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Schwerpunktthema Das erste Jahr der Drillinge
Thema Schwerpunktthema Das erste Jahr der Drillinge
15:53 23.08.2019
Von Simon Ziegler
Fototermin bei Drillings-Familie Kreimer in Hambühren am 11.12.2018. Quelle: Oliver Knoblich
Hambühren

Bei den Kreimers in Hambühren ist der Teufel los. Milea, Emil und Oskar krabbeln auf dem Boden oder spielen im Bällebad. Schreien, brabbeln. Haben Hunger. Wollen Aufmerksamkeit. Deborah und ihr Mann Tim Kreimer bleiben gelassen. „Ich bin nur gestresst, wenn alle drei gleichzeitig losbrüllen“, sagt die Mutter. Sie hat für die drei einen Brei vorbereitet. Wenig später bingt sie Milea, Emil und Oskar ins Bett. Mittagsschlaf. Schon nach ein paar Minuten ist Ruhe. Zeit, um ein wenig durchzuatmen.

„Die ersten 14 Monate waren durchwachsen“

Deborah Kreimer ist ehrlich. „Die ersten 14 Monate waren durchwachsen“, sagt die 29-Jährige. Am 12. Oktober 2017 hat sie im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Celle Drillinge bekommen. Es ist ein seltenes Ereignis. Am AKH gab es dieses Jahr keine Drillingsgeburt, 2017 waren es dafür drei. „Eine Drillingsgeburt ist immer etwas absolut Besonderes“, sagt Kinderklinik-Chefarzt Professor Martin Kirschstein. Auch logistisch: Mindestens zehn Leute waren bei der Geburt von Milea, Oskar und Emil immer dabei – Oberärzte, Assistenzärzte, Schwestern und Hebammen.

Fototermin bei Drillings-Familie Kreimer in Hambühren am 11.12.2018. Quelle: Oliver Knoblich

Milea hat gesundheitliche Probleme

Die Kreimers hätten allen Grund, viel gestresster zu sein als sie sind. Denn Milea hat gesundheitliche Probleme. Als die Drillinge nach zwei Monaten das Krankenhaus verlassen konnten, hieß es, dass alle gesund sind. Doch im März, also etwa ein halbes Jahr nach der Geburt, wurde bei dem Mädchen Hydrocephalos festgestellt, also ein Wasserkopf. Zwei Mal musste die Kleine in der Medizinischen Hochschule in Hannover operiert werden. Ihr wurde ein Shunt gelegt, damit Hirnwasser abfließen kann, erklärt Vater Tim (27). Auch an einer Immunschwäche oder einem Immundefekt – was es ist, steht noch nicht genau fest – und an einer Essstörung leidet das 14 Monate alte Mädchen, das jetzt 6,5 Kilo wiegt. „Wir versuchen trotzdem, damit locker und positiv umzugehen“, sagt Tim. Und sie haben die Hoffnung, dass alles gut und Milea gesund wird.

Fototermin bei Drillings-Familie Kreimer in Hambühren am 11.12.2018. Quelle: Oliver Knoblich

Kinder können nicht in Krippe gehen

Ihr Krankheitsbild hat große Folgen für die junge Familie. Denn wegen ihrer Immunschwäche kann Milea nicht in die Krippe und später nicht in den Kindergarten gehen. Und auch die beiden Brüder müssen zuhause bleiben, weil sie keine Infekte von außen einschleppen dürfen. Das hat wiederum zur Folge, dass Deborah Kreimer, die vor der Geburt einen Penny-Markt in Lehrte geleitet hat, nicht arbeiten kann.

Alltag bereitet viel Freude

Bei allen Schwierigkeiten haben die Kreimers viel Freude an ihren Babys. Emil und Oskar entwickeln sich prächtig, beide wiegen etwa 9 Kilo. „Der Alltag macht Spaß, weil sich die Kinder über jede Kleinigkeit freuen“, berichtet Deborah. „Es ist schön zu sehen, wie die Kinder langsam ihre Persönlichkeit entwickeln“, sagt Tim, „man freut sich einfach über jeden Entwicklungsschritt. Wie sie anfangen zu robben, zu krabbeln und zu stehen“. Er hat seit vergangener Woche Elternzeit – eine willkommene Abwechslung für die drei Kinder. Jetzt freuen sie sich auf Weihnachten. Gefeiert wird zu fünft zu Hause in Hambühren.

Fototermin bei Drillings-Familie Kreimer in Hambühren am 11.12.2018. Quelle: Oliver Knoblich

Mehr Unterstützung gewünscht

Tim und Deborah Kreimer würden sich über etwas mehr Unterstützung im Alltag freuen. Beispiele gibt es zur Genüge. Sie hatten sich um eine Tagesmutter für die drei Kinder bemüht. Hat nicht geklappt, weil Tagesmütter immer mindestens fünf Kinder betreuen wollen, damit sie genug Geld verdienen. Doch Kontakt zu anderen Kindern ist wegen Mileas Immunschwäche schwierig. Anderer Punkt: Sie haben bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragt. Gewährt bekommen haben sie nur einen Zuschuss von fünf Euro die Stunde. „Der Staat bestraft einen, wenn man mehr als ein Kind in die Welt gesetzt hat“, sagt Tim. Es klingt verbitterter, als es gemeint ist. Denn die Kreimers lassen sich ihre Freude am Nachwuchs nicht nehmen.

Fototermin bei Drillings-Familie Kreimer in Hambühren am 11.12.2018. Quelle: Oliver Knoblich

Drei Hosen, drei Betten, drei Kindersitze

Finanziell bekommen sie es ganz gut gewuppt. Tim arbeitet in der Autobranche, seine Firma vertreibt EU-Neufahrzeuge an Autohäuser. „Wir haben alles für unsere Kinder“, sagt er. Dabei geht es ganz schön ins Geld. Die Kreimers brauchen immer alles mal drei. Drei Hosen, drei Jacken, drei Betten, drei Kindersitze. Irgendwann werden sie ein größeres Fahrzeug brauchen. Und wohl auch ein neues Zuhause. Das Häuschen in Hambühren war eigentlich für ein Kind geplant, nicht für drei.

Für die Zukunft haben sie vor allem einen Wunsch: Gesundheit und keine Aufenthalte im Krankenhaus mehr. Und vielleicht ein bisschen mehr Unterstützung von Behörden und Krankenkasse.

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