Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Schwerpunktthema Es läuft einfach bei Peggy Götting
Thema Schwerpunktthema Es läuft einfach bei Peggy Götting
12:42 04.09.2019
Von Benjamin Behrens
Peggy Götting vom MTV Müden/Örtze will die gesamte Strecke der Tour fürs Leben Laufen. Ein Teilabschnitt der Tour gehört zu einer ihrer üblichen Laufstrecken im Wald bei Müden. Quelle: Benjamin Behrens
Müden

Während Peggy Götting den sandigen Waldweg in Richtung einer ihrer üblichen Laufstrecken im Wald bei Müden entlang geht, kommt ihr eine Gruppe Ausflügler entgegen. Mit gemächlichen Schritten schlurfen die Senioren an ihr vorbei und steuern ein nahes Café an. Kein Tempo für die Läuferin. „Im Wettkampf läuft man etwa 14 Stundenkilometer“, sagt die Sportlerin. Im Training kommt sie auf ein ähnliches Tempo – gerade bereitet sie sich für die „Tour fürs Leben“ vor.

Benefizaktion unterstützt Onkologisches Forum

Die Benefizveranstaltung „Tour fürs Leben – Bewegen gegen Krebs“ schickt am Sonntag, 8. September, Läufer, Radfahrer, Wanderer, Skater und weitere Sportler auf eine Strecke entlang der OHE-Gleise. Anmeldungen sind bis zum Start am Sonntag möglich. Das Startgeld für das Sport-Event geht an das Onkologische Forum. Auf den Etappen von Celle nach Müden kann sich jeder seine individuelle Distanz aussuchen, je nach Lust und Ausdauer. Götting hat sich die volle Strecke über 37,3 Kilometer vorgenommen. Damit bleibt sie knapp unter der Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern.

Läuferin Peggy Götting empfiehlt Anfängern nicht an den Laufschuhen zu sparen und auch eine Laufanalyse beim Händler zu machen. Quelle: Benjamin Behrens

Soldatin Peggy Götting läuft von Kindesbeinen an

Keine unübliche Strecke für Götting, sie hat eindeutig ihre Sportart gefunden. Doch wie hat eigentlich alles angefangen? „Da muss ich weit zurückgehen. Das Laufen habe ich schon zu Grundschulzeiten für mich entdeckt“, erinnert sich die 37-Jährige. Aufgewachsen ist die Hermannsburgerin in der Nähe von Stendal in Sachsen-Anhalt. „Da gab es für uns noch nicht großartig was mit Vereinen“, sagt Götting. „Ich habe auch keine Uhr umgemacht oder so, ich bin einfach gelaufen.“ Ihre Ausbildung im Sanitätsdienst machte sie in Hannover, 2004 wechselte die Läuferin zur Bundeswehr. „Regelmäßiger Sport gehörte dazu, da habe ich das Laufen wieder neu für mich entdeckt.“ Heute dient sie als Hauptfeldwebel im Sanitätsdienst in Faßberg.

Laufgruppe des MTV Müden nimmt Sportlerin gut auf

Es dauerte nicht lange bis andere Läufer auf Götting aufmerksam wurden – und ihr rieten, sich der Laufgruppe des MTV Müden anzuschließen. „Ich dachte erst noch, das ist nichts für mich, ich wollte ja keine Wettkämpfe oder so laufen“, berichtet die Läuferin. „Ich bin dann doch mal hingegangen und wurde so gut empfangen, dass ich geblieben bin“, freut sich Götting. Andreas Ull trainiert die Müdener Laufgruppe. Der frühere Chef des Celler Kreisleichtathletikverbands, der 2018 ins Amt des Vizepräsidenten Bereich Breitensport und Sportentwicklung im Niedersächsischen Leichtathletik-Verband wechselte, ist Mitorganisator der „Tour fürs Leben“.

Eine Smartwatch erfasst beim Laufen Daten wie Puls, Geschwindkeit und den sogenannten Pace, also die Zeit in er ein Läufer eine bestimmte Strecke zurücklegt. Quelle: Benjamin Behrens

Im Verein hielten bei Götting dann doch der Blick auf die Uhr und auch Volks- und Stadtläufe Einzug. „Ich fahre nach Berlin, München und überall hin.“ Aus dem Hobby ist mehr geworden. Inzwischen landet sie oft in ihrer Altersklasse auf dem Siegertreppchen. „Mein Trainer sagt, wenn ich wollte könnte ich noch mehr“, so Götting. Aber es soll ein reines Hobby bleiben. Auch wenn sie im nächsten Leben wohl Sportsoldatin werden würde, wie sie heute sagt. Die „Tour fürs Leben“ wird vorerst der letzte große Lauf sein. Ende September geht die Soldatin in ihren ersten Auslandseinsatz nach Mali. „Deswegen nehme ich nochmal alles mit.“ Ihr Mann (er ist ebenfalls Soldat) und der Sohn werden dann auf die Läuferin verzichten müssen.

Tour fürs Leben ist letzter Lauf vor Auslandseinsatz

Die kleine Laufstrecke im Feldlager und ansonsten afrikanischer Wüstensand – ohnehin keine idealen Bedingungen. Da ist die Strecke für die „Tour des Lebens“ schon deutlich angenehmer. Götting freut sich auf den Lauf und unterstützt auch gerne die Arbeit des Onkoforums. „Das ist eine gute Sache. Da ich aus dem Sanitätsdienst komme, kann ich mich in das hineinversetzen, was Menschen mit Krebserkrankung durchmachen.“

Bequeme und funktionelle Kleidung macht das Laufen angenehmer. Quelle: Benjamin Behrens

So können sie sich anmelden

Die Teilnahme an der „Tour fürs Leben“ kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro). Für die Shuttle-Strecken werden zuzüglich 5 Euro (2,50 Euro) und bei Shuttlenutzung einmalig eine Gebühr für ein Shuttle-Leibchen (5 Euro) als „Fahrschein“ fällig. Anmeldungen, auch für die Shuttlestrecken, über www.laufmanager.net, Rückfragen ans Onkoforum unter Telefon (05141) 2196605. Ursprünglich war geplant, den historischen Museumszug „Ameisenbär“ als Shuttle einzusetzen. Der Zug (Baujahr 1937) fällt mit einem Bremsenschaden aus. Als Ersatz lässt die OHE nun den Dieseltriebwagen GDT 0518 der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg auf die Strecke (Baujahr 1955). Die Anmeldung ist auch am Tag der Tour selbst noch möglich.

Die "Tour fürs Leben" unterstützt das Onkologische Forum – Skaterin Melanie Ziebell verlor ihre Mutter durch Krebs und will sich revanchieren.

Benjamin Behrens 04.09.2019

Rollstuhlfahrer Christian Röhrs ist sportlich, bei Wanderwegen aber war stets Schluss. Mit einem Geländerollstuhl nimmt er an der "Tour fürs Leben" teil.

Benjamin Behrens 04.09.2019

Wander-Enthusiastin Maryana Shelest-Koch entdeckte zufällig Werbung für die "Tour fürs Leben" – und entschied sich mitzumachen.

Benjamin Behrens 04.09.2019