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Schwerpunktthema Das befürchten Eltern und Lehrer
Thema Schwerpunktthema Das befürchten Eltern und Lehrer
16:11 06.09.2019
Von Gunther Meinrenken
Die Grundschule Bruchhagen in Westercelle soll durch einen Neubau ersetzt werden, in dem auch die Grundschule Nadelberg unterkommen soll. Quelle: Christian Link
Celle

Als eine "Jahrhundert-Chance" hat Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) Anfang Juni die Pläne der Stadt zur Umstrukturierung der Grundschullandschaft bezeichnet. Bei vielen Eltern, Lehrern und Schulleitern macht sich ein ganz anderes Gefühl breit. Sie fühlen sich unter Zeitdruck gesetzt, fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg und bemängeln, dass die Planungen ohne Gesamtkonzept erstellt wurden. Das wurde am Montagabend im Schaperkrug deutlich, in den FDP und Unabhängige eingeladen hatten, um Anregungen und Bedenken der Betroffenen mit in die heutige Schulausschusssitzung (17 Uhr, Hehlentorschule) zu nehmen.

Landkreis kauft Schulen

Hintergrund: Der Landkreis möchte die Nadelbergschule und die Altstädter Schule kaufen. 17,5 Millionen Euro will man an die Stadt überweisen für zwei Immobilien, deren Restwert mit insgesamt 4,1 Millionen Euro angegeben wird. Die Planung: Die Außenstelle von IGS/Oberstufe Burgzentrum ist zum Ende des vergangenen Schuljahres an der Grundschule Blumlage aufgelöst worden. Den freigewordenen Platz sollen die Schüler der Altstädter Schule füllen. Denn dieses Gebäude möchte der Landkreis als neuen Standort für die abgebrannte Sprachheilschule nutzen.

Nur noch eine Grundschule in Westercelle

Weiterhin möchte der Landkreis die Grundschule Nadelberg der Oberschule Westercelle zuschlagen. In dem Ortsteil gäbe es dann nur noch die Grundschule Bruchhagen. Diese soll einen Neubau erhalten, der auf drei Züge ausgerichtet werden soll. Nach Einschätzung soll die Umstrukturierung zwischen August 2021 (Zusammenlegung Altstädter und Blumläger Schule) und 2024 (gemeinsame Grundschule Bruchhagen) abgeschlossen sein. Hier stehen die derzeitigen Planungen.

Blumläger Schule steht hinter Planung

Die Planungen kommen bei den Betroffenen unterschiedlich an. Petra Kornas, Rektorin der Blumläger Schule, zählt zu den Befürwortern. "Eltern und Lehrer stehen hinter einer Zusammenlegung. In den vergangenen drei Jahren waren wir zu wenig Lehrkräfte. Mit einem größeren Kollegium hätten wir die Chance, Lehrerausfälle besser aufzufangen", so Kornas, der allerdings die Vorlage hinsichtlich der Termine für die Sanierung und Baumaßnahmen zu ungenau ist.

Altstädter Schule fürchtet um Kinder

Kornas künftige Partnerin, die Schulleiterin der Altstädter Schule, Martina Smutek, und ihre Kolleginnen fürchten, dass ihr pädagogisches Konzept an der Blumläger Schule nicht mehr aufrechtzuerhalten wäre. Die Schüler haben zu 70 Prozent einen Migrationshintergrund, hinzu kommen viele Kinder mit Unterstützungsbedarf. "Wegen der Größe von etwa 16 Schülern in einer Klasse können wir uns individuell um die Kinder kümmern und das auffangen. In einem größeren System wäre das nicht möglich", spielte Smutek darauf an, dass bei einer Zusammenlegung mit der Blumläger Schule zwangsläufig die Klassen zu groß wären, um sich angemessen um jedes Kind kümmern zu können. Eine Lehrerin der Altstädter Schule brachte es auf den Punkt: "Wir wollen da bleiben, weil es gut läuft. Ein Umzug wird zu Lasten der Kinder aus bildungsfernen Schichten gehen." Jetzt würden zwei Brennpunktschulen zusammengelegt.

Bedenken in Elternschaft

Gleiche Bedenken herrschen an den beiden Westerceller Schulen in der Elternschaft vor. Aus der jetzt zweizügigien Nadelbergschule und der zweizügigen Bruchhagenschule würden nach der Vereinigung an einem Standort wohl drei Züge werden. So plant es die Stadt. "Die Klassen würden zu groß, wir haben jetzt schon 6 bis 8 Kinder mit Förderbedarf pro Klasse", so eine Mutter, die sich auch fragt, was wäre, wenn mehr Schüler im Einzugsgebiet wohnen sollten. "Wir kaufen die Katze im Sack."

Schulweg über B3 größtes Problem

Größter Kritikpunkt: Die Schüler im östlichen Teil Westercelles müssten die viel befahrene B 3 überqueren. "Den Verkehr sehen wir als größtes Problem. Das ist der Hauptgrund, warum die Eltern am Brodeln sind", sagte eine Mutter, die das bisher von der Stadt vorgelegte Schulwegkonzept als untauglich empfindet.

Keine Schulentwicklungsplanung

Doch damit war es noch nicht genug der Kritik. Einhellige Meinung unter Eltern und Lehrern: Die Stadt zäumt das Pferd von hinten auf. Gemeint ist damit, dass es noch keine gemeinsamen pädagogischen Konzepte der betroffenen Schulen gibt (diese sollen erst in den kommenden Monaten erarbeitet werden) und keine gemeinsame Schulentwicklungsplanung zusammen mit dem Landkreis – dabei werde letzteres schon seit Jahren gefordert. Das merkte unter anderem Kreiselternratsvorsitzender Ronald Bahr an: "Ich kann nicht auf das Loblied für große Grundschulen einstimmen. Jetzt die Altstädter Schule aufzugeben, halte ich für gefährlich, weil das Konzept drumherum fehlt." Oder, wie es im Publikum formuliert wurde: "Die Schüler einfach von A nach B zu schicken, ist keine Schulentwicklungsplanung."

Die Stadt will alles tun, um den Übergang über die B3 sicher zu gestalten.

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