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Kultur Ein völlig entgleister Charakter
Weltgeschehen Kultur Ein völlig entgleister Charakter
16:18 17.04.2019
Gar nicht witzig: Samuel Finzi (Dov Grinstein) und Mavie Hörbiger (Pitz) in dem Stück „Kommt ein Pferd in die Bar“ im hannoverschen Schauspielhaus. Quelle: Bernd Uhlig
Hannover

Wobei der Begriff „schlecht“ in diesem Zusammenhang zu kurz greift: Die Hauptfigur, der Stand-up-Comedian Dov „Dovele“ Grinstein, ist völlig am Ende. Das renommierte Burgtheater Wien war bei zwei ausverkauften Vorstellungen einer Bühnenfassung zu Gast im hannoverschen Schauspielhaus. Mit auch durch Film und Fernsehen bestens bekannter Besetzung: Samuel Finzi und Mavie Hörbiger.

Gibt es jüdischen Humor?

Gibt es so etwas wie jüdischen Humor? Wenn ja, womit hat er zu tun – mit Verschmitztheit, Selbstironie, Abgeklärtheit? Auf Grinstein zumindest trifft nichts von alledem zu. Er ist ein Zyniker und verachtet alles, Vergangenheit und Gegenwart, das Leben in Israel, sich selbst. Und natürlich das Publikum.

Samuel Finzi in einer Doppelrolle

Schon bekommt Finzi eine Doppelfunktion. Er spielt den fiktiven Grinstein, hat aber ein ganz reales Publikum vor sich. Das man unter dieser Setzung – es ist ja ein Spiel im Spiel – hemmungslos beleidigen darf und das sich auch gern beleidigen lässt. Um gleichwohl bei einer schmierigen Animation mitzumachen: Besucherinnen und Besucher bekommen verschiedene Rollen zugewiesen, um „Bye Bye Love“ akustisch zu untermalen.

Ein paar flotte Witze und Wortspiele

Auch dieser Titel ist kein Zufall. Wenn Grinstein überhaupt jemals liebesfähig gewesen sein sollte, ist davon nichts mehr übrig geblieben. Am auffälligsten ist sein Selbsthass, der sich alsbald auch physisch äußert: Der gänzlich unkomische Komiker zerreißt seine Kleidung, schlägt sich das Gesicht an der Wand blutig – eine Videokamera zeigt die Verletzungen in Großaufnahme. Aber das Publikum möchte doch Pointen hören? Bitte gern. Wie wäre es zum Beispiel mit ein paar flotten Witzen und Wortspielen zu Juden, Arabern, Kopfschüssen oder Josef Mengele?

Trauma eines völlig entgleisten Charakters

Im zweiten Teil tritt ein großes Trauma dieses völlig entgleisten Charakters zutage. Aus einem Jugendlager wurde Grinstein einst zu einer Beerdigung abgeholt, da ein Elternteil gestorben war – in der Hast vergaß man allerdings mitzuteilen, welches. Seine Überlegungen während der langen Fahrt, seine „persönliche Selektion“ kann er nach wie vor nicht vergessen, und er kann sich offenbar auch nicht verzeihen.

„Du warst ein guter Junge“

Grinstein geht immer mehr in seiner Selbstzerfleischung auf, bis sich im Publikum eine Stimme aus der Vergangenheit meldet: Die Jugendbekanntschaft Pitz, gespielt von Mavie Hörbiger, sagt plötzlich Sätze wie „Du warst ein guter Junge“ und bringt Grinstein mit ihrer sanften Beharrlichkeit auch im folgenden hier und da aus der Fassung.

Keine stimmigen Spannungsbögen

Ohne ihn oder den Abend retten zu können. Der nämlich ist mit seinen rund 135 überwiegend monologischen Minuten ohne Pause viel zu lang, und so beeindruckend Samuel Finzi hier fraglos agiert – Regisseur Dušan David Parízek und Dramaturgin Eva-Maria Voigtländer haben es letztlich nicht verstanden, die Inszenierung mit stimmigen Spannungsbögen aus der Eintönigkeit zu steuern.

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