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Schwerpunktthema Wie die Müdener das Projekt umgesetzt haben
Thema Schwerpunktthema Wie die Müdener das Projekt umgesetzt haben
13:50 07.06.2019
Von Christopher Menge
Die Flyer für die Aktion Tante Hanna werden im Gemeindehaus Müden gefaltet. Quelle: David Borghoff
Müden

Was lange währt, wird endlich gut. Das zeigt sich auch bei Tante Hanna. Als Ende 2014 der Edeka-Markt Braun in Müden schloss, hatte sich schon eine Arbeitsgruppe vom Verkehrsverein Müden gegründet, um das Thema Lebensmittelversorgung selbst in die Hand zu nehmen. In intensiven Vorarbeiten erstellten die Akteure einen Wirtschaftsplan für einen Lebensmittelmarkt in Eigenbetrieb der Dorfgemeinschaft. Sie prüften und fanden Lösungen.

Gründung der Tante Hanna GmbH in Müden am 27.3.17 Quelle: Christopher Menge

Im Jahr 2015 holten die Akteure durch ihr enormes ehrenamtliches Engagement die Gemeinde Faßberg mit ins Boot. Diese würde das Gebäude erwerben und umbauen. Zeitgleich nahmen die Akteure Kontakt zum Leader-Regionalmanagement des Kulturraums Oberes Örtzetal auf. "Ein Vorteil der Leader-Förderung ist, dass sie perfekt auf die Anforderung im Kulturraum zugeschnitten ist“, sagt Stephan Fähndrich von der Leader-Geschäftsstelle. „Die Förderung von Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung ist ein Teil unserer Entwicklungsstrategie.“ Und Tante Hanna dient der Regionalentwicklung.

Auch die Lokale Aktionsgruppe der Leader-Region Kulturraum Oberes Örtzetal, die über die Mittelvergabe entscheidet, war schnell überzeugt von dem gemeinschaftlichen Projekt der Gemeinde und der Bürgerschaft. Ende 2016 gab sie Mittel für das Projekt frei und zwar die bis dato höchste Summe: rund 165.000 Euro.

Offizieller Projektstart des Dorfladens „Tante Hanna“ in Müden (Örtze): Michael Gebers und Frank Bröhl Quelle: David Borghoff

Zuvor hatte die Arbeitsgruppe in der Müdener Kirche ihre Pläne vorgestellt. Gleich am ersten Abend gab es Zusagen über 123.750 Euro. Eine Gruppe Müdener Unternehmer gründete daraufhin die Tante Hanna GmbH, die den Markt eigenverantwortlich betreiben wird und hierfür das sanierte Gebäude von der Gemeinde angemietet hat. Um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu erhöhen und auch die Bindung der Bürgerschaft zu ihrem Tante Hanna-Markt zu festigen, warb die Gesellschaft um stille Beteiligungen am Unternehmen. Ziel war es, neben den von den Gesellschaftern eingebrachtem Kapital weitere mindestens 120.000 Euro an stillen Beteiligungen zu erreichen. Der Rat der Gemeinde hatte die Freigabe der Haushaltsmittel für die Sanierung an das Erreichen dieser Beteiligung geknüpft. Zum Jahresende 2017 war dieses Ziel mit stillen Einlagen von über 160.000 Euro mehr als erreicht und der Rat gab die Mittel frei.

Spendenbarometer für Tante Hanna Laden in Müden mit Gesellschaftern und Unterstützern, aufgenommen am 25.10.17 Bürgermeister Frank Bröhl (rechts) zeichnet Anteile an Tante Hanna GmbH, daneben Michael Gebers Quelle: Christopher Menge

Mit dieser Mittelfreigabe war der Startschuss für die Planung und Umsetzung der Sanierungsarbeiten gefallen. Das Bauamt der Gemeindeverwaltung erstellte in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft und den Fachleuten der Rewe, die auch die zukünftige Belieferung des Marktes übernehmen, die Sanierungs- und Umbauplanungen und bereitete die Ausschreibungen vor. Die ersten Gewerke wurden dann im Frühjahr 2018 ausgeschrieben. Kurz darauf konnten die ersten Aufträge erteilt werden. Nach einer „Abrissparty“, einem großen freiwilligen Arbeitseinsatz der Müdener Bevölkerung, bei dem der alte Laden ausgeräumt und die überflüssigen Wände abgerissen und entsorgt wurden, begannen im Frühsommer die ersten Baufirmen mit ihren Arbeiten.

Der Spendenbarometer vor dem Tante Hanna Laden in Müden/Örtze. 04.05.2018 Quelle: Oliver Knoblich

Trotz im Laufe der Bauarbeiten auftretender Probleme, wie zum Beispiel der aufgrund des schlechten Zustands des Fußbodens unter den entfernten alten Bodenfliesen, und sich daraus ergebender zusätzlicher oder geänderter Arbeiten und zusätzlicher Kostenpositionen, gingen die Arbeiten stetig voran, auch wenn das ursprünglich geplante Ziel der Eröffnung um den Jahreswechsel 2018/2019 so nicht mehr zu halten war.

Auch die Kosten blieben letztlich nicht in dem ursprünglich vorgesehenen Rahmen, was nicht nur an den erforderlichen Zusatzarbeiten, sondern in großem Umfang auch an den konjunkturbedingten allgemeinen Kostensteigerungen im Baugewerbe lag. Trotzdem waren alle Beteiligten von dem Projekt und seiner Notwendigkeit für Müden überzeugt. Deshalb beschloss der Rat auch, die für die zu erwartenden und eingetretenen Mehrkosten erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen.

In der Schlussphase der Bauarbeiten war nochmal die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen gefragt. Während des alljährlichen Frühjahrsputzes kümmerte sich eine Gruppe Müdener um die Reinigung der Außenwände von Graffitis sowie um das Aufräumen und Reinigen des Grundstückes. Auch viele örtliche Unternehmen unterstützten das Vorhaben mit Spenden in Form von kostenfrei erbrachten Arbeitsleistungen und trugen so zum Gelingen des Projektes bei.

Mit „Tante Hanna“ wurde ein Ort geschaffen, der neben dem Einkaufserlebnis auch einen gesellschaftlichen Mittelpunkt bieten wird. Viele Müdener haben den neuen Lebensmittelmarkt direkt am Eröffnungstag kennengelernt. Der Andrang war riesengroß.

Ladeneröffnung Tante Hanna in Müden Quelle: Christopher Menge
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