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Kultur Spirale der Grausamkeit
Weltgeschehen Kultur Spirale der Grausamkeit
12:48 06.09.2018
Hofesh Shechters Nachwuchs-Compagnie „Shechter II“ trat mit dem Stück „Show“ in Hannover auf. Quelle: Gabriele Zucca
Hannover

Hofesh Shechter ist ein Star unter den zeitgenössischen Choreographen. Es spricht für eine ausgezeichnete Vernetzung, dass die Macher des Festivals „Tanztheater International“ den aus Jerusalem stammenden und in London lebenden Künstler für die diesjährige Ausgabe gewinnen konnten. Er brachte seine Nachwuchs-Compagnie „Shechter II“ mit dem Stück „Show“ nach Hannover, das Schauspielhaus war ausverkauft.

Fazit vorab: Der Auftritt enttäuschte sicherlich nicht, erwies sich aber auch nicht als Sensation. Überwältigend waren allerdings die acht Tänzerinnen und Tänzer – wer bei Shechter mitmachen will, muss schon über besondere Qualitäten verfügen. Und in Sachen Präzision, Disziplin und Durchhaltevermögen macht diesem Oktett so schnell niemand etwas vor.

Moderner Tanz aus Israel ist oft sehr physisch geprägt und schreckt vor der Einbindung krasser Szenen nicht unbedingt zurück. So auch hier, wovon allerdings am Anfang wenig zu spüren ist: In harmloser Kostümierung, die an Gaukler vergangener Zeiten erinnert, übt sich die Truppe in neckischen Schrittfolgen von höfischer Anmutung und lässt die Hände fröhlich flattern.

Zwar gibt es schon hier mit irritierenden Bodenfiguren das eine oder andere Störmanöver, happig wird es, als die Figuren plötzlich Mordgelüste entwickeln. Werden da tatsächlich Gräueltaten mit Messer und Pistole angedeutet? Wer meint, sich verguckt zu haben, da die Compagnie alsbald wieder in die Normalität zurückzukehren scheint, wird im weiteren Verlauf eines Besseren belehrt: Die requisitenfreie Spirale der Grausamkeit dreht sich immer schneller, bis auf der Bühne ein wahres Gemetzel ausbricht, immer genau im Takt und prinzipiell endlos, weil die Toten umgehend wieder zum Leben erwachen.

Der Soundtrack zu alledem stammt von Shechter selbst – der Choreograph kommt ursprünglich aus dem musikalischen Sektor. Es hat seine Gründe, dass vorher auf Wunsch Ohrenstöpsel ausgegeben wurden, denn die Musik ist laut und vor allem durchdringend, zudem bei allem Klangfarben-Reichtum von einem auf Dauer arg penetranten Puls geprägt. Das Enervierende ist hier natürlich ein bewusst eingesetztes Stilmittel, hat allerdings den Nachteil, dass die Aufmerksamkeit des Besuchers nachlassen kann, wie sich auch der Schock der Mordszenen irgendwann verbraucht.

Ziemlich genial ist der „Trugschluss“: Brav stehen die Tänzer am Bühnenrand und sollen die üblichen Blumen bekommen, da drehen sie plötzlich noch einmal auf. Und endgültig durch – Geschunkel und Gemeuchel verquicken sich zu einem ebenso virtuosen wie makabren Reigen. Heftiger Beifall, einige stehende Ovationen.

Von Jörg Worat

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