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Wolf im Landkreis Celle Zusammenleben zwischen Mensch und Isegrim polarisiert
Thema Wolf im Landkreis Celle Zusammenleben zwischen Mensch und Isegrim polarisiert
Canis lupus Quelle: Donatas - stock.adobe.com
Landkreis Celle

Seit der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen gibt es kaum ein Thema, das so sehr polarisiert wie das "Zusammenleben" zwischen Menschen und Raubtier. Fakt ist, dass im Landkreis Celle immer mehr Wölfe leben. Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), die für das Wolfsmonitoring zuständig ist, hat im Dezember ein weiteres Wolfsrudel bestätigt. Es lebt bei Widdernhausen.

Im März 2018 war bereits ein Rudel in Walle und im August eines in Wietze nachgewiesen worden. Für Walle fehlt für das laufenden Monotoringjahr allerdings noch der Reproduktionsnachweis. Bisher konnte der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, Raoul Reding, für die hiesige Region "nur" Nachwuchs für die Rudel Bergen, Eschede/Rheinmetall, Wietze, Ostenholzer Moor, Wietzendorf und Ebstorf bestätigen.

Die Cellesche Zeitung begleitet dieses Debatte aus verschiedenen Blickwinkeln bereits seit mehreren Jahren.

Kreisjägermeister vermutet Wolfsrudel in Wathlingen

Im Oktober hatte Kreisjägermeister Hans Knoop im Umweltausschuss des Landkreises gesagt, dass es mindestens ein weiteres Wolfsrudel im Landkreis Celle geben soll, das bisher nicht erfasst wurde. Dieses soll sich in der Samtgemeinde Wathlingen angesiedelt haben. Das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat bislang von einem Rudel in diesem Gebiet aber keine Kenntnis. "Wir können Wölfe im Wathlinger Raum weder dementieren noch bestätigen", sagte Sprecherin Bettina S. Dörr.

Sechs tote Wölfe im Landkreis Celle

Bei einem Verkehrsunfall ist im Dezember ein Wolf auf der Landesstraße 298 im Bereich der Abfahrt nach Rixförde getötet worden. Im Landkreis Celle waren zuvor vier Wölfe bei Unfällen ums Leben gekommen. Am 10. Januar 2015 starb ein Wolf nach einem Unfall auf der Bundesstraße 191 zwischen Eschede und Celle, am 16. Oktober 2015 wurde ein Wolf zwischen Hetendorf und Widdernhausen überfahren. Ebenfalls bei einem Verkehrsunfall starben am 26. Januar 2016 ein Wolf bei Ovelgönne und ein weiteres Tier am 29. November bei Unterlüß. Zudem war eine junge Wölfin – ein Nachkomme aus dem Wietzendorfer Rudel – Anfang März 2018 auf einem Feld bei Bonstorf tot aufgefunden worden. Das Tier wurde erschossen.

Wolf erschossen: 18 Schrotkugeln im Kadaver gefunden

Die Polizei Celle stellte ihre Ermittlungen im August ein. „Wir konnten den Täter nicht ermitteln“, sagte Polizeisprecherin Birgit Insinger auf CZ-Nachfrage. Auch der Täterkreis hätte nicht eingegrenzt werden können.

In dem Kadaver der Wölfin waren 18 Schrotkugeln gefunden worden. „Es konnte auch nicht ermittelt werden, ob der Fund- auch der Tatort war“, sagte Insinger. Es ist durchaus möglich, dass die tödlichen Schüsse außerhalb des Landkreises abgegeben worden sind und die Wölfin noch bis zum Feld bei Bonstorf gelaufen ist. Da Schrotflinten in der Jagd auf Kleinwild verwendet werden, waren Jäger nach dem Vorfall unter Verdacht geraten.

BI für "wolfsfreie Dörfer" gegründet

Nachdem immer mehr Wölfe in Dörfern gesichtet worden waren, gründeten sechs Winser Bürger im März 2018 im Dorfgemeinschaftshaus von Thören die „Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer“. „Der Wolf hat seine Daseinsberechtigung. Wir fordern keine Ausrottung. Wir wollen aber, dass der Wolf aus den Dörfern draußen bleibt“, beschreibt BI-Mitgründerin Anne Friesenborg das wichtigste Ziel der neuen Bürgerinitiative.

In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche Wolfssichtungen im Celler Westkreis gegeben. Begegnungen zwischen Mensch und Tier wurden etwa mitten in Winsen sowie im Ortsteil Bannetze gemeldet.

Heidschnucken gerissen

Seitdem die Zahl der Wölfe im Landkreis Celle zunimmt, kommt es immer öfter zu Rissen. Im August 2017 gab es beispielsweise bei Hinnerk Peter Tewes einen Vorfall, bei dem in Schmarbeck bei Faßberg 13 Heidschnucken getötet worden, 7 weitere mussten von einer Tierärztin eingeschläfert werden, weil sie durch einen Kehlbiss so stark verletzt worden waren. Der Wolf soll bei dem Angriff einen 1,20 Meter hohen Elektrozaun übersprungen haben.

Auch bei Carl Wilhelm Kuhlmann aus Niederohe hatte es Risse gegeben. Im August 2018 waren der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD), der Direktor der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, Humberto Delgado Rosa, und Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, in die Heide gekommen, um sich vor Ort zu informieren.

"Bei meiner Herde gab es zwei Vorfälle", berichtete Kuhlmann. Im vergangenen Jahr habe ein Wolf ein Schaf gepackt und dieses erst losgelassen, als Kuhlmann fünf Meter davor stand. "Das Schaf hat verletzt überlebt", sagte der Schäfer. "Im August dieses Jahres ist ein Wolf dann mit einem Lamm im Maul abgehauen."