherrschen viele derselben Narrative unser kollektives Denken.

Narrative sind Grundannahmen oder Denkmuster die uns unbemerkt umgeben, von Lebensweisheiten über Schulunterricht bis zu Kino-Filmen.

Alle Zivilisationen brauchen etwas, das Identität gibt und sie zusammenhält.

Ohne den Mythos der Unfehlbarkeit des Pharao, des Caesars, des Königs oder der kapitalistischen Märkte, ist das Regieren einer großen Gesellschaft kaum möglich.

Das wird gern ausgeblendet.

Ich bin angereist, um für Sie auszusprechen, was ich mir so oft wünschte, dass jemand es mir 1994 beigebracht hätte:

Dass einige der Narrative unserer Zivilisation, die sich 500 Jahre lang plündernd auf den ganzen Globus ausgebreitet hat, falsch sind.

Was mich als Wissenschaftler persönlich am meisten ärgert:

Wissenschaft soll dazu da sein, mit Technologie die Grenzen, die die Natur unserem exponentiellen Wachstumswahn setzt, zu überwinden; das ist ein verhängnisvoller Denkfehler.

Naturwissenschaften sind in Mathematik gefasste Beschreibungen der Realität.

Es ist gibt keine Naturgesetze, über die man verhandeln kann.

Melville beschreibt 1851, wie der manische Versuch, die Natur zu besiegen in den Untergang führt.

Die Wissenschaft warnt heute, dass die Manie endlosen Wachstums plötzlich in den Niedergang übergeht, genannt der Seneca Effekt.

Aber die Medien versuchen bis heute, das Narrativ unseres unaufhaltsamen Aufstiegs von den Höhlen zu den Sternen dank Wissenschaft, Technik und Kapitalismus aufrecht zu erhalten.

Das in Frage zu stellen, z.B. auf Friday4Future Demos, fordert den heftigen Widerstand von indoktrinierten Erwachsenen heraus.

Mit etwas Abstand wird der Grund für die Schwere dieser Manie deutlich.

Unsere Zivilisation der Maschinen basiert auf dem Plündern von fossilen Brennstoffen, der Verwendung des freigesetzten Energiestroms um Maschinen zu füttern, und der Entsorgung der Abfälle in die Umwelt.

Dieses Geschäftsmodell ist es, das unsere komplexe, hightech Zivilisation und unvorstellbaren Reichtum, möglich macht.

Nach diesem zentralen Narrativ muss es endlos so weitergehen.

Die Wissenschaft soll dann das unmögliche möglich machen, so das allgemeine Wunschdenken.

Wissenschaft ist aber, wie ich schon sagte, ein Abbild der Realität, und die hat viel von griechischen Tragödien.

Sie kümmert sich nicht um Wunschdenken.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht auf falsche Narrative hereinfallen.

Aber nach welchen soll man im Leben seinen Kurs ausrichten?

Das ist die für Sie jetzt wichtige Frage, und wenn Sie mich als Wissenschaftsaussteiger fragen:

Nutzen Sie ihren eigenen Verstand, um sich die bestmögliche Einschätzung der Zukunft zu erarbeiten.

Wählen Sie für sich die Narrative, die in dieser Projektion funktionieren.

Das ist evtl. nicht mainstream und erfordert einigen Mut.

Sie werden Entscheidungen treffen müssen, die sich nur schwer ungeschehen machen lassen.

Die Geschichte von Moby Dick möge Sie erinnern, dass eine Wahl getroffen mit physischem Mut aber ohne moralische Stärke böse ausgehen kann.

Ich schlage eine Slogan vor: Treffen sie eine Wahl, denken sie an den weissen Wal.

Als Motivation für Momente der Entscheidung möchte ich Ihnen meine Lieblingsworte ans Herz legen.

Martin Luther King sagte 1967:

Feigheit stellt die Frage, ist es ungefährlich, Opportunismus stellt die Frage, ist es mir nützlich, Eitelkeit stellt die Frage ist es populär, aber das Gewissen stellt die Frage ist es richtig.

Manchmal aber ist es für das moralische Individuum notwendig, einen Standpunkt zu vertreten, der weder ungefährlich, noch nützlich, noch populär ist, aber es muss so handeln, weil es das richtige ist.

Sie jungen Menschen mit dem Abi in der Tasche sind jetzt so frei zu wählen, wie Sie es nie wieder sein werden.

Feiern Sie diesen Moment aus vollen Zügen, er ist es wert.

Und für später:

Wählen Sie gut.

Ich wünsche Ihnen Glück bei Ihrer Wahl.

Danke

Dr. Christian Buggle, Abitur-Jahrgang 1994, studierte Physik an der Universität Hannover, promovierte an einem Forschungsinstitut der Universität Amsterdam und wurde danach Post-Doctoral Researcher an einem Forschungsinstitut in Paris. Dann verließ er jedoch die Akademische Laufbahn und arbeitet seitdem in der Forschung und Entwicklung im Industriellem Umfeld im Schwarzwald.

Bei der Abifeier am Hölty-Gymnasium zeigte sich die gute Gemeinschaft zwischen Schülern, Lehrern und Eltern.

Gunther Meinrenken 28.06.2019
Schulentlassungen Immanuel-Kant-Gymnasium - Die Abfahrt kann beginnen

57 Schüler haben am Freitag ihr Abiturzeugnis entgegen genommen. Der Gesamt-Durchschnitt ist besser als in den vergangenen Jahren.

Marie Nehrenberg-Leppin 28.06.2019

130 Absolventen hat die Oberschule Wathlingen auf ihren weiteren Lebensweg entlassen. Sie erhielten von Lehrern, Bürgermeistern und Pastor gute Tipps.

28.06.2019