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Schwerpunktthema Kleingärtner Dieter Blötz über seine Passion
Thema Schwerpunktthema Kleingärtner Dieter Blötz über seine Passion
19:17 30.08.2019
Von Svenja Gajek
Dieter Blötz repariert im Garten viel selbst. Seine Frau kümmert sich um das Anpflanzen von Obst und Gemüse. Quelle: Svenja Gajek
Celle

Dieter Blötz sitzt zusammen mit seiner Frau im Schatten des Sonnenschirmes und genießt einen ruhigen Sonntagnachmittag. Blötz ist Pächter eines Kleingartens in der Kleingartenanlage Kiebitzsee. Seit 23 Jahren kümmert sich das Paar nun schon um ihre 500 Quadratmeter Gartenglück. Hier gibt es viel Ruhe, aber auch jede Menge Arbeit.

Ehefrau kümmert sich um die Bepflanzung

Blötz' Ehefrau ist die Herrin über die Blumen und das Gemüse im Garten. Sie hat Paprika, Kürbisse, Zucchini, verschiedene Beeren und Kräuter angepflanzt. Außerdem gibt es ein winziges Gewächshaus mit Tomaten. Auch ein kleiner Teich mit einer Teichrose ist vorhanden. Blötz hat einen Komposthaufen mit Drei-Kammer-System angelegt. Es gibt eine Hollywoodschaukel und Spielgeräte für die Tochter, die mittlerweile längst erwachsen ist. Große Momente im Leben des Paares haben sich in der Kleingartenanlage abgespielt. So feierten die beiden ihre Hochzeit im Vereinsheim.

Das Ehepaar Blötz hat viel Obst und Gemüse in seinem Kleingarten. Neben einigen Beerensorten gibt es Paprika und Tomaten. Quelle: Svenja Gajek

Dieter Blötz repariert vieles selbst

Handwerkliche Fähigkeiten für anfallende Reparaturen hat der Kleingärtner durchaus, auch wenn vielleicht nicht alles perfekt aussieht. „Da oben ist alles mit Holz verkleidet“, sagt Blötz und deutet auf seine Laube. „Wenn man genau hinsieht, ist das ganz schön schief geworden.“ Auch eine Mauer hat der Gartenfreund schon einmal gebaut. „Danach habe ich meine neu erworbenen Fähigkeiten allerdings nie mehr benutzt“, lächelt er. Generell sei es wünschenswert, Pächter zu haben, die handwerkliche Berufe ausüben. Diese sind in der Lage, nicht nur ihre eigenen Gärten in Stand zu halten, sondern auch ihren Nachbarn dabei zu helfen.

Das Ehepaar Blötz freut sich über eine große Sonnenblume in ihrem Kleingarten. Quelle: Svenja Gajek

Dinge wiederverwenden

Recycling ist ein großes Thema bei Blötz und seiner Frau. Die Regenrinne an seiner Laube gehörte eigentlich mal zum Vereinsheim. „Andere Pächter kaufen vieles neu“, so Blötz. „Ich nutze lieber, was schon vorhanden ist. Wir sparen dadurch eine Menge Geld.“ Ein Beispiel dafür ist eine Konstruktion in der Ecke des Gartens. Blötz hat aus einem Rohr sechs Löcher ausgeschnitten und mit Pflanzen befüllt. Ein Gartenschlauchstück, welches er durch das Rohr gezogen hat, dient als einfaches Bewässerungssystem.

Leidenschaft für Kleingärten fing schon in der Kindheit an

Schon in der Kindheit begann Blötz' Leidenschaft für Kleingärten. "Ich habe in der Sankt-Georg-Straße gewohnt", erinnert sich der Cellenser. Als Kind sei er immer mit dem Fahrrad durch die Kleingartenanlage Hospitalwiesen nach Hause gefahren und habe auf dem Spielplatz dort gespielt. Dies sei eine sehr schöne Zeit für ihn gewesen. Außerdem hatten seine Eltern selbst einen großen Garten. "Nach zwei, drei Umzügen hatten wir dann keinen Garten mehr. Aber das Virus ist geblieben", so Blötz.

Dies sind die alten Spielgeräte der längst erwachsenen Tochter im Kleingarten des Ehepaares Blötz. Vielleicht wird eines Tages ein Enkelkind damit spielen. Quelle: Svenja Gajek

Zusammenhalt der Pächter

Neben Kindheitserinnerungen betont der Kleingärtner, wie wichtig der Zusammenhalt der Pächter in der Anlage sei. "Das ist eben anders als in einer Wohngegend", betont er. "Hier achten die Leute mehr aufeinander. Alle sitzen im selben Boot und man kann sich gut unterhalten." Auch mit Pflanzensamen oder Arbeitsgeräten helfen sich die Nachbarn gerne aus. Wenn einer außerhalb der Ruhezeiten doch einmal Lärm macht, sei derjenige schnell mit der Aussicht auf ein kühles Bier davon abzubringen. Zur Bereicherung der Gemeinschaft gehört auch ein Gemeinschaftsdienst. "Ja, der Deutsche und sein Vereinsleben", amüsiert sich Blötz. In eine Liste werden zum Anfang eines Halbjahres die Parzellen eingetragen, deren Pächter mit dem Aufräumen und Säubern der allgemein zugänglichen Plätze an der Reihe sind. Der Dienst findet immer am Samstag von 8.30 bis 12.30 Uhr statt. "Man bekommt auch ein Getränk im Vereinsheim gesponsert", bemerkt Blötz. Die Kneipe im Vereinsheim und der angeschlossene Biergarten bieten den Kleingärtnern nach getaner Arbeit die Möglichkeit, sich zu entspannen und auszutauschen. Der Vorsitzende Manfred Macher ist zusätzlich zu seinen ehrenamtlichen Aufgaben auch noch Wirt, denn "der Verein selbst darf keine Wirtschaft betreiben", so Blötz.

Vorschriften müssen eingehalten werden

Es gibt viele Regeln, an die sich die Kleingärtner halten müssen. Das fängt schon bei der Aufteilung der Fläche an. "Es gibt die Drittellösung: Schwarz, bunt, grün", erklärt Blötz. Das bedeutet, die Fläche soll gleichmäßig genutzt werden für Ackerland, Rasen und Laube sowie Blumen. Weitere Vorschriften existieren zum Beispiel zur Größe der Laube und der Höhe von Hecken. Zudem dürfen nur bestimmte Baumarten gepflanzt werden. "Ich habe hier eine Birke im Topf", erzählt Blötz. "Die ist hier eigentlich nicht erlaubt, aber durch den Topf verhindere ich das Wurzeln in die Erde, dann geht das schon in Ordnung."

Auf dem Weg zur Laube von Ehepaar Blötz kommt man an einer Birke vorbei. Diese ist eigentlich kein Kleingartenbaum, aber durch das Pflanzen im Topf umgeht Dieter Blötz die Vorschrift. Quelle: Svenja Gajek

Pächtern mit Migrationshintergrund fällt der Anschluss schwer

Hin und wieder gibt es Spannungen zwischen den Kleingärtnern. Gerade die Pächter, welche aus einem anderen Land kommen und diese Form von Vereinswesen nicht gewöhnt sind, tun sich häufig schwer in der neuen Umgebung. Häufig beteiligen sie sich nicht an Feiern und bleiben lieber unter sich. Blötz' Frau kommt aus Bosnien und kann die Beweggründe nachvollziehen: "Es ist eben schwierig, den richtigen Zugang zu finden, besonders, wenn man die Sprache nicht oder nicht so gut beherrscht." Blötz selbst verweist auf unterschiedliche Verhaltensweisen und Vorschriften in unterschiedlichen Ländern: "Wenn jemand hier Müll verbrennt, dann sagen wir ganz klar: Das darfst du hier nicht machen. Damit ist die Sache dann auch geregelt." Um zu sehen, wer zu den Kleingärtnern passt und wer nicht, wurde vor zirka sieben Jahren eine Probezeit eingeführt. "Damit trennen wir die Spreu vom Weizen", sagt Blötz.

In einem kleinen Gewächshaus im Kleingarten des Ehepaares Blötz stehen Tomatenpflanzen. Quelle: Svenja Gajek

Sorgen um die Zukunft

Etwas Sorgen macht sich das Ehepaar um die Zukunft der Kleingartenanlage. "Viele Mitglieder sind alt und nur wenig neue kommen nach", sagt Blötz. "Das will auch gut überlegt sein. Man bekommt eben nicht nur den Genuss, sondern auch jede Menge Anstrengungen." Trotzdem empfehlen Blötz und seine Frau das Kleingärtner-Dasein: "Wo sonst bekommt man für 120 Euro im Jahr so eine schöne Umgebung geboten?"

"Das Gras in anderen Gärten ist immer grüner", so sagt das Sprichwort. Lesen Sie hier einige Gedanken zum deutschen Kleingartenwesen.

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