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weitere Themen Von Hamburg über Bayreuth nach Faßberg
Thema weitere Themen Von Hamburg über Bayreuth nach Faßberg
14:26 13.06.2010
Guten Abend Herr Babel! - Anbei ein Bericht über den Faßberger Michael Tietjens als Zweitgeschichte sowie zwei Fotos. Sie zeigen ihn mit einem Modell des Poppelsdorfer Schloss, das Tietjens zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Bonn gefertigt hatte. - BEMERKUNGEN: 1) Sie hatten mit einiger Vehemenz nach „Zweittypen“ verlangt – der beigefügte Bericht ist eine. Allerdings kann ich die Geschichte zu einem „Haupt-Typ“ erweitern, Material habe ich. - 2) Da Herr Volkmer in Urlaub ist (wie er mir sagte), stellt sich die Frage nach dem Fotografen für die brasilianische Streetworkerin Frau Dobberan, mir der ich mich morgen – Donnerstag – treffe. Wenn ich keine anderen Anweisungen erhalte, fotografiere ich die Dame bzw. frage sie nach Fotos aus ihrer Tätigkeit in Südamerika. - Schöne Grüße sendet - Udo Genth Quelle: Udo Genth
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Faßberg

Michael Tietjens wurde 1943 in Hamburg geboren. In Hamburg-Rahlstedt genau genommen. In diesem nordöstlichen Außenbezirk der Hansestadt hat er 1959 auch sein Abitur abgelegt. Die Frage der Ausbildung war nicht leicht zu beantworten, denn für ein Studium war kein Geld vorhanden. Ein weitläufiger Verwandter der Familie erbot sich, für ein Zahnarztstudium aufzukommen. Der Abiturient lehnte ab, er wollte seinen Weg aus eigener Kraft gestalten. So fing er eine Lehre als Reederei-Kaufmann bei der Hamburg-Amerika-Linie an. „Möglichst `was Gediegenes bei einem renommierten Unternehmen“, das war hanseatische Art. Die Lehre schloss er mit „sehr gut“ ab und arbeitet dann noch rund drei Monate in seinem Beruf, ehe ihn die Bundeswehr zur Ableistung der Wehrpflicht rief. Danach ging Michael Tietjens nicht mehr zurück zur Reederei, sondern meldete sich beim Theater. An diesem Entschluss war nicht sein Cousin Walter Giller beteiligt, vielmehr drängte es Tietjens selbst. In der Hamburgischen Staatsoper arbeitet er als Volontär. Dort setzte er Bühnenbildentwürfe in realisierbare Projekte um. „Schon damals war es mein Ziel, einmal nach Bayreuth zu gehen“, erinnert sich Michael Tietjens heute. Zunächst ging er allerdings nach Bern ans dortige Stadttheater und zwar gemeinsam mit der jungen amerikanischen Bühnenbildnerin und Theatermalerin Mary Davis, die er 1970 kennen gelernt hatte. Offensichtlich haben Michael Tietjens´ Berner Arbeiten in der Theaterwelt Aufsehen erregt. Nach zwei Jahren Tätigkeit an der Bühne der Schweizer Hauptstadt kam der Ruf aus Bayreuth. Dort wurde Tietjens Leiter des Ausstattungsateliers und behielt diesen Posten neun Jahre lang bis 1983. Seine Mary hatte er bereits 1974 geheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, die sich allerdings nicht in den Fußstapfen ihrer Eltern bewegen.

Im Jahre 1983 machte sich Michael Tietjens quasi selbständig. Er schuf für diverse Theater Bühnenbilder und Dekorationen. Die Liste der Häuser, die ihn mit diesen Aufgaben betrauten, ist lang. Neben so illustren Namen wie Mailänder Scala und Metropoltan Opera New York stehen auch Theater in Mannheim, Braunschweig oder Detmold sowie die Freilichtbühne Eutin. „Für die habe ich mit großer Freude gearbeitet“, sagt Tietjens im Nachhinein. 2002 ging er in den Ruhestand.

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Seitdem wohnt das Ehepaar Mary und Michael Tietjens in Faßberg. In dieser „Gartenstadt“ hat er sich ein Haus gekauft. Die Gegend kannte er, weil seit 1960 seine Mutter mit ihm im benachbarten Gerdehaus den jährlichen Urlaub verbrachte. „Ich wollte meinen Endwohnsitz in vertrauter Umgebung haben“, stellt er dazu fest. Nun verbringt Michael Tietjens seine freie Zeit mit Malen und liest gern. Interessanterweise ist unter seiner Lieblingslektüre wenig über Theater, vielmehr gehören Wilhelm Busch und Arthur Schopenhauer zu seinen bevorzugten Autoren.

Von Udo Genth