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Kultur Auftragskiller, Mafia und Frau Sägemüller
Weltgeschehen Kultur Auftragskiller, Mafia und Frau Sägemüller
13:31 04.02.2019
Von Jürgen Poestges
„Warum Bart? Warum nicht?“ Roland Jankowsky bei seiner Lesung von Krimi-Kurzgeschichten in der CD-Kaserne. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Jeder kennt ihn als tolpatschigen Kriminalbeamten aus dem Fernsehen. In der Krimireihe „Wilsberg“ lässt er als Overbeck kein Fettnäpfchen aus, mag es auch noch so klein sein. Dass Roland Jankowsky aber auch noch ganz andere Talente hat, davon konnten sich die rund 200 Besucher in der Halle 16 der CD-Kaserne überzeugen. Unter dem Motto „Wenn Overbeck kommt ...“ las der 50-Jährige, den ein ungewohnter Vollbart zierte, einige Krimi-Kurzgeschichten. „Wenn Sie jetzt fragen, warum Vollbart? Warum nicht? Man sieht dann allerdings, dass ich keine 20 mehr bin, ganz schön viele graue Haare.“ Das würde man bei „Wilsberg“ natürlich nicht sehen. „Da bin ich ja immer glatt rasiert.“

Jede Pointe passt

Er las mit viel Engagement und großer Liebe zum Detail. Jede Pointe passte, jeder Figur aus den Erzählungen hauchte er Leben ein. Dazu brauchte er lediglich einen Tisch, eine Leselampe und ein Glas stilles Wasser.

In der Geschichte „Schwäbische Henkersmahlzeit“ von Angela Esser vertonte er den sizilianischen Capo Eduardo, Chef eines Mafia-Clans, der seiner Liebe zu Oberbayern frönt, ebenso überzeugend wie den Gastwirt Bombo brutto, die „hässliche Hummel“. In einem anderen Krimi plant ein Mann im Auto den Mord an einem Nachbarsjungen, um zu verhindern, dass er irgendwann tot im Gartenteich schwimmt. Am Ende stirbt er bei einem Autounfall, der Pitbull, der den Jungen im Wald eigentlich zerfetzen sollte, landet im Tierheim.

"Dumm gelaufen in Damme"

Nach der Pause bewies er, dass er Mundart quer durch die Republik beherrscht. In „Dumm gelaufen in Damme“ von Ralf Kramp geht es um zwei Auftragsmörder, einer aus der Gegend von Vechta, mit leichtem Hamburger Akzent, einer aus Sachsen, der Ulf. Beide laufen sich bei dem Versuch, eine Leiche zu entsorgen, immer wieder über den Weg. Am Ende stellt sich heraus, dass der eine den Auftraggeber des anderen umgebracht hat. Deshalb wird es nichts mit der erhofften Entlohnung. Jetzt arbeiten die beiden zusammen.

An das Ende stellte er die Geschichte „Publikumsverkehr“ von Brigitte Glaser. Die städtische Angestellte Susi („Ich kann gut mit Menschen“) erzählt von Frau Sägemüller, die im Meldeamt Köln-Nippes von einem Kunden mit einer Kettensäge enthauptet wird. Denn eben dieser Kunde war so genervt von seiner langen Warterei, dass er einem Gartenamtsmitarbeiter die Säge entreißt und zunächst die Stühle im Wartebereich zerlegt. Bevor Frau Sägemüller ihren Versuch, ihn zu beruhigen, mit dem Leben bezahlt. Das alles im schönsten Kölner Slang.

Rolle des Overbeck lässt ihn nicht los

Die Rolle des Overbeck lässt Jankowsky aber dennoch bei dieser Lesung nicht los. Zwischendurch hält er immer einmal inne, zum Beispiel bei der Beschreibung eines Mannes mit überheblichem Gesichtsausdruck und Sonnenbrille auf der Stirn. „Das erinnert mich an irgendwen.“

Und seine Autogramme, von denen er viele geben musste, zieren am Ende ein „Ovi“ inklusive Smiley dahinter …

Roland Jankowsky wurde in Celle von einem Kamerateam des ZDF begleitet. Der Beitrag ist am Donnerstag um 17.45 Uhr in „Leute heute“ zu sehen.

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