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Kultur Die Bürde des weisen Mannes
Weltgeschehen Kultur Die Bürde des weisen Mannes
21:55 20.01.2019
René Sydow war mit seinem Programm "Die Bürde des weisen Mannes" zu Gast im Winser Kulturcafé "nebenan". Quelle: Oliver Knoblich
Winsen

Die Freunde des klassischen politischen Kabaretts haben es heute nicht einfach. Im Fernsehen und in den großen Hallen gibt es heute kaum noch intellektuell anspruchsvolles und angriffslustiges Kabarett. Fast überall regiert nur noch „die Quote“. Und diese ist nicht so leicht zu erreichen mit einem Kabarett, das ein Mitdenken des Zuschauers erfordert. Während im Süden der alten Bundesrepublik und in Österreich bis in die frühen 90er Jahre Namen wie Dieter Hildebrandt, Werner Schneyder, Gerhard Polt, Helmut Qualtinger, Fritz Kreisler oder Gerhard Bronner die allseits anerkannten Leitsterne in diesem Metier waren, hatte es diese Kunst im Norden der Republik ohnehin immer schwerer. Ein Mann wie Henning Venske, der gerade auf Abschiedstournee in Celle zu erleben war, war wohl das einzige norddeutsche Großkaliber in diesem Bereich. Er hat keine Nachfolger gefunden. Wer heute politisches Kabarett erleben will, findet das im Celler Land vor allem im Winser Kulturcafé "nebenan". Dort hat man dieser Tage mit René Sydow einen Goldgriff getan.

Wie ein nicht mehr bremsfähiger ICE rast Sydow durch die Themen. Er stellt amüsant und scharfzüngig die Fragen nach den Unterschieden zwischen Bildung und Wissen. Aber auch ein so selbstverständlich und unverfänglich erscheinender Begriff wie Weltenbummler wird kabarettistisch in Frage gestellt indem er Aida-Kreuzfahrtenfreunde kurzerhand zu Weltendummlern erklärt, die vermeintlich zumeist gar nicht wissen, welche Zustände in einem Land herrschen, in dem sie gerade einen Ausflug machen.

Sydows virtuoses Kabarett begibt sich weniger in die Niederungen von Alltagspolitik, sondern schießt eher generell auf alles, was geistlos daherkommt. Und das ist vieles heutzutage, in Anbetracht dessen, was alles vielkommentiert im Internet passiert, vielleicht mehr denn je. Und das Niveau des diesbezüglichen sogenannten Mainstreams ist so heruntergekommen, dass man als nicht so medienaffiner Zuhörer nur hoffen kann, dass Sydow vielleicht doch das eine oder andere Mal übertrieben hat. Sydows wildes, fast atemloses Rasen durch die Themen wirkt wie Maschinengewehrsalven auf alles, was hohl wirkt. Und das ist viel. Einziges Problem: Irgendwann wird das alles zu viel. Und man würde lieber mal Luft holen und beim schmunzelnden oder lachenden Zuhören auch mal gerne selbst anfangen, die eigenen Gedanken zu sortieren. Da hätte er besser öfter mal, ganz nah an der Realität heutigen ICE-Fahrens, auch das Stehenbleiben auf freier Strecke oder das Nichteintreffen eines Zuges thematisiert. Das gehört nämlich auch zum Zeitgeist: Es geht alles entweder ganz schnell oder gar nicht.

Von Reinald Hanke

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