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Schwerpunktthema Das entscheidet die Celler Politik
Thema Schwerpunktthema Das entscheidet die Celler Politik
16:19 06.09.2019
Von Gunther Meinrenken
Die Altstädter Schule soll an den Landkreis verkauft werden. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Wenn der Schulausschuss bei seinen Sitzungen abwechselnd durch die Grundschulen der Stadt tingelt, halten sich die Ausschussmitglieder, von denen einige bereits das 60. Lebensjahr überschritten haben, in den meisten Fällen in Schulgebäuden auf, die deutlich älter sind als sie selbst. In absehbarer Zeit könnte nach Jahrzehnten des Stillstands jedoch wieder ein Schulneubau entstehen. Der Schulausschuss hat am Mittwoch den Plänen des Neuen Rathauses, einen Teil der Celler Grundschulen neu zu ordnen, mehrheitlich zugestimmt. Sollte Ende September der Celler Rat ebenfalls zustimmen und der Kreistag beschließen, für 17,5 Millionen Euro die Nadelbergschule und die Altstädter zu kaufen, stünde einem Neubau der Bruchhagenschule nichts mehr im Wege.

SPD wollte Tagesordnungspunkt verschieben

Die Sitzung startete allerdings anders, als sich Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU), der für sein „Jahrhundertprojekt“ werben und sich den kritischen Fragen aus der Politik und aus dem Publikum stellen wollte, vorgestellt hatte. Ausschussvorsitzender Reinhold Wilhelms (SPD) wollte den Punkt von der Tagesordnung nehmen – in erster Linie aus formalen Gründen. Er bemängelte, dass es noch kein Protokoll der Ortsratssitzung Westercelle, in der das Thema behandelt worden war, gebe. Außerdem sei das Verkehrskonzept für die Bruchhagenschule modifiziert worden. „Dazu muss der Ortsrat Stellung nehmen können“, so Wilhelms, der noch ein Haar in der Suppe fand. „Im Ortsrat wurde eine Einwohnerversammlung vorgeschlagen. Die macht nur Sinn, wenn die Ergebnisse in die Beschlussvorlage einfließen können.“

Christoph Engelen (SPD): "Sie werden schlechtere Bedingungen schaffen, als wir sie vorher hatten." Quelle: Alex Sorokin

Auch Wilhelms Parteikollege Christoph Engelen hatte „große Bauchschmerzen“ wegen des Vorhabens. „Das ist alles mit der heißen Nadel gestrickt und nicht zu Ende gedacht“, warf er der Verwaltung vor. Wo sollen die Busse für die Sprachheilschule, die in die Altstädter Schule gehen soll, halten? Was ist mit dem Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege“, wenn die Kinder von der Breiten Straße nun in die Blumlage müssen? Das waren nur zwei der Fragen, die Engelen bewegen. Der einzige Grund für die Umstrukturierung sei die finanzielle Situation. „Sie werden schlechtere Bedingungen schaffen, als wir sie vorher hatten“, so Engelen.

Nachteil: Künftig größere Klassen

Damit verwies er auf die Altstädter Schule. In deren derzeit kleinen Klassen sei es gelungen, den hohen Anteil an Migrantenkindern und Schülern mit Förderbedarf aufzufangen. Bei einer Zusammenlegung mit der Blumläger Schule werde es größere Klasseneinheiten geben, in denen es schwerer falle, sich individuell um die Kinder zu kümmern.

Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU): "Jetzt haben wir die einmalige Chance, etwas zu verändern, und von Ihnen kommt nur kleinteilige Kritik." Quelle: Oliver Knoblich

Für Nigge ist in der Tat die veränderte finanzielle Situation Grund genug, aktiv zu werden. Denn seit Jahren habe sich eben nichts an den Celler Grundschulen getan, machte Nigge keinen Hehl daraus, dass er sich für den Zustand der Schulgebäude schämt. „Jahrelang haben Sie die Schulen nicht interessiert. Jetzt haben wir die einmalige Chance, etwas zu verändern, und von Ihnen kommt nur kleinteilige Kritik“, so der Oberbürgermeister an die Adresse der Zweifler und Zauderer.

Drohende Loose-Loose-Situation

Der Zeitdruck, unter dem die Umstrukturierung nun auf den Weg gebracht werde, habe einen ganz konkreten Hintergrund. „Der Landkreis braucht Platz für die Oberschule Westercelle. Wenn wir zu lange warten, besteht die Gefahr, dass der Landkreis selbst baut. Dann bekommen wir nicht nur kein Geld, sondern werden über die Kreisumlage auch noch an den Kosten für einen Neubau für die Oberschule beteiligt“, stellte Nigge die drohende Loose-Loose-Situation für die Stadt dar.

Zwei Jahre Zeit für Konzepte

Schuldezernentin Susanne McDowell machte überdies deutlich, dass genügend Zeit bleibe, das pädagogische Konzept für die Zusammenarbeit der Altstädter und Blumläger Schule sowie jenes, nach dem der Neubau der Bruchhagenschule ausgerichtet werden soll, zu erarbeiten. Im ersteren Fall seien dies zwei Jahre, im Fall der Bruchhagenschule sogar noch etwas länger. Allen betroffenen Schulen werde ein ausgewiesener Experte zur Seite gestellt.

Die Mehrheit im Ausschuss unterstützte das Vorhaben der Stadt. Stephan Ohl (Grüne) setzte auch noch einen kleinen Nachtrag durch. Sollten durch die Kostenentwicklung die 17,5 Millionen Euro für den Neubau Bruchhagenschule und die Sanierung der Blumläger Schule nicht ausreichen, werde die Stadt dafür gerade stehen, die fehlenden Mittel zur Verfügung zu stellen.

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