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Kultur David Bowies wirres „Lazarus“-Musical halbwegs gerettet
Weltgeschehen Kultur David Bowies wirres „Lazarus“-Musical halbwegs gerettet
11:50 15.06.2018
Quelle: Jörg Landsberg
Bremen

Die Hauptfigur ist ein gewisser Newton, der nicht von dieser Welt ist oder genauer gesagt zwischen den Welten schwebt. Er döst zwischen Gin und Wahnsinn vor sich hin, hat Erscheinungen, Träume, reale Begegnungen, die surreal wirken, aber auch surreale Begegnungen, die real wirken. „Lazarus“ ist ein Stationendrama, bei dem man nicht weiß, wo welche Station angesiedelt ist. Selbst wissend, dass ein Musiktheaterlibretto nicht unbedingt eine lineare Geschichte erzählen muss, so müsste es doch zumindest, wenn es nicht von vornherein auf eine Geschichte verzichtet, eine Dramaturgie der Gefühle transportieren. Davon kann hier aber nicht die Rede sein.

Trotzdem war der Abend nicht verloren, denn was die Bremer aus der Vorlage gemacht haben, das hatte zumindest teilweise beachtliches Format, insbesondere gesanglich. Das Bühnenbild: Auf der Bühne steht ein Bett, ein Zwischenvorhang und eine Landschaft aus beweglichen Hubpodien und Treppen. Da kann man mit wenig Aufwand faszinierende Wirkungen erzielen.

Der Ablauf des Stückes konstituiert sich aus 17 Bowie-Songs, die musikalisch beliebig aneinander geflickt, aber szenisch zumeist geschickt mit einander verbunden wurden. Dazwischen gibt es Texte auf Deutsch, die mal eindrucksvoll und artifiziell gestaltet und gespielt, mal schlecht gesprochen werden. Man musste feststellen, dass nicht die einzige Opernsängerin des Abends, die stimmlich schillernde und von körperlicher Präsenz zeugende Nerita Pokvytyte, Probleme mit den Dialogen hatte, sondern einzelne Schauspieler. Zum Glück aber nicht der Hauptdarsteller Martin Baum. Der versuchte erst gar nicht Bowie zu sein oder wie dieser zu singen. Er suchte einen Zugang, der alle Klischees mied, um mit einer gewissen inneren Distanz die Stücke darzubieten. Das funktionierte weitgehend beeindruckend. Dass dieses Stück mit dem biblischen Titel und vagen Assoziationen wie ein sinnfreies Chaos ohne Spannungsbogen wirkte, konnte er aber nicht verhindern.

Von Reinald Hanke

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