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Schwerpunktthema So entwickelte sich der KGV Kiebitzsee
Thema Schwerpunktthema So entwickelte sich der KGV Kiebitzsee
19:12 30.08.2019
Von Svenja Gajek
Der Kleingärtnerverein Kiebitzsee in Celle besteht bereits seit den 1950er Jahren. Quelle: Svenja Gajek
Celle

Ein grünes Paradies liegt im Süden der Stadt Celle. Die Kleingartenanlage Kiebitzsee ist ein Rückzugsort für gestresste Städter. Die Menschen kommen vor allem nach Feierabend und am Wochenende hier her, um sich zu entspannen. Außerdem beschäftigen sie sich mit dem Reparieren und Pflegen ihrer Gärten und der gesamten Anlage. Doch wie hat eigentlich alles angefangen? Der Kleingärtnerverein Kiebitzsee schaut auf eine langjährige Geschichte zurück.

Celle begann 1950 mit der Kultivierung des Geländes, auf dem später der Verein angesiedelt werden sollte. Es wurden Bäume und Sträucher gerodet. Die Fläche wurde durchgepflügt und Klärschlamm aufgetragen. 65 Personen gründeten noch im selben Jahr einen vorläufigen Kleingärtnerverein. Sie schlossen mit der Stadt Celle einen Pachtvertrag für eine Dauer von 30 Jahren ab. Ende des Jahres wurde neben dem Gelände des Kleingärtnervereins ausgerechnet die städtische Mülldeponie eingerichtet. "Dadurch hat das Grundwasser gelitten", erklärt der derzeitige Vorsitzende Manfred Macher. "Das Problem besteht nach so vielen Jahren natürlich nicht mehr."

Ernst Averbeck war der erste Vorsitzende

Die Gründungsversammlung erfolgte 1952. Zum ersten Vorsitzenden wählten die Gartenfreunde Ernst Averbeck. Ihm wurde später ein kleiner Weg gewidmet. Auch eine erste Vereinssatzung wurde in diesem Jahr verabschiedet. Averbeck verstarb nach dreijähriger Amtszeit.

Im Kleingärtnerverein Kiebitzsee gibt es auch einen Spielplatz. Quelle: Svenja Gajek

Anfang der 60er Jahre kamen die ersten Diskussionen über Tierhaltung in der Anlage auf. Damals ging es um vermehrte Taubenhaltung. "Da die Tauben nach der Aussaat frei flogen, taten sie sich an dem frisch ausgesäten Saatgut gütlich", so Macher. "Das erfreute natürlich nicht alle Gartenfreunde." Drei Jahre später geschah noch etwas Unerfreuliches: Zum ersten Mal musste gegen gleich zwei Pächter eine Kündigung ausgesprochen werden, da sie ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen waren.

Strom für 600 Deutsche Mark

Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Pächter noch ohne Strom in ihren Parzellen auskommen. Das änderte sich 1976, als man begann, Leitungen auf dem Gelände zu verlegen. 1977 gründete der damalige erste Kassierer Kurt Speer für die Stromgemeinschaft eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Jeder Gartenpächter hatte nun die Möglichkeit, gegen Zahlung von 600 Deutsche Mark Strom in seinen Garten zu legen. Zu diesem Zweck erhielt jeder Garten einen eigenen Stromzähler.

Die Pächter gestalten ihre Grenzbepflanzung recht unterschiedlich. Efeu ist nicht unbedingt empfehlenswert. Quelle: Svenja Gajek

Die Paulusgemeinde veranstaltete 1982 zum ersten Mal einen Feldgottesdienst auf der Festwiese des Kleingärtnervereins Kiebitzsee. Daraus wurde eine Tradition, die auch heute noch einmal im Jahr an Himmelfahrt fortgesetzt wird. Der Bau eines Vereinsheimes wurde beschlossen. Dieser dauerte drei Jahre und verschlang eine Summe von 188.000 Deutsche Mark. Die Mitglieder selbst verwendeten über 7000 Arbeitsstunden für den Bau. Im Jahr 1985 sollten einige Dutzend neu angelegte Gärten an Arbeitslose vergeben werden. Die Stadt sicherte ihnen ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3000 Deutsche Mark zu. "Bis zum heutigen Tag hat kein Arbeitsloser der Stadt das Angebot angenommen", bedauert Macher.

Der Bau des Vereinsheimes des Kleingärtnervereins Kiebitzsee wurde 1982 begonnen.  Quelle: Svenja Gajek

Skatclub und Vereinszeitung

Der Skatclub "Die Kiebitze" wurde 1993 gegründet. Der Club ist kein eingetragener Skatverein. "Bei uns stehen die Gelegenheit, die Gemeinschaft und vor allem der Spaß am Spielen im Vordergrund", erklärt Gründungsmitglied Burkhard Balkenhol. Er wurde 1998 zum Vorsitzenden des Kleingärtnervereins gewählt. In diesem Jahr wurde außerdem "Der Kiebitz", die Vereinszeitung, neu ins Leben gerufen. Sie erschien nun viermal pro Jahr und informierte die Vereinsmitglieder über Neues und Gewesenes. Sie wurde 2005 eingestellt, "da ein Vereinsmitglied dem Autor und dem Vorstand mit rechtlichen Schritten gedroht hatte, wenn diese weiterhin über interne Angelegenheiten des Kleingärtnervereins berichten", so Macher.

Kurz vor der Jahrtausendwende, im Jahr 1999, gewann der Kleingärtnerverein Kiebitzsee zum ersten Mal die Wahl zur schönsten Kolonie des Bezirksverbandes der Kleingärtner in Celle. Der Verein erhielt bis heute noch zweimal diese Auszeichnung.

144 Gärten, 300 Mitglieder, 14 Nationen

Auch im neuen Jahrtausend passiert viel bei den Kleingärtnern: 2003 wurde ein Wettbewerb um die schwerste und größte Frucht eingeführt. Der schwerste Kürbis kam von Josef Kliem mit einem Gewicht von 85,8 Kilogramm. 2004 kam ein Preis- und Königsschießen dazu. Seit 2005 gibt es ein "grünes Klassenzimmer", denn die Grundschule Heese-Süd hat für vier Klassen einen Kleingarten gepachtet. 2008 wurde zum ersten Mal der Ehrenpreis "Gartenfreund des Jahres" verliehen. Mit diesem werden Gartenfreunde geehrt, die sich besonders um das Kleingärtnerwesen verdient gemacht haben.

Gemeinschaft wird im Kleingärtnerverein Kiebitzsee groß geschrieben. Quelle: Svenja Gajek

Nach über 50 Jahren hat sich der Kleingärtnerverein Kiebitzsee auf 144 Gärten und knapp 300 Mitglieder erweitert. "Ich finde es erfreulich, dass Gartenfreunde aus 14 Nationalitäten heute einen Kleingarten in unserem Verein bewirtschaften", so Macher.

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