Ohne Riesen-Mauern

Hochwasserschutz an Celler Aller mit Augenmaß

"Bollerige Mauern" wie andernorts soll es beim Aller-Hochwasserschutz entlang der Fritzenwiese nicht geben.
  • Von Michael Ende
  • 17:30 Uhr
  • 23. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 17:30 Uhr
  • 23. Juni 2022
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Celle.

Nicht klotzen, aber auch nicht kleckern: Mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl will die Stadtverwaltung den Hochwasserschutz zwischen Allerwehr und Ziegeninsel entlang der Fritzenwiese gestalten. So viel wie nötig und so wenig wie möglich – das solle das Motto sein, unter dem der Flutschutz geplant werde, hieß es jetzt im Ortsrat Blumlage/Altstadt. So solle es hier keine mannshohen Mauern wie etwa entlang der Fuhsemündung geben – höchstens welche, die einen halben Meter hoch seien. Das alles solle in enger Absprache mit den betroffenen Anwohnern geschehen.

Noch keine Details im Ortsrat

"Abstimmung der Baumaßnahme Hochwasserschutz 4. Bauabschnitt mit den Anliegern und politischen Gremien" – so stand es auf der Tagesordnung der Sitzung. Und rund ein Dutzend Anlieger hatte das so verstanden, dass man jetzt mit ihnen über das Projekt diskutieren und sie in die Planung einbinden wolle. Das hatte die FDP in den vergangenen Jahren wiederholt beantragt – mit dem Hinweis darauf, dass das Allerufer hier besonders stadtbildprägend sei und sensibel behandelt werden müsse. Doch die Erwartung, dass es im Ortsrat Details zur Planung geben würde, war ein Missverständnis. Es gab einen kurzen Vortrag der Verwaltung über den Sachstand des Vorhabens.

Anwohner sollen einzeln angesprochen werden

Die Basisdaten für eine Planung lägen nun vor, erläuterte Jörg Frohnert, im Rathaus Fachdienstleiter Verkehr. Die Vermessungen und Baugrunduntersuchungen seien fertig, die hydraulischen Untersuchungen seien ebenso abgeschlossen wie die Erhebungen für den Umweltschutz. Jetzt werde eine Ingenieurbüro für die fälligen landschaftsplanerischen Aspekte engagiert, so Frohnert: "Wir wollen in den nächsten Wochen mit den zehn vom Hochwasserschutz betroffenen Anwohnern Gespräche führen." Ziel sollten hier individuelle Lösungen sein, die in das Planfeststellungsverfahren einfließen sollten: "Wir wollen Ende des Jahres ins Planfeststellungsverfahren gehen. Das wird dann nächstes Jahr laufen. Sollte jemand noch den Rechtsweg beschreiten wollen, könnte es noch länger dauern." Um Klagen von Anwohnern von vornherein auszuschließen, wolle man sie möglichst intensiv in die Planungen einbinden: "So wollen wir das Klagepotenzial möglichst gering halten. Ab 2024 wollen wir bauen."

Höchstens einen halben Meter hoch

"Das ist mir zu oberflächlich – ich hatte mehr erwartet", sagte Altstadt-Ortsbürgermeister Christoph Engelen (SPD): "Die größte Befürchtung der Anwohner ist, dass sie eine Mauer vor die Nase gesetzt bekommen." Niemand habe vor, in diesem Abschnitt eine riesige Mauer zu bauen, entgegnete Frohnert: "Hier wird es keine bis zu zwei Meter hohen Mauern wie an der Fuhse geben. Wir werden mit 30 bis 40 Zentimetern Höhe deutlich unter einem halben Meter bleiben."

Nackter Beton ist kein Muss

Er sei überrascht, dass es nach einer "künstlerischen Pause" der Verwaltung nun immerhin schon einen Zeitplan zu geben scheine, sagte Stephan Ohl (Grüne). Er hoffe, dass hier keine "extrem bollerigen Mauern" wie andernorts nötig seinen und man elegantere Lösungen finde. Frohnert nickte: "Wir haben hierfür ein landschaftsplanerisches Büro eingeschaltet, so dass die Mauer kein nackter Beton sein muss. Es wäre sicherlich auch eine bepflanzte Böschung möglich, wenn die Anwohner dies wollen."