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Kultur Klarinettenkonzert als Uraufführung
Weltgeschehen Kultur Klarinettenkonzert als Uraufführung
14:48 11.01.2019
Thorsten Encke
Hannover

Bach und Brahms: Womit sind solche Namen in einem Konzertprogramm noch zu toppen? Vielleicht mit einer Uraufführung, und eine solche hatte das 5. Ring-A-Konzert der NDR Radiophilharmonie im Großen Sendesaal zu bieten: Thorsten Encke, in Celle aufgewachsen, hat ein Klarinettenkonzert für Sharon Kam geschrieben, wobei sowohl Komponist als auch Solistin internationales Renommee genießen – dass beide in Hannover leben, spricht für die Bandbreite der hiesigen Musikszene.

Temperamentvolle Musikerin Sharon Kam

Enckes neues Werk ist reich an Feinheiten in sämtlichen Bereichen: Phrasierungen, Klangfarben, Dynamik. Und ganz besonders im Wechselspiel mit dem Orchester, das hier keineswegs nur dazu dient, der Solostimme ein weiches Bett zu bereiten – ganz im Gegenteil muss sich die Klarinette vor allem im ersten Abschnitt teilweise energisch durchsetzen. Ein gefundenes Fressen für eine temperamentvolle Musikerin wie Sharon Kam, die gleichwohl die Kurve zu kriegen weiß, bevor ihr Einsatz gar zu aufdringlich werden könnte.

Kontakt zur Interpretin gesucht

Überhaupt wurde deutlich, dass Encke während der Entstehung des neuen Werks Kontakt zur Interpretin gesucht hat (die CZ berichtete). Über weite Strecken wirkte der Vortrag gut nachvollziehbar, zumal gar zu akademische Klangtüfteleien nie Sache dieses Komponisten waren; neben sehr kraftvollen Momenten kamen auch und gerade die zarten gut zur Geltung. Im letzten Drittel des rund 25-minütigen Vortrags gab es ein paar kleinere Absacker in der Spannungskurve, wobei es allerdings auch zuviel verlangt wäre, gleich beim allerersten Versuch auf den ganz großen Wurf zu setzen. Man darf nicht vergessen, dass Encke seinen Interpreten nach den Gesetzen der begrenzten Aleatorik einige Freiheiten lässt, weshalb ohnehin jede Aufführung etwas anders klingen wird. Und dass es weitere geben wird, steht hier nicht nur zu hoffen, sondern auch zu erwarten – dieses Werk ist griffig genug, um nicht das Schicksal vieler anderer aus dem Bereich der „Neuen Musik“ zu teilen und nach der Uraufführung in der Versenkung zu verschwinden.

Schlüssig und konzentriert

Zur Eröffnung des Konzertabends war Bachs Toccata und Fuge in d-Moll erklungen. Leopold Stokowskis Orchesterfassung wurde zu einer Art Cinemascope-Fassung des bekannten Orgelwerks, was eher mit Stokowkis Sinn für Effekte zu tun hatte als mit jugendlichem Überschwang des erst 31-jährigen Dirigent Joshua Weilerstein, der aus gutem Grund bereits zum stellvertretenden Leiter der New Yorker Philharmoniker ernannt wurde – seine Einsätze wirkten schlüssig und konzentriert. Nicht anders bei der abschließenden Schönberg-Bearbeitung des g-Moll-Klavierquartetts von Brahms. Vielleicht hätte Weilerstein hier zwischendurch ein wenig Druck vom Kessel nehmen können, doch nach einem fulminanten Finale tendierten die Besucher weit eher zu höchst animiertem Beifall als zum Kritteln.

Von Jörg Worat

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