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Kultur Zeichnerin setzt auf Macht des Bildes
Weltgeschehen Kultur Zeichnerin setzt auf Macht des Bildes
18:00 29.08.2018
Rotraut Susanne Berner: Im Haus, aus Sommer-Wimmelbuch Quelle: Gerstenberg Verlag
Hannover

Am bekanntesten ist Rotraut Susanne Berner wohl für ihre Wimmelbilder. Und wenn man so will, ist ihre Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum ein ebensolches, nur in gigantischer Form: Was das Haus hier zu Ehren der Zeichnerin, die vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden ist, an Originalzeichnungen und zusätzlichem Material aufgefahren hat, ist bei einem einzigen Besuch kaum zu erfassen.

Die Schau trägt den schönen Titel „Sammel & Surium“ und ist in verschiedene Rubriken unterteilt, die „Nest & Häkchen“, „Kopf & Kino“ oder „Wimmel & Welt“ heißen. Womit wir wieder beim Thema wären: Es gibt vier Wimmelbücher zu den Jahreszeiten und eines zum Thema Nacht – ein Motiv aus diesem ist im vorderen Teil der Ausstellung sogar in begehbarer Form nachgebaut.

Die Münchner Zeichnerin setzt stark auf die Macht des Bildes, weshalb ihre Bücher ohne Worte auskommen können. Das regt fraglos die Fantasie an: Auf wen oder was wartet dieser Mann, der auf einem Koffer sitzt und betrübt seine Uhr betrachtet? Warum hat das eingepackte Geschenk, das jene junge Frau unter dem Arm trägt, die Form eines Krokodils?

Ein Höhepunkt ist die Präsentation eines „Drehbuchs“, das zeigt, wie Berner ihren Figuren, die in mehreren Büchern auftauchen können, Biographien angedeihen lässt. Da gibt es etwa Pedro, den peruanischen Studenten und Straßenmusiker, den mysteriösen Mann mit der Gans, dessen Herkunft und Ziel niemand kennt, oder die 12-jährige Leseratte Petra.

Ihr ist an anderer Stelle eine eigene Abteilung gewidmet. Stets hat Petra ihre Nase in einem Buch, rennt sogar lesend gegen eine Straßenlaterne. Kein Wunder, dass irgendwann der Doktor kommen muss – auch die Literatur kann zu ungesunden Suchterscheinungen führen.

Ein Bild zeigt Petra lesend auf dem Klo, und überhaupt stellt Berner zuweilen Motive dar, die einst aus fragwürdiger Schamhaftigkeit vermieden wurden. Da blitzt auch schon mal eine nackte Brust, weshalb die Veröffentlichung der Bücher in den nach wie vor oft befremdlich prüden USA ins Stocken geriet – die Zeichnerin war selbst angesichts der Gefahr finanzieller Einbußen nicht zu Kompromissen bereit.

An anderer Stelle geht es um Angst, Zerstörung oder Tod. Und wenn Berner Charles Bukowski illustriert, ist der Bereich der Kinderbücher verlassen – sie zeigt hier auch einen anderen Strich als den üblichen, der sehr klar, aber genau genommen nicht sonderlich raffiniert ist.

Damit noch lange nicht genug. Unten kann man originale Schulaufsätze der kleinen Rotraut lesen („Ich möchte Kinderärztin werden“), oben gibt es Informationen zu Drucktechniken. Und wer will, kann es zuhause weiterwimmeln lassen: Das Begleitbuch kostet 25 Euro.

Von Jörg Worat

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