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Risikogebiete : Reisewarnung für zwei Regionen trifft Urlaubsland Kroatien

19:41 20.08.2020
Touristen an der Uferpromenade von Zadar. Nach Angaben der kroatischen Tourismusindustrie halten sich derzeit etwa 30.000 Urlauber aus Deutschland in den von der Reisewarnung betroffenen Gebieten auf. Foto: Marko Dimic/Pixsell/Xinhua/dpa Quelle: Marko Dimic/Pixsell
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Rijeka

Berlin (dpa) - In Teilen Kroatiens ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt nach oben geschossen - deshalb warnt das Auswärtige Amt nun vor Reisen in zwei Regionen des Urlaubslandes.

Die Reisewarnung gilt für die beiden südlichen Verwaltungsbezirke - die sogenannten Gespanschaften - Šibenik-Knin mit dem Nationalpark Krka und Split-Dalmatien mit der Hafenstadt Split sowie den Inseln Brac und Hvar.

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Auch wenn nur wenige Landesteile betroffen seien, «trifft diese Entscheidung sowohl Urlauber als auch die Reisebüros und Reiseveranstalter erneut», sagte Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV, am Donnerstag. Nach Angaben der kroatischen Tourismusindustrie halten sich derzeit etwa 30.000 Urlauber aus Deutschland in den betroffenen Gebieten auf.

Für die Tourismusindustrie in den Gespanschaften sei die Lage aufgrund der Reisewarnung schwierig, sagte der Direktor der kroatischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt, Romeo Draghicchio, der Deutschen Presse-Agentur. Er zeigte sich aber zugleich erleichtert, dass die Bundesregierung nicht für das ganze EU-Land an der Adria eine Reisewarnung erlassen hat. Für die übrigen 150.000 deutschen Urlauber, die derzeit in Kroatien sind, sowie diejenigen, die noch Reisepläne haben, ändere sich nichts, betonte Draghicchio.

Zuvor hatten die beteiligten Bundesministerien für Gesundheit und Inneres sowie das Auswärtige Amt die Regionen als Corona-Risikogebiete eingestuft. «Das Covid-19-Infektionsaufkommen war in Kroatien über mehrere Wochen niedrig, nimmt zuletzt allerdings stark zu. In den Gespanschaften Šibenik-Knin und Split-Dalmatien liegen die Inzidenzen derzeit bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage», betonte das Auswärtige Amt. Über die vergangenen 14 Tage steht diese Ziffer für ganz Kroatien bei 37,7.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat.

Sollte die Bundesregierung ihre Reisewarnung auf ganz Kroatien ausweiten, wäre das ein sehr harter Schlag für die Reisebranche, sagte Draghicchio. Das «würde uns am härtesten treffen. Die Deutschen sind unsere Urlaubsgruppe Nummer eins.» Aktuell hielten sich die meisten deutschen Urlauber auf der nördlichen Halbinsel Istrien und an der Kvarner-Bucht vor Rijeka auf. Dort gebe es nur wenige aktive Coronafälle, sagte Draghicchio. Auch der DRV betonte, die Reisewarnung gelte nicht für den Großteil der touristischen Regionen, in denen deutsche Urlauber gerne unterwegs seien – wie etwa Istrien.

Kroatien zählt zu den beliebten Urlaubszielen der Bundesbürger im Ausland, mit einem hohen Anteil von Individualreisenden. Vergangene Woche hatte die Bundesregierung bereits eine Reisewarnung für fast ganz Spanien einschließlich der Ferieninsel Mallorca, aber mit Ausnahme der Kanaren ausgesprochen. Das belastet die Branche ungleich stärker.

DRV-Präsident Fiebig mahnte, die Debatte um die steigenden Corona-Zahlen dürfe nicht auf Reiserückkehrer verengt werden. Zudem müsse zwischen Reisen zu Freunden und Familien in Länder wie den Kosovo, die Türkei, Kroatien oder Bulgarien und dem klassischen Pauschalreisetourismus unterschieden werden. «Der organisierte Tourismus ist nur in äußerst geringem Umfang von Corona-Infektionen betroffen. Den deutschen Reiseveranstaltern ist nur eine sehr geringe Anzahl an Fällen bekannt», sagte Fiebig.

Kroatien hatte zuletzt einen steilen Neuanstieg an Corona-Fällen registriert. Am Donnerstag meldeten die Behörden einen Rekordwert von 255 Fällen innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Damit gibt es in dem Land mit etwa 4,19 Millionen Einwohnern nun 1689 aktive Fälle. «Die Lage hat sich etwas geändert in den letzten Tagen, die Zahl der Neuerkrankungen ist etwas höher», räumte Draghicchio ein. Zugleich betonte er: «Aber wir glauben, dass die Lage noch im Griff ist.» Die Regierung machte junge Partytouristen und Beachclubs für den Anstieg verantwortlich.

Draghicchio zeigte sich zuversichtlich, dass mithilfe neuer Maßnahmen die Zahlen bald wieder sinken. So müssen Clubs nun um Mitternacht schließen. Außerdem gelten Abstandsregeln sowie Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie in geschlossenen öffentlichen Räumen.

Der Tourismus ist eine sehr wichtige Branche in Kroatien: Er macht etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Tourismussaison dauert normalerweise bis Oktober. Im Falle einer deutschen Reisewarnung für das gesamte Land würde ein Großteil der Einkommen in der Nachsaison wegfallen, sagte Draghicchio. «Wir hoffen, dass es keine Insolvenzen geben wird.»

Bisher hat das Land 2020 fast 50 Prozent weniger Urlauber registriert als im Vorjahreszeitraum. «Bis Mitte Juni ging fast nichts. Aber seitdem sind die Zahlen viel besser geworden», sagte der Reiseexperte. Im August seien es bereits 70 Prozent der Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr gewesen.

Österreich und Italien haben bereits eine Reisewarnung für Kroatien verhängt, am Donnerstag folgte das Nachbarland Slowenien. Die Regierung in Ljubljana rief mehr als 100.000 Landsleute, die in Kroatien weilen, auf, bis Montag zurückzukehren. Ansonsten müssten sie sich in Quarantäne begeben. Slowenien, das deutschen Autoreisenden nach Kroatien als Transitland dient, verzeichnete am Donnerstag ebenfalls einen Rekord an Neuinfektionen. Die Regierung betonte, bei den meisten Fällen handele es sich um Rückkehrer aus Kroatien, häufig junge Menschen unter 35. Großbritannien kündigte an, dass Einreisende aus Kroatien - ebenso wie aus Österreich - von diesem Samstag an für 14 Tage in Selbstisolation gehen müssen.

© dpa-infocom, dpa:200820-99-239960/7

Von dpa Von Benedikt von Imhoff und Friederike Marx