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Kultur Der andere Blick auf unseren Alltag
Weltgeschehen Kultur Der andere Blick auf unseren Alltag
22:05 22.07.2019
Laudator Wolfgang Decker (rechts) zeigt bei der Vernissage ein ironisches Selbst-Portrait von Hubertus Busch (links) namens „Selfie“.  Quelle: Peter Bierschwale
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Celle

„Paradoxe Welten“ hat Hubertus Busch seine Gemäldeausstellung im Atelier 22 benannt, aber seine surrealistischen Gemälde sind mehr als „paradox“: Groß, farbmächtig und irritierend, manche sogar deprimierend, ziehen sie den Betrachter in ihren Bann. Oder, wie es der Atelier-22-Vorsitzende Jürgen Henke bei der gut besuchten Vernissage formulierte: „Es sind Bilder, die uns zwingen, anders auf die Welt zu gucken.“

Henke wies in seiner Begrüßung außerdem darauf hin, dass Hubertus Busch dem Atelier 22 „fast seit der ersten Stunde“ verbunden sei: Er gehörte nach dessen Gründung im Jahre 2009 zu den ersten Ausstellern, damals noch in den Räumlichkeiten an der Bahnhofstraße. Aber aus prinzipiellen Gründen habe er nie Mitglied im Atelier 22 werden wollen, das müsse man halt so hinnehmen.

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Die von Elke Winter ausgewählten Lieder für das musikalische Rahmenprogramm passten gut zu den ausgestellten Bildern. Das war schon gleich zu Beginn der Fall, als sie Reinhard Meys „Über den Wolken“ zur Gitarre sang: „Da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Und diese grenzenlose Freiheit hat sich Hubertus Busch in seinen Gemälden genommen. Oft hat er detailgetreu Gegenständliches in seine Bilder hineingemalt, sie wirken als Blickfang, denn auf sie schaut man zuerst. Aber irgendwo findet sich dann immer eine Verfremdung, eine Überraschung oder eine Fantasiewelt.

Flüchtige Visionen des eigenen Geistes

Laudator Wolfgang Decker, selbst Maler, zitierte zu Beginn Salvator Dalí. Der hatte davon gesprochen, dass sein Auge zu einem psychedelischen Fotoapparat geworden sei, mit dem er Aufnahmen von „Visionen seines Geistes“ machen könne. Mit Sigmund Freud, so Decker weiter, habe es begonnen, „das Unwirkliche sowie die Tiefen des Unterbewusstseins“ zu erforschen. Für die bildende Kunst sei daraus der Surrealismus gefolgt, die Erweiterung der Kunst durch das „Phantastische und Absurde“.

„Visionen des eigenen Geistes“ können flüchtig sein. Um sie zügig auf die Leinwand zu bekommen, hat sich Hubertus Busch für solche Bilder vom Öl abgewandt und malt sie mit Acrylfarbe, weil die schneller trocknet und deshalb mehr Spontanität zulässt.

Überraschende Titel der Bilder eröffnen neue Sicht

Neben den surrealistischen Werken stellt der Nienhorster Maler auch einige Akt- und Portrait-Bilder aus. Da kann man sehen, dass er die Grundlagen seiner Kunst beherrscht und sich das Recht nehmen kann, der Realität teils zu entfliehen.

Das macht er auf sehr unterschiedliche Weise, und die überraschenden Titel der Bilder eröffnen dann noch eine neue Sicht. „Hochzeitskutsche“ heißt eins, aber es enthält wenig Romantisches: Das Bild wirkt eher wie eine düstere Fantasy-Western-Welt. Oder man sieht einen Frauen-Torso vor einer Dalí-ähnlichen Landschaft, Titel: „Diktatur“.

Man sollte etwas Zeit für den Besuch der Ausstellung mitbringen, denn jedes Bild gibt viel Raum für Interpretationen und die eigene Phantasie. Ach ja, und dann hängt da noch das verfremdete Portrait eines Mannes, dem der Kopf zu explodieren scheint. Busch hat es „D. Trump“ genannt.

Die Ausstellung „Paradoxe Welten“ läuft noch bis zum 1. September im Atelier 22 in der Hattendorffstraße 13. Sie ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Peter Bierschwale

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