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Kultur Politisches Theater in derber Sprache
Weltgeschehen Kultur Politisches Theater in derber Sprache
18:00 05.09.2018
„Nathan“ ist ein Projekt von Oliver Frljić nach Gotthold Ephraim Lessing im Ballhof 1 in Hannover. Hier eine Szene mit Andreas Schlager, Beatrice Frey, Hannah Müller, Dennis Pörtner und Johanna Bantzer. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
HANNOVER (Niedersachsen)

HANNOVER. „Nathan“ heißt der Abend, aber „Nathan der Weise“ wird im Ballhof nicht gegeben. Gleichwohl ist Lessings zurzeit sehr angesagtes Stück die Grundlage für dieses „Projekt“, vom Staatsschauspiel für Besucher ab 15 Jahren konzipiert.

Klingt verwirrend? Die Klarheit wird nicht dadurch gesteigert, dass die fünf Figuren, die zu Beginn aus Nebelschwaden hervortreten, Jesus, Jehova, Maria, Mohammed und den Heiligen Geist darstellen. In derber Sprache liefert das Quintett nun den Brückenschlag: Man wolle gerade das untersuchen, was nicht bei Lessing steht. Wie also steht’s denn nun wahrhaftig mit der gelebten Toleranz, auch und gerade in der deutschen Geschichte?

Regisseur Oliver Frljic, in Bosnien geboren und als 16-Jähriger nach Kroatien geflohen, fördert eine Menge Beunruhigendes zutage. Es geht um Zyklon B in den Konzentrationslagern und darum, an wen und warum nach dem Krieg Waffen geliefert wurden. Hat es eine echte Versöhnung eigentlich jemals gegeben? Wie steht es überhaupt um die „jüdisch-christliche Tradition“?

Die Darstellerriege (Johanna Bantzer, Beatrice Frey, Hannah Müller, Andreas Schlager und Dennis Pörtner) vermittelt diese Inhalte eher performativ als theatral. Auf der Bühne befinden sich Schuhberge, die oft und meist eher ziellos umgeschichtet werden. Auch die Zuschauer bleiben nicht unbehelligt, wenngleich hier niemand zu irgendetwas genötigt wird: Die Abgabe der eigenen Schuhe am Anfang erfolgt ebenso auf freiwilliger Basis wie die Rekrutierung am Schluss – dann nämlich sollen einige Besucher auf die Bühne kommen und, als „Soldaten der Erinnerung“ ausstaffiert, unter anderem mit Gewehren auf die Sitzreihen zielen. Aus denen sich einige Premierengäste gen Ausgang aufmachen.

Gänzlich verübeln kann man es ihnen nicht. Denn politisches Theater ist zwar gerade in einer Zeit, da so oft belanglose Unterhaltung dominiert, gewiss wünschenswert – stimmige Spannungsbögen und Geschmackssicherheit würden aber die Wirkung erheblich steigern.

Von Jörg Worat

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