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Schwerpunktthema Naturschutz-Experten beantworten Fragen
Thema Schwerpunktthema Naturschutz-Experten beantworten Fragen
17:20 06.07.2019
Von Christopher Menge
Monika Gehrke (links) sowie Dr. Reinhard Altmüller und Carsten-Wilhelm Drewes (rechts) beantworten die Fragen von CZ-Blattmacherin Maren Schulze. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Worauf sollte ich beim Bau eines Insektenhotels achten? Gibt es für die Weidetierhaltung in einem Naturschutzgebiet Einschränkungen? Und warum werden die Blühstreifen an der Straße abgemäht? Die Besucher des "Celle blüht auf"-Sommerfestes im Heilpflanzengarten hatten am Samstag jede Menge Fragen. CZ-Redakteur Michael Ende und Blattmacherin Maren Schulze gaben diese in zwei Runden auf dem CZ-Podium an die Experten weiter.

Flussperlmuschel-Experte Dr. Reinhard Altmüller betonte, dass Naturschutzgebiete die einzige Chance seien, um wirklichen Naturschutz zu betreiben. Schon allein wegen der Fördermöglichkeiten. "Zudem hat die öffentliche Hand dann ein Vorkaufsrecht", sagte Altmüller. Nur so hätten beispielsweise die Flußperlenmuscheln in dem Lutter-Projekt gerettet werden können.

Zwischenfrüchte werden angebaut

Landwirt Carsten-Wilhelm Drewes erzählte, dass Pflanzenschutzmittel inzwischen sehr mit Augenmaß eingesetzt würden. "Es bleiben zudem immer mehr Blühstreifen stehen, die dann von den Insekten angeflogen werden", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks Celle. "Zudem werden Zwischenfrüchte angebaut."

Wildwuchs sollte zugelassen werden

Dr. Otto Boecking, Wildbienen-Experte des Celler Bieneninstituts riet den Besuchern, Wildwuchs zuzulassen. Auf sich selbst überlassenen Flächen entstehe Futter für viele seltene Schmetterlinge.

Vorreiter in Sachen Saatgut, das bei der CZ-Aktion "Celle blüht auf" landkreisweit ausgebracht wurde, ist die Naturkontaktstation Wathlingen. Monika Gehrke berichtete von den Erfahrungen in den vergangenen fünf Jahren. "Das ist wie eine Wundertüte", sagte sie. Zunächst hätten viele "Einjährige" geblüht, zuletzt sei sogar Johanniskraut gewachsen, obwohl das gar nicht in der Mischung erhalten sei.

Insekten sollen nicht an die Straße gelockt werden

Auf die Frage eines Besuchers, warum die Blumen an der Bushaltestelle in Altenhagen weggemäht worden seien, erklärte Jens Hanssen, Leiter des Fachbereichs Grün bei der Stadt Celle, dass die Verkehrssicherungspflicht beachtet werden sollte. Dr. Boecking pflichtete ihm bei, dass man die Insekten nicht an die Straße locken wolle, wo sie im Kühlergrill des Autos landen. "Es gibt genügend andere Bereiche", sagte Boecking, der auch die Frage zum Insektenhotel beantwortete. "Das einfachste ist es, einen abgestorbenen Baum zu nehmen und ein paar Löcher mit dem Akkuschrauber reinzuboren", sagte der Experte. "Mit den Nisthilfen erreichen wir aber nicht, die bedrohten Arten zu retten."

Dass in beweideten Bereichen viel mehr Insekten vorzufinden seien, betonte Landwirt Drewes. Wie auch die anderen Experten geht er davon aus, dass es in neu ausgewiesenen Naturschutzgebieten keine Einschränkungen geben wird. Hanssen betonte, dass es nur in Naturschutzgebieten die Möglichkeiten gebe, Erschwernisse für die Landwirte mit Geld auszugleichen.

Gegen eine Schutzgebühr von einem Euro gibt es die Spätsommersaat "Blühende Landschaft" – solange der Vorrat reicht.

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