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Kultur Anspruchsvolles Movimentos-Festwochen-Programm in Wolfsburg
Weltgeschehen Kultur Anspruchsvolles Movimentos-Festwochen-Programm in Wolfsburg
16:26 26.01.2018
Das Movimentos-Kulturfestival macht Würde zum Festival-Motto: Tänzer der „Grupo Corpo“ tanzen die Choreografie „Gira“. Quelle: Wendy D/Movimentos Festwochen
Wolfsburg

„WOLFSBURG. Wie immer argumentiert er bei der Programmvorstellung intellektuell brillant, wenngleich die Verbindung so mancher Produktion dann vielleicht doch etwas weit hergeholt scheinen mag. Im literarischen Programm allerdings könnte die Kopplung der Veranstaltungen an das Motto kaum zwingender sein: Da gibt es einen Abend über die Offenbarung des Johannes mit dem Schauspieler Wolfram Koch, von dem Kauffmann so schwärmt, dass man es kaum glauben kann, ist doch dieser Festivalmacher fern jeder oberflächlichen Begeisterungsfähigkeit.

Ein anderer Abend widmet sich dem frühaufklärerischen Text „Das verlorene Paradies“ von John Milton, ein weiterer Schiller-Balladen in Kombination mit Elektrorock. Autor Daniel Kehlmann wiederum ist mit einem Kammerspiel zu erleben, in dem es um das Spannungsfeld von Freiheit, Überwachung und Würde geht. Und kein Geringerer als Karl Marx steht im Zentrum eines Stückes von Howard Zinn, das Kauffmann selbst inszenieren wird.

Im Tanztheater ist der Bezug zum Festivalmotto bei der erstmals nach Wolfsburg eingeladenen norwegischen Zero Visibility Corporation am konkretesten. In deren Produktion „Frozen Songs“ geht es ums nackte Überleben und um die Würde der Natur ausgehend von der Tatsache, dass es in Spitzbergen eine Art „Archiv der Schöpfung“gibt, in dem 80.000 tiefgekühlte Samen aufbewahrt werden. Dass ausgerechnet eine solche Produktion im Werk von VW zur Aufführung kommen wird, das ist in Anbetracht des Dieselskandals und des Umgangs von VW mit der Schöpfung eine bemerkenswerte Sache.

Von den sieben Tanztheatertruppen, die nach Wolfsburg kommen werden, muss das Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan noch herausgestellt werden, denn die zu erwartende Produktion soll eine Art Vermächtnis des demnächst scheidenden künstlerischen Leiters Lin Hwai-min sein. Den Beginn des Festivals wird eine Company markieren, die noch nie in Deutschland zu sehen war, nämlich das Ballett BC aus Vancouver. Die Kanadier bieten einen Abend mit drei ganz interschiedlichen choreografischen Handschriften. Weitere Gastensembles sind die Company Wayne McGregor, die Compagnie Decouflé, die Sidney Dance Company und die brasilianische Grupo Corpo.

Im Jazzprogramm des Fesitvals ist Gregory Porter der namhafteste Gast. Das kleine, aber feine Klassikprogramm konzentriert sich fast ganz auf Klaviermatineen. Auffallend viel Schubert steht auf dem Programm, aber auch Mozart, Beethoven, Schumann und Brahms. Interessante Musiker sind zu erwarten. Kit Armstrong, vorletzte Saison auch in Celle zu Gast, wird zusammen mit Annika Treutler an zwei Klavieren spielen. William Youn, Ran Jia, Cedric Pescia und Severin von Eckhardstein sind die anderen Pianisten, die allesamt sehr reizvolle Programme im intimen Rahmen des sogenannten Freiraums anbieten. Und im einzigen klassischen Konzert ohne Klavier werden zwei ganz frühe Werke von Wolfgang Rihm zur Uraufführung kommen.

Von Reinald Hanke

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