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Kultur Therapie mit Fischen und Bananen
Weltgeschehen Kultur Therapie mit Fischen und Bananen
11:36 24.05.2019
Von Jürgen Poestges
Therapiert sich selber auf der Bühne: Helene Bockhorst. Quelle: David Borghoff
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Celle

Was will man machen, wenn man feststellt, dass man kacke ist? In die Politik gehen? „Aber auf die Idee sind bereits schon andere gekommen“, erklärte Helene Bockhorst . „Dann habe ich mich entschlossen, auf die Bühne zu gehen.“ Die 31-jährige Comedienne war am Mittwoch im Rahmen der Reihe „Pastinaken und Poeten“ zu Gast in der CD-Kaserne. Vor rund 100 Besuchern gab sie ihr Programm „Die fabelhafte Welt der Therapie“ zum Besten.

Nie primitiv oder vulgär

Soviel vorweg: Ja, es gab viele schlüpfrige Gags unter der Gürtellinie. Das fanden nicht alle im Saal lustig. Dabei wurde die Hamburgerin aber nie primitiv oder rutschte gar ins Vulgäre ab. Und: Es war immer ihre eigene Gürtellinie, die sie unterschritt. So erklärte sie, dass Dating-Seiten im Internet für sie so etwas seien wie Essen bestellen. „Das, was man bekommt, sieht immer nicht so gut aus wie auf den Fotos. Und es ist auch nicht so heiß.“ Und sie habe einmal mit einem Mann geschlafen, weil sie seine Jacke versehentlich bespuckt habe. „Und ich wollte nicht, dass das der letzte Eindruck ist, den er von mit hat. Hinterher habe ich dann gedacht, es wäre doch besser gewesen. Und ich habe dann die Jacke nochmal bespuckt.“

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Kondom über Banane

Sie ließ auch das Thema Selbstbefriedigung nicht aus. „Eine Freundin hat erzählt, sie zieht immer ein Kondom über die Banane. Ich habe mich gefragt, wovor sie denn Angst hat. Bis ich im Supermarkt Baby-Bananen gesehen habe. Die müssen ja irgendwo herkommen.“

Auftritte als Therapie

Bockhorst, die selbst erklärt, dass die Auftritte für sie die reinste Therapie sind, erzählte aber auch von ihrer Kindheit. „Mein Vater war nie da – um mich zu verprügeln. Das musste alles meine Mutter machen.“ Und dass sie keinen Hund bekommen habe, weil er zu teuer sei. „Meine Eltern haben gesagt, sie brauchen das Geld für Alkohol.“

Fische bellen nicht

Stattdessen hat sie Fische bekommen. „Die sind eigentlich auch viel besser. Die bellen nicht.“ Und sie brachte einige Beispiele aus der Unterwasser-Welt, die sie auf die Menschen übertrug. „Wir sind ja alle aus den Fischen entstanden.“

Küssende Fische

So gebe es zum Beispiel Fische, die sich ununterbrochen küssen. „Das ist aber kein Liebesbeweis. Sondern die sagen sich dadurch: Ich hasse Dich, ich finde Dich doof.“ Daran müsse sie immer denken, wenn sich Freundinnen auf Partys begrüßen.

Uli in Reihe vier

Letztlich traute sie sich auch unters Volk. „Ein Kollege hat mir gesagt, man muss auch mal in das Publikum gehen“, erklärte sie. Und da das Kabel des Mikrofons nicht so sehr weit reichte, landete sie bei Uli in Reihe vier. „Was machst Du denn beruflich?“ „Ich arbeite.“ „Und was hast Du zuletzt bei der Arbeit gemacht.“ „Wir haben eine Besprechung gemacht.“ Aus diesem Dialog hat Bockhorst dann geschlossen, dass Uli für den Geheimdienst arbeitet. „Wenn er uns erzählt, was er macht, muss er uns alle erschießen. Und das wäre ja zuviel Arbeit.“

Nicht jeder Gag zündet

Insgesamt war es ein vergnüglicher Abend, wenn auch nicht jeder Gag zündete. Helene Bockhorst hatte vor allen Dingen in der Interaktion mit dem Publikum ihre Stärken. Wenn sie spontan auf Reaktionen aus dem Saal reagierte, war sie am besten. Ihr großes Potenzial blitzte immer mal wieder auf. Und da sie erst seit Oktober mit ihrem eigenen Solo-Programm auf der Bühne steht, darf man sicher von ihr noch große Auftritte erwarten.

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