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Kultur Musikalisches Zwitschern im Barockgarten
Weltgeschehen Kultur Musikalisches Zwitschern im Barockgarten
20:48 12.08.2018
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Hannover

Das ging deutlich über das schlichte Motto „Barockmusik im Barockgarten“ hinaus. Vielmehr hatte man nachgeforscht, welche Werke thematisch mehr oder minder direkt mit Vögeln zu tun haben: Da gibt‘s erstaunlich viel, auch allerlei Kurioses, und wenn zusätzlich Spitzeninterpreten am Start sind, ist die Bühne für einen Abend der speziellen Art bereitet.

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Die preisgekrönte Sopranistin Dorothee Mields besticht vor allem durch einen wunderbar leichten, unangestrengten Ton. Diese Qualität muss zwar bei der in Herrenhausen notwendigen Verstärkung ein wenig leiden, Spaß machte es dennoch, der Sängerin bei mehreren Händel-Nummern wie „Augelletti, che cantate“ zu lauschen. Höhepunkt war indes eine eher unbekannte Telemann-Komposition, deren kompletter Titel „Trauer-Music eines kunsterfahrenen Canarienvogels, als derselbe zum größten Leidwesen seines Herrn Possessoris verstorben“ lautet.

Was bei flüchtiger Betrachtung wie eine launige Fingerübung wirken mag, trägt durchaus ernstzunehmende Züge, und zudem weist das Stück eine interessante Dramaturgie auf: Der melancholische Unterton der ersten Strophen weicht später blankem Hass auf den Tod, der dem geliebten Gezwitscher ein Ende gesetzt hat – die entsprechenden Zeilen („Dass dich der Vogel zerkratze, zerrisse und dir den Magen und Därme zerbisse“) lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, und entsprechend kippte Mields ihre Intonation ins Garstige.

Die Lautten Compagney Berlin und Blockflötist Stefan Temmingh waren weit mehr als nur Steigbügelhalter für die Sängerin, wie vor allem die rein instrumentalen Programmpunkte bewiesen. Beim klangsatten Arrangement von Jean-Philippe Rameaus „La Poule“ konnte man das besagte Huhn nachgerade vor dem geistigen Auge herumstolzieren sehen.

Von Jörg Worat