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Kultur Fehlende Menschlichkeit
Weltgeschehen Kultur Fehlende Menschlichkeit
21:40 03.02.2019
Hussam Nimr, Anne Diemer, Alex Friedland (von links) in „Zeit der Kannibalen“ auf der Bühne des Celler Schlosstheaters. Quelle: Hubertus Blume
Celle

„Wir wollen unsere Kunden überrascht sehen“ – darin sind sich die beiden Top-Unternehmensberater Öllers und Niederländer einig. Überrascht natürlich von den Wegen und Möglichkeiten für optimale Gewinnoptimierung, die die beiden für den jeweiligen Kunden aufzeigen und realisierbar machen. Das ist schließlich ihr Job, den sie für ihre Consultingfirma zu erledigen haben. Und das erfordert Vorausschau, Instinkt, den Mut, zum richtigen Zeitpunkt auch mal gegen den Strom zu schwimmen – eben Risikobereitschaft. Da stellt einen jede Konkurrenz auf den Prüfstand.

Bedauerlicherweise bietet die Inszenierung, trotz einiger amüsanter Passagen und vieler kreativer Ideen kaum mehr als einen kleinen Schubs in Richtung Denk- und Diskussionsansätze – und das lag nicht an den Darstellern. Alex Friedland, Hussam Nimr und Anne Diemer setzen ihre Rollen, wie sie wohl vorgegeben sind, gut um. Eine runde, nachvollziehbare Geschichte wurde dennoch nicht daraus. Eher Gewirr von Erzählsträngen voller Schlagworte, pauschaler Anmerkungen und mit einem Einblick in ein eher substanzloses Privatleben.

Vorstellungskraft gefragt

Überraschend, aber einnehmend funktioniert die Bilder- und Körpersprache im Stück. Die oft parallel laufende, fast pantomimische Erzählebene eröffnet zweigleisig eine Vielfalt von Assoziationsmöglichkeiten. Das pure Bühnenbild von Maylin Habig – ein einfacher, langgestreckter Kastenaufbau ist Laufsteg und Aktionsfläche in einem. Die diversen, nach oben zu öffnenden Klappdeckel und ihre Benutzung lassen sowohl an Scheuklappen (gegenüber einer außerhalb von Business und Geld existierenden Realität) als auch an Abschottung denken. Ein Symbol für eine Ellbogengesellschaft, in der es sich einerseits zu behaupten gilt, die aber auch verdrängt und den Kampf um Macht und Position erforderlich macht. Irritierend die Kleidung – eine fiktive Uniformierung – etwas zwischen Mao-Tracht und Pagenlivree im „Blaumann“-Farbton. Ein Anzug stehend für Macht und Ohnmacht in einem? Auch hier ist Vorstellungskraft gefragt und mag funktionieren.

Bei all diesen Andeutungen, Anspielungen und Bildern – die Bewegungssprache als Mix aus Ballett, Akrobatik und Bodenturnen noch gar nicht angesprochen – verlieren sich allerdings Thema und Aussagen des Stücks immer wieder. Die Optik karikiert das Wort so stark, dass dessen Inhalt sich oft nur auf sarkastische Bonmots reduziert, sich jede hintergründige Ersthaftigkeit und Bedeutung verflüchtigt. Okay, die Welt der kapitalistischen Weltwirtschaft ist hart, ohne Mitleid und Rücksicht, rein auf Profit und ertragreiche Geschäfte ausgerichtet. Okay, da gibt es Menschen in diesem System, deren Aufgabe es ist, die Richtung von Cashflow und Investitionen zu bestimmen und optimale Anlagemöglichkeiten aufzutun und zum Abschluss zu bringen. Dass das Menschliche diesseits und jenseits dieses rein zielorientierten Berufslebens auf der Strecke bleibt, ist nicht überraschend …

Weitere Aufführungen: 7., 8., 9., 14., 15., 16., 22. Februar, 1., 2., 8., 9., 15. und 20 März, jeweils um 20 Uhr in der Halle 19, Karten unter Telefon (05141) 90508-75/76.

Von Doris Hennies

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