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Kultur Scheinbar Wertloses wird zu Kunst
Weltgeschehen Kultur Scheinbar Wertloses wird zu Kunst
11:09 15.08.2018
Werke des Künstlers Gerd Schmidt Vanhove wie „Eigenständige Eigenwilligkeit“ aus den Jahren 1987 bis 1989, „Die Frage der Bildsprache“ (Mitte oben / 1980), „Helios – die Sonne“ (oben rechts / 1999) und „Adam & Eve“ aus dem Jahr 2014 sind in einer neuen Ausstellung des Sprengel Museums in Hannover zu sehen. Quelle: Stefan Neuenhausen (4)
Hannover

Das Sprengel Museum hat zuletzt mehrfach Ausstellungen hannoverscher Künstler gezeigt, so von Asmus Petersen oder Leiv Warren Donnan (die CZ berichtete). Das sind allerdings bekanntere Namen, während Schmidt Vanhove wohl eher den Insidern geläufig ist. Museumsdirektor Reinhard Spieler machte jedenfalls bei seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung kein Hehl daraus, dass ihm dieses Werk bis vor einem halben Jahr unbekannt gewesen ist, und zeigte sich desto erstaunter, dass mehrere hundert Besucher für einen rappelvolle Vernissage sorgten.

Nun muss Spieler sich nicht schämen, denn zum einen ist er selbst erst seit 2014 in Hannover, zum anderen hat sich Schmidt Vanhove vor rund 20 Jahren aus der öffentlichen Kunstszene zurückgezogen – manchen Vernissagenbesuchern ist er wohl vor allem als Barkeeper im Café Glocksee ein Begriff. Lange arbeitete er im hannoverschen Kunstzentrum Kornbrennerei, bis ihn zuletzt eine Lähmung zum Umzug zwang.

Typisch für Schmidt Vanhoves Arbeiten ist das Recycling, die Verwendung von scheinbar wertlosen Materialien. Dann werden gefärbte Eierschalen zu merkwürdigen Tierfiguren, und die Arbeit „Kanne steht Kopf“ sieht genau so aus, wie sie heißt, wobei das Gießgefäß zusätzlich mit Farbe und Sand bearbeitet ist. Hier sieht man zierliche Flöße in Glaskugeln, dort geben sich, mit Kleber übergossen, ein Herz, ein kleiner Sensenmann, eine Spinne und viele andere Figuren ein Stelldichein.

Das Prinzip erinnert natürlich an Kurt Schwitters, auf den sich Schmidt Vanhove auch ganz direkt bezieht: Fotos des hannoverschen „Merz“-Künstlers zieren kleine Litfaßsäulen in kinetischen Objekten. Es finden sich zudem Verweise auf Dieter Roth, einen anderen Exzentriker aus der niedersächsischen Metropole: konservierte Essensreste etwa oder große Wurst-Skulpturen – während Roth aber gerne zerhäckselte Druck-erzeugnisse in den Kunstdarm gepackt hat, sind es hier vorzugsweise leere Zigarettenschachteln. Ein pelzummanteltes Geschirr ist als „Hommage an M.O.“ bezeichnet, eine künstlerische Verneigung vor Meret Oppenheim.

Der 67-jährige Künstler wird zuweilen der „Outsider Art“ zugeordnet, was insofern nicht recht passt, als er in Braunschweig ein Kunststudium absolviert und mit Diplom abgeschlossen hat. Doch fraglos ist der Meisterschüler von Siegfried Neuenhausen, dem Initiator der Sprengel-Ausstellung, seine eigenen Wege gegangen, die übrigens auch dezentere Abzweigungen kennen: Dann erinnert ein zartes Drahtgebilde an die zeichnerischen Strukturen bei Paul Klee, und die Mischtechniken auf Papier mit ihren figürlichen Anmutungen sind sehr fein ausbalanciert.

Von Jörg Worat

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