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Kultur Zwei Großmeister in der Elbphilharmonie
Weltgeschehen Kultur Zwei Großmeister in der Elbphilharmonie
08:40 21.12.2018
Dirigent Herbert Blomstedt Quelle: Sebastian Willnow
Hamburg

Herbert Blomstedt, fast zweiundneunzig Jahre alt, dirigiert noch immer viele Konzerte. Man sieht seinem zügigen, wenngleich etwas wacklig gewordenen Gang zwar inzwischen an, dass er nicht mehr der Jüngste ist, aber noch immer machen sein Körper und Geist alles so weit mit, dass er regelmäßig zu seinen vielen früher von ihm als Chefdirigent geprägten Orchestern anreist, um mit diesen zu musizieren. Das gilt nicht nur für seine wichtigsten Klangkörper in Dresden, Leipzig und San Francisco, sondern auch für alle anderen Orchester wie dem früheren NDR-Sinfonieorchester, das inzwischen ja in Elbphilharmonie-Orchester umbenannt wurde.

Blomstedt ist die Bescheidenheit in Person. Ihn hat es nie interessiert, ein Stück besonders originell zu interpretieren. Er wollte immer schon nur eines: Dem Geist der großen Komponisten in den Konzertsälen der Welt gerecht werden. Durch ein bis in den letzten klanglichen Winkel beseeltes Musizieren. Und das vermittelt er seinen Musikern auf eine sehr moderne Weise nämlich nicht von oben herab, sondern als auf Augenhöhe agierender Musiker, der alle Mitmusiker als Kollegen im Geiste anspricht und mitzieht.

Blomstedts Zurückhaltung als Individuum lässt jegliche Musik als etwas erscheinen, das ein Ethos verbreitet und als solches mit dem Impetus der Versöhnung daherkommt. Rational zu erklären ist das nicht. Man kann das nur erspüren und erleben. Und darum sind wohl auch Blomstedts Konzerte überall wie selbstverständlich ausverkauft. Selbst wenn er, wie letztens in San Francisco und Leipzig, ganze Zyklen dirigiert.

In Hamburgs Elbphilharmonie war er nun mal einmal mehr zu erleben als ein Großmeister der Musik. Dass es ihm wie selbstverständlich gelingt, der klanglich eher zur selektierenden Brillanz als zur Klangverschmelzung tendierenden Akustik dieses Raums eine gewisse Klangvermischung der Orchestergruppen zu entlocken, das sagt schon vieles. Das können nur Ausnahmemusiker oder jemand wie Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano, der viel Erfahrung im Umgang mit dieser Akustik hat. Wie Blomstedt das ruhige Ausbreiten von melodischen und harmonischen Rückungen im langsamen Satz von Beethovens fünften Klavierkonzert oder auch in der sich organisch wie ein einziger musikalischer Prozess entwickelnden zweiten Brahms-Sinfonie praktiziert hat, das waren Musikerlebnisse, die man kaum je vergessen wird.

Aber möglicherweise war an diesem Abend doch etwas anderes das Einzigartige: Nämlich der Ansatz, Beethoven fünftes Klavierkonzert nicht als Demonstration pianistischer Gestaltungskunst aufzuführen, sondern als eine Sinfonie mit Klavier, in der das Soloinstrument zwar die Aufführung prägt, aber eben eingebunden bleibt im Orchesterklang und so immer das Orchester als gleichwertiger Partner präsent bleibt.

Zu verdanken war dieser Eindruck nicht nur Blomstedt, sondern zumindest genauso stark einem Pianisten, der sich ähnlich wie der Dirigent einfach nur in den Dienst der Komponisten stellt und dabei trotzdem als eigenständiger Kopf sicht- und hörbar bleibt: Der fast siebzigjährige Emanuel Ax passte nicht nur kongenial zu Blomstedt, sondern auch zu diesem Beethoven-Konzert. Ein ganz großer Abend.

Von Reinald Hanke

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